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Nach Wetterkapriolen enttäuschende Getreideernte im Norden

Erst wochenlange Trockenheit und dann Dauerregen - teils extreme Bedingungen haben in diesem Jahr die Getreideernte geprägt. Nun liegen für den Norden Zahlen vor.
Getreideernte
Ein Mähdrescher erntet Ackerbohnen auf einem Feld. © Jens Büttner/dpa

Die Wetterextreme mit einem trockenen Mai und Juni sowie einer Regenflut im Juli und August haben den Bauern in Schleswig Holstein eine enttäuschende Ernte beschert. Die Trockenheit bewirkte Ertragseinbußen, und wegen der folgenden Nässe konnte die Ernte von Getreide und Raps in großen Teilen erst sehr spät eingefahren werden. In einigen Regionen läuft sie immer noch. Die Landwirtschaftskammer sprach am Donnerstag von einer mittleren bis unterdurchschnittlichen Ernte, das Agrarministerium von einem schlechten Anbaujahr.

Gastgeber der traditionellen Ernte-Pressekonferenz war diesmal Landwirt Christoph Rodde, der in sechster Generation auf Gut Bülk bei Strande auf 350 Hektar Gerste, Raps und Weizen anbaut. Acht bis zehn Prozent unter dem langjährigen Schnitt blieb die Ernte, und die Qualität war unerfreulich. So holte Rodde nur Futterweizen vom Feld, gar keinen Brotweizen. Das bedeutet ein Minus im Verkauf von 35 Euro je Tonne. Da die Ernte im vorigen Jahr super war, kann Rodde mit dem aktuellen Ergebnis aber noch ganz gut leben.

Nach der aktuellen zweiten Schätzung wird in Schleswig-Holstein eine Druschgetreidemenge - ohne Körnermais - von 2,2 Millionen Tonnen erwartet. Dies wären laut Statistikamt Nord 17 Prozent weniger als 2022. Grund für den Rückgang sei vor allem die unbeständige und niederschlagsreiche Witterung während der Ernte. Zudem sei die Anbaufläche um drei Prozent kleiner. Den Prognosen zufolge würde der durchschnittliche Ertrag mit 76 Dezitonnen je Hektar das Vorjahresniveau um 15 Prozent verfehlen.

«Die Landwirtschaft spürt die Auswirkungen des Klimawandels bereits deutlich», kommentierte Agrarminister Werner Schwarz (CDU). «Die Zunahme von extremen Wetterlagen sorgt dafür, dass Höchsterträge nur noch selten zu erreichen und die Erträge zunehmend schwankend sind.» Mit einem neu eingerichteten Kompetenzzentrum für klimaeffiziente Landwirtschaft wolle die Regierung Agrarbetrieben helfen, sich für die Anpassungen an die Folgen des Klimawandels fit zu machen.

Mehr als die Hälfte des geernteten Weizens dürfte Futtergetreide sein, sagte Landwirtschaftskammer-Präsidentin Ute Volquardsen mit Blick auf die Qualität des geernteten Getreides. «Das Wetter hat uns Landwirtinnen und Landwirten dieses Jahr extrem herausgefordert.». Bei ihr in Nordfriesland habe es im Juli an 26 Tagen geregnet. Die zu erzielenden Preise seien klar unter Vorjahresniveau, aber etwas höher als vor Ausbruch des Ukraine-Kriegs. Das Angebot an Brotgetreide sei eher knapp, aber weltweit reiche die Weizenernte aus.

In der Landwirtschaft gehe es mal hoch und mal runter, sagte Bauernverbandspräsident Klaus-Peter Lucht. «Wir brauchen eine pragmatische Klimaschutzberatung für unsere landwirtschaftlichen Betriebe, wir brauchen ein Wassermanagement, das Wasser in der Fläche hält und uns zur Verfügung steht, wenn eine Dürre droht», äußerte er. Zudem sei zu überlegen, wie künftig ein an Wetterextreme angepasster Ackerbau aussehen kann. Acker- und Futterbau seien essenziell für die Versorgungssicherheit und den Erhalt der Kulturlandschaft.

Lucht kritisierte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne), weil dieser aus Sicht des Verbandspräsidenten Politik gegen Tierhaltung macht. Auflagen für die Haltung von Schweinen seien zu hart - mit der Folge, dass Fleisch aus Polen und Spanien importiert werde, wo die Vorgaben nicht so streng seien.

Binnen zehn Jahren seien 50 Prozent der Schweinehaltungen aufgegeben worden, sagte Minister Schwarz. Insgesamt geben laut Bauernverband jährlich zwei Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe auf, im Milchbereich vier und in der Schweinehaltung zuletzt um zehn Prozent.

Rund 1,2 Millionen Tonnen und damit 56 Prozent der Getreideernte entfielen laut Statistikamt auf Winterweizen. Dies seien 14 Prozent weniger als 2022 und 9 Prozent weniger als im sechsjährigen Mittel. Der Durchschnittsertrag von 83 Dezitonnen je Hektar liege um 14 Prozent unter Vorjahresniveau und um 7 Prozent unter dem langjährigen Mittel.

Winterweizen erreicht mit geschätzt 82,6 Dezitonnen je Hektar deutlich weniger Ertrag als im Vorjahr. Das Ergebnis blieb auch unter dem langjährigen Durchschnitt. Wintergerste verfehlte mit 80,5 Dezitonnen den Rekord von 2022. Winterraps übertraf mit 39 Dezitonnen je Hektar das niedrige sechsjährige Mittel, blieb aber deutlich unter den 44 Dezitonnen des Vorjahres. Raps ist nach Winterweizen die zweitwichtigste Marktfrucht im Ackerbau in Schleswig-Holstein. Zur Absicherung der Ernte war häufig eine Trocknung erforderlich - was zu höheren Energiekosten führt. Für Landwirt Rodde waren es etwa 6000 Euro für rund 6000 Liter Heizöl.

© dpa ⁄ Wolfgang Schmidt, dpa
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