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Messerattacke in Zug: Mithäftling beschuldigt Angeklagten

Wollte der mutmaßliche Doppelmörder aus dem Regionalzug von Brokstedt flüchten und weitere Morde begehen? Das legt die Aussage eines Ex-Mithäftlings nahe, der Todesdrohungen erhalten haben will.
Gerichtssaal
Das Strafgesetzbuch und Akten liegen in einem Gericht auf dem Tisch. © Swen Pförtner/dpa/Symbolbild

Im Prozess um die tödliche Messerattacke im Regionalzug bei Brokstedt hat ein ehemaliger Mithäftling aus dem Untersuchungsgefängnis Neumünster den Angeklagten am Freitag belastet. Der staatenlose Palästinenser Ibrahim A., der sich wegen zweifachen Mordes und vierfachen Mordversuchs verantworten muss, habe auch ihn und andere mit dem Tode bedroht, sagte der 26 Jahre alte Häftling vor dem Landgericht Itzehoe. «Ich töte dich, ich krieg dich, ich bringe dich um, genauso wie ich die beiden anderen umgebracht habe», habe Ibrahim A. gedroht, sagte der Mann.

Der Angeklagte habe Beleidigungen, Beschimpfungen und Todesdrohungen durch die Zellentür und das -fenster in den Hof gerufen, sagte der 26-Jährige. Er habe das mitangehört und die Justizbeamten informiert. Der Angeklagte habe auch gespuckt und bei der Essenausgabe einen Beamten durch die Türklappe mit Wasser begossen.

Den Schilderungen zufolge sei der 34-Jährige vom ersten Tag an durch Randalieren, gegen die Tür schlagen, Beschimpfungen, Bedrohungen und Beleidigungen aufgefallen. Er habe auch das Inventar seiner Zelle demoliert. Damit habe der Angeklagte seine Verlegung in die Psychiatrie oder ein Krankenhaus erreichen wollen, um von dort flüchten zu können, sagte der Zeuge. Das sei sein Plan gewesen. Zudem habe der Angeklagte angeblich gesagt: «Wartet, was ich gemacht habe, werde ich weiter machen».

Der Angeklagte habe eine psychische Krankheit vortäuschen wollen, um die Verlegung zu erreichen, sagte der Zeuge. Der Mann sei klar im Kopf und habe genau gewusst, was er getan habe, sagte er. Weil der 34-Jährige in seiner Zelle Feuer gelegt hatte, wurde er inzwischen in die Haftanstalt nach Lübeck verlegt.

Der Ex-Mithäftling war seinerzeit nach eigener Darstellung in der Justizvollzugsanstalt offensichtlich Hilfskraft für die Beamten. So half er auch bei der Essensausgabe. Er habe das Personal stets über den Angeklagten informiert, sagte der 26-Jährige. Er sitzt derzeit zum Entzug im Maßregelvollzug in Schleswig ein. Auch er wurde in Hand- und Fußfesseln in den Gerichtssaal gebracht. Während seiner Aussage fragte der Vorsitzende Richter mehrfach zum Verständnis nach. Vieles blieb aber auch wegen Sprach- und Übersetzungsproblemen unklar.

Der Verteidiger äußerte deshalb massive Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Zeugen, der vieles nur vom Hörensagen zu wissen schien und sich unter anderem auch in Zeitangaben widersprach. Zu den angeblichen Morddrohungen «teilt der Angeklagte mit, dass er den Zeugen nicht mit dem Tod bedroht habe», sagte der Verteidiger.

Er verwies auch darauf, dass der Zeuge sich erst klarer geäußert habe, als ihm der Vorsitzende Richter einen Vermerk eines Justizbeamten über eine frühere Aussage von ihm vorgelesen habe. Diese bestätigte der Zeuge mit den Worten: «Alles, was da geschrieben steht, ist wahr.» Zugleich fragte er, warum der Richter das nicht gleich verlesen habe.

Die Staatsanwaltschaft wirft Ibrahim A. vor, am 25. Januar 2023 im Regionalzug beim Bahnhof von Brokstedt mit einem Messer zwei Menschen im Alter von 17 und 19 Jahren getötet und vier schwer verletzt zu haben. Die Frage eines möglichen psychotischen Schubs des Angeklagten zum Tatzeitpunkt ist derzeit offen.

Während der Verteidiger mit einer Haftbeschwerde die Verlegung seines Mandanten in die Psychiatrie erreichen will, lehnt das Gericht das bisher ab. Die Staatsanwaltschaft hält den Angeklagten bisher für schuldfähig. Das Gericht hat einen psychiatrischen Gutachter hinzugezogen, der den Prozess im Gerichtssaal verfolgt.

Ibrahim A. bestritt zu Prozessbeginn die Messerattacken auf die Fahrgäste des Regionalzugs überraschend. Im Ermittlungsverfahren hatte er die Taten laut seinem Verteidiger noch eingeräumt.

© dpa
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