Haupt-Koopmann: Potenziale nicht ungenutzt lassen

Die Jahre der Hochkonjunktur beflügelten den Arbeitsmarkt in Mecklenburg-Vorpommern. Mit der Corona-Pandemie kamen aber neue Herausforderungen, auch für Margit Haupt-Koopmann als Chefin der Arbeitsagentur Nord. Sie zieht nach zehn Jahren Bilanz.
Margit Haupt-Koopmann. © Axel Heimken/dpa/Archivbild

Trotz der jüngsten Eintrübungen am Arbeitsmarkt sieht die scheidende Chefin der Arbeitsagentur Nord, Margit Haupt-Koopmann, die Wirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns auf gutem Weg. «Ich bin zuversichtlich für die weitere Entwicklung. Insbesondere die Pläne des Bundes für den beschleunigten Ausbau der Erneuerbaren Energien werden dem Nordosten noch einmal Auftrieb verleihen», zeigte sich die 65-Jährige überzeugt.

Zwar sei die Einstellung der Rotorblatt-Fertigung durch Nordex in Rostock sehr bedauerlich. Doch werde der beabsichtigte Bau neuer Windparks auf See und an Land neue Beschäftigung insbesondere auch in Mecklenburg-Vorpommern schaffen. Zudem zeichneten sich für den krisengeschüttelten Schiffbau gute Perspektiven ab und die Gesundheitswirtschaft habe sich selbst während der Corona-Pandemie als stabiles Rückgrat des Arbeitsmarktes erwiesen. «Jeder fünfte sozialversicherungspflichtige Arbeitsplatz im Land ist in dieser Branche angesiedelt. In keinem anderen Bundesland ist der Anteil des Gesundheits- und Sozialwesens höher», sagte Haupt-Koopmann.

Ende Juni, wenige Wochen vor ihrer Pensionierung, hatte sie letztmals den Arbeitsmarktbericht präsentiert und dabei eine für die Jahreszeit untypische Zunahme der Arbeitslosenzahl zum Vormonat auf 57.600 registrieren müssen. Als Hauptgründe sieht sie die Folgen des Krieges in der Ukraine: So gingen im Juni 3900 arbeitslose Ukrainer in die Arbeitsmarktstatistik des Landes mit ein, 3600 mehr als im Vormonat. Zudem habe der anhaltende Krieg Russlands mit den dramatischen Auswirkungen auch auf den Energiemarkt die wirtschaftlichen Erwartungen der Betriebe im Land und damit deren Einstellungsbereitschaft vorerst gedämpft.

Für ihre zehnjährige Amtszeit zieht Haupt-Koopmann eine insgesamt positive Bilanz, auch wenn die Corona-Pandemie in den letzten beiden Jahren den Aufwärtstrend gebremst habe. So wuchs die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Mecklenburg-Vorpommern von 2012 bis 2021 um 41.400 auf 577.800. Die Zahl der Arbeitslosen sank im gleichen Zeitraum um 43.400 auf 62.400, war 2019 mit 58.500 zwischenzeitlich aber bereits geringer. Die Quote sank zeitweise auf Werte, die niedriger lagen als etwa in Hamburg. Mit aktuell 7,1 Prozent ist sie im Ländervergleich zwar eine der höchsten, aber längst nicht mehr mit so großem Abstand wie in früheren Jahren.

«Man darf dabei aber nicht vergessen, dass dies Ergebnisse von zehn Jahren Hochkonjunktur waren. Außerdem hat die demografische Entwicklung maßgeblich mit dazu beigetragen, dass die Arbeitslosenzahlen so deutlich gesunken sind», erklärte die Arbeitsmarktexpertin. Besonders stark ging die Jugendarbeitslosigkeit zurück, die sich von 2012 bis 2019 auf knapp 5200 halbierte.

In den Unternehmen mache sich das Ausscheiden geburtenstarker Jahrgänge aus dem Arbeitsleben zunehmend bemerkbar. «Der Fachkräftemangel ist in machen Branchen bereits akut und hat dort auch die Bereitschaft erhöht, Langzeitarbeitslosen oder jungen Leuten ohne Berufsabschluss eine Chance zu geben», sagte Haupt-Koopmann. Sie verweist auf die Unterstützungsprogramme der Arbeitsagentur bei der Einstellung Benachteiligter, vom geförderten Langzeitpraktikum über Einstiegshilfen bis hin zu Zuschüssen bei berufsbegleitender Qualifizierung.

«Etwa 10.000 Menschen im Alter zwischen 25 und 35 haben Jobs, aber keinen Berufsabschluss. Da lässt sich doch noch viel machen», meint Haupt-Koopmann. Weitere 7000 Männer und Frauen dieser Altersgruppe seien arbeitslos. Nur 700 von ihnen würden pro Jahr eine Ausbildung beginnen. Dieser Anteil müsse spürbar erhöht werden. «Wir dürfen diese Potenziale nicht ungenutzt lassen», betont die Agenturchefin und bescheinigt den Firmenlenkern zunehmende Kompromissbereitschaft.

In ihrem jahrelangen Bemühen, auch «Jugendlichen mit Ecken und Kanten» den Weg in ein geordnetes Berufsleben zu ebnen und ältere Arbeitslose wieder in Jobs zu bringen, wusste sich Haupt-Koopmann nach eigenen Worten stets einig mit Arbeitgebern, Gewerkschaften und Politik. Dass die Attraktivität von Arbeitsplätzen - etwa in Tourismus und Gastgewerbe - maßgeblich auch vom Verdienst bestimmt werde, sei bekannt. Das auszuhandeln, sei aber allein Sache der Tarifpartner.

Arbeitgeberpräsident Lars Schwarz würdigte die «optimistische und anpackende Art» der scheidenden Agenturchefin. «Ob im Beirat der Regionaldirektion Nord, im Zukunftsbündnis oder in den zahlreichen Runden des Corona-Gipfels der Landesregierung. Frau Haupt-Koopmann ließ nie locker», erinnerte sich Schwarz.

Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) hob ihre Expertise und Verlässlichkeit hervor. «Auch in Krisenzeiten haben wir Programme auf den Weg gebracht, die die Menschen in Arbeit halten und somit auch den Bestand der Unternehmen sichern», sagte Meyer. DGB-Nord-Chefin Laura Pooth würdigte Haupt-Koopmann als kompetente Ansprechpartnerin für allen Themen rund um den Arbeitsmarkt und auch um die Ausbildung: «Ihre Stimme hat Gewicht.» Mit ihrem Engagement und ihrer Professionalität sei sie zudem Vorbild für Frauen in Führungspositionen.

© dpa
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