Ärger um nachgeliefertes Gepäck am Flughafen Hamburg hält an

Seit mindestens zwei Monaten blicken Passagiere am Hamburger Flughafen mit banger Miene auf das Gepäckband. Denn sollte ihr Koffer nicht dabei sein, kann es sehr lange dauern bis sie ihn bekommen. Nach wie vor stapeln sich rund 1000 Gepäckstücke am Airport.
Zahlreiche Koffer lagern im Gepäckausgabe-Bereich. © Jonas Walzberg/dpa/Archivbild

Der bereits seit mindestens zwei Monaten anhaltende Ärger um nachgeliefertes Gepäck am Hamburger Flughafen nimmt kein Ende. Nach wie vor stapelten sich rund 1000 Koffer, Taschen und Kinderwagen im Terminal Tango, sagte eine Sprecherin der für die Gepäckabwicklung zuständigen AHS Aviation Handling Services GmbH der Deutschen Presse-Agentur. Konkret geht es dabei um sogenanntes Rush-Gepäck. Das sind Koffer, die nicht zeitgleich mit Flugreisenden in Hamburg ankommen, sondern mit einem anderen Flug hinterhergeschickt werden.

«Die sehr zahlreichen Störungen im Ablauf des internationalen Luftverkehrs haben dazu geführt, dass so viele Gepäckstücke wie nie zuvor am Ende des Flugs nicht ihren Besitzern übergeben werden konnten», sagte die Sprecherin. Das betreffe nahezu alle Flughäfen in Deutschland und sogar Europa. Derzeit behandle die AHS zeitweise die fünffache Menge an Gepäckstücken und habe deshalb bundesweit seit Jahresbeginn bereits 600 Leute zusätzlich eingestellt.

Besonderes ärgerlich für die AHS seien kurzfristige Flugstreichungen. Denn dann müssten bereits für die Weitersendung bereitgestellte Gepäckstücke wieder zur Gepäckermittlung zurückgebracht werden - und das Prozedere beginne von vorn. Die AHS-Sprecherin sagte, inzwischen sei ein Online-Service eingerichtet worden, bei dem Passagiere durch Eingabe ihrer Baggage-Tags sehen können, ob ihr Gepäck schon in Hamburg angekommen und erfasst worden ist.

Die Verantwortlichen am Flughafen selbst sind inzwischen ziemlich verstimmt ob des Verhaltens der Fluggesellschaften, allen voran der Lufthansa. Denn wie eine Sprecherin sagte, sind allein die Airlines für den Transport des Gepäcks zuständig. Der Passagier habe einen Beförderungsvertrag für sich und das Gepäck mit der Fluggesellschaft geschlossen - und dieser beinhalte die Obhut des Gepäcks auf dem gesamten Weg.

Der Flughafen habe gar keinen Zugriff auf die Daten, könne also gar nicht bei der Gepäckermittlung helfen. Der Airport selbst stelle lediglich die Abstellflächen für das Gepäck zur Verfügung. Gleichwohl werde der Flughafen von empörten Passagieren in Mithaftung genommen. Entsprechend habe der Flughafen auch schon sehr ernste Krisengespräche mit den Fluglinien geführt, sagte die Sprecherin.

Die Lufthansa selbst verwies auf Anfrage auf die weiterhin angespannte Personalsituation bei den örtlichen Dienstleistern. «Eine belastbare Aussage dazu, wann der Überhang an Gepäckstücken abgearbeitet sein wird, können wir deshalb im Augenblick nicht seriös treffen», sagte eine Airline-Sprecherin.

Nach Angaben des Flughafens sind seit Beginn der schleswig-holsteinischen Sommerferien Anfang Juli bis zum Ende der Hamburger Sommerferien mehr als 1,5 Millionen Menschen über den Hamburg Airport verreist. Bei durchschnittlich 140 Starts und Landungen pro Tag seien die beliebtesten ausländischen Reiseziele Palma de Mallorca, Antalya und Istanbul gewesen.

Insgesamt habe das Passagieraufkommen rund 70 Prozent des Vor-Corona-Jahres 2019 erreicht. Allerdings gebe es erhebliche Schwankungen. So seien etwa in den frühen Morgenstunden die Zahlen von 2019 stundenweise schon wieder erreicht oder sogar übertroffen worden - was wiederum zu langen Wartezeiten führte.

© dpa
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