Ukraine-Krieg drückt Stimmung der Metallindustrie im Norden

In weniger als vier Monaten beginnt die Metalltarifrunde. Viele Beschäftigte erwarten laut IG Metall deutlich mehr Geld als Ausgleich der überbordenden Inflation. Damit stehen harte Verhandlungen ins Haus, denn die Lage vieler Betriebe ist alles andere als sicher.
Eine Schweißerin fügt Metall-Elemente durch Punktschweißen zusammen. © Markus Scholz/dpa/Archivbild

Der Ukraine-Krieg hat die ohnehin angeschlagene Stimmung in der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie weiter gedämpft. Mittlerweile bezeichnen 23 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als unbefriedigend oder schlecht, das sind acht Prozentpunkte mehr als vor einem halben Jahr. Und 22 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer schlechteren Geschäftsentwicklung im kommenden Halbjahr. Sechs Monate zuvor waren es lediglich 8 Prozent, die von trüberen Aussichten berichteten. Das geht aus einer Umfrage des Arbeitgeberverbandes Nordmetall hervor, die der dpa vorliegt.

Neben den Folgen der schon fast zweieinhalb Jahre andauernden Corona-Pandemie und dem Dauerbrenner Fachkräftemangel sind es vor allem sprunghaft steigende Kosten für Energie und Material, die den Managern der Unternehmen Sorge bereiten. «Statt einer Erholung nach der Pandemie erleben wir eine Verschärfung der Long-Covid-Folgen in den Betrieben durch den Ukraine-Krieg», sagte Nordmetall-Vizepräsident Robert Focke zu den Umfrageergebnissen.

Allein wegen der Corona-Folgen mussten 31 Prozent der Unternehmen im Norden der Umfrage zufolge ihre Produktion stark oder sehr stark einschränken. Im Herbst gaben dies lediglich 23 Prozent an. «Die starke Verbreitung des Virus in den vergangenen Monaten hat zu erhöhten Krankenständen geführt», sagte Focke dazu. Stark rückläufig ist derweil die Kurzarbeit. Nutzte im ersten Pandemiejahr 2020 ungefähr jeder zweite Betrieb dieses Instrument, sind es inzwischen nur noch 11 Prozent. Auch der Anteil der von Kurzarbeit betroffenen Mitarbeiter ist in ähnlichem Ausmaß zurückgegangen.

Obwohl Kurzarbeit also immer noch nicht ganz passé ist, planen 41 Prozent der Unternehmen, ihr Personal aufzustocken, «was sich auf rund 3200 zusätzliche Beschäftigte in Norddeutschland summieren dürfte», so Nordmetall. Das wären so viele neue Jobs in der Branche wie seit Jahren nicht mehr. Allerdings werden die Unternehmen auf dem Arbeitsmarkt immer seltener fündig. 73 Prozent der Unternehmen beklagen die mangelnde Verfügbarkeit geeigneter Fachkräfte, bei Auszubildenden sind es 63 Prozent. «Der Fachkräfte- und Azubi-Mangel verschärft sich zum Notstand», sagte Focke. «Den Unternehmen fehlen an allen Ecken und Enden die Menschen, um hohe Auftragsbestände abzuarbeiten und eine starke Kapazitätsauslastung auch in wachsende Umsätze zu verwandeln.»

Nordmetall ist der Zusammenschluss von 240 Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie. Die Mitgliedsunternehmen beschäftigen nach Verbandsangaben rund 130.000 Menschen in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und dem nordwestlichen Niedersachsen. An der Umfrage haben sich im April und Mai 176 Betriebe mit 123.000 Beschäftigten beteiligt.

© dpa
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