Politologe Knelangen: Kein eindeutiger Sieger des TV-Triells

Wenige Tage vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein liefern sich die Spitzenkandidaten von CDU, SPD und Grünen eine kontroverse Diskussion. Alle drei hatten ihre Momente, sagt der Politikwissenschaftler Knelangen. Einiges fiel ihm aber auf.
Daniel Günther (CDU, l-r), Thomas Losse-Müller (SPD) und Monika Heinold (Grüne) vor Beginn des TV-Triells. © Christian Charisius/dpa

Für den Politikwissenschaftler Prof. Wilhelm Knelangen hat das letzte TV-Triell vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein einen guten Überblick über die Positionen der Spitzenkandidaten von CDU, SPD und Grünen gezeigt. «Alle hatten ihre starken Momente, alle konnten ihr Profil schärfen», sagte Knelangen der Deutschen Presse-Agentur zur Diskussion im NDR am Mittwochabend mit Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und seinen Herausforderern Monika Heinold (Grüne) und Thomas Losse-Müller (SPD). «Einen eindeutigen Sieger hatte das Triell nicht.»

Losse-Müller war darauf angewiesen, noch einmal angreifen zu können, sagte Knelangen. Zwar habe er einige Punkte setzen können. Günther und Heinold hätten ihn aber in vielen Punkten «in die Zange genommen». Bei vielen Statements hatte er es mit zwei Gegenpositionen zu tun.

«Günther und Heinold waren sich oft einig und verteidigten die Jamaika-Politik», sagte Knelangen. Das hatte für Losse-Müller den Vorteil, dass er sich als Alternative zur Regierung präsentieren konnte. Nachteilig sei für ihn gewesen, dass viele seiner Argumente gleich von zwei Seiten entkräftet worden seien.

Günther sei in dem verbalen Dreikampf staatsmännisch aufgetreten, habe sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, sagte Knelangen. Er habe die Regierungsbilanz in den Vordergrund gestellt. «Zugleich beschrieb er Jamaika als Koalitionsmodell, das er fortsetzen möchte. Was ist, wenn es auch für eine Zwei-Parteien-Koalition reichen sollte, ließ er offen.»

Auch die Finanzministerin habe Punkte setzen können, sagte Knelangen. «Heinold stand keinesfalls im Schatten von Günther.» Sie habe sich in der 75-minütigen Sendung zunächst als loyale Jamaika-Koalitionärin präsentiert, sei dann aber angriffslustig geworden. «In der Klimapolitik warf sie beiden Männern Zögerlichkeit vor. Vor allem mit ihren Aussagen zur Finanzpolitik hat sie den beiden Männern und ihren Wahlversprechen den Wind aus den Segeln genommen.»

Knelangen lobte, dass mit dem Ukraine-Krieg ein Thema angesprochen wurde, das die Bürgerinnen und Bürger stark bewegt, auf den Plakaten der Parteien aber keine Rolle spielt.

© dpa
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