Prostituierte erwürgt: Angeklagter gesteht Tat in Brief

In einem Wald südöstlich von Hamburg wird die Leiche einer Frau gefunden. Schnell steht fest, dass sie erwürgt wurde. Der mutmaßliche Täter schweigt vor Gericht, obwohl der 32-Jährige die Tat bereits in einem Brief an seinen Vater gestanden hat.
Blick auf das Ziviljustizgebäude des Landgerichts Hamburg. © Markus Scholz/dpa

Mit einem indirekten Geständnis hat in Hamburg der Prozess um den gewaltsamen Tod einer Prostituierten begonnen. Die Leiche der 35-Jährigen war am 14. Mai in einem Wald bei Stelle im Landkreis Harburg gefunden worden. «Es tut mir alles so leid», erklärte der Angeklagte in einem Brief, den der Vorsitzende der Strafkammer am Landgericht, Matthias Steinmann, am Freitag verlas. Den Brief hatte der 32-Jährige aus der Untersuchungshaft an seinen Vater geschrieben. Die Justizbehörden hatten das Schreiben beschlagnahmt.

Der gelernte Kfz-Mechatroniker soll laut Anklage die Frau auf einem Parkplatz im Hamburger Stadtgebiet - vermutlich in Billwerder oder Moorfleet - erwürgt haben. Er habe die 35-Jährige über das Internet kontaktiert und mit ihr sexuelle Dienstleistungen gegen ein Entgelt verabredet, erklärte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Im Auto seien beide in Streit geraten. Der angeklagte Deutsche habe die Frau mit beiden Händen am Hals gepackt und ihr den Mund zugehalten. Sie sei an Sauerstoffmangel gestorben. Die unbekleidete Leiche soll der 32-Jährige in dem Wald bei Stelle abgelegt haben.

Ihr Mandant werde vor Gericht keine Angaben machen, sagte die Verteidigerin. Er habe aber bereits bei der Polizei ausgesagt. Der große und stämmige Mann gab nur seine Personalien an.

In dem verlesenen Brief schilderte der Angeklagte die Tat als einen Kampf. Die Frau habe ihn im Auto sexuell beleidigt und ihm eine Ohrfeige gegeben. Sie habe gedroht, ihn umzubringen und ihn geschlagen. Er sei daraufhin in dem beengten Auto und unter dem Einfluss von Alkohol und Kokain in Panik geraten. Er habe ihr an den Hals gefasst. «Auf einmal hat sie sich nicht mehr bewegt», hieß es in dem Brief. «Ich wollte die Frau nicht umbringen. Ich wollte nur, dass sie aufhört, mich zu schlagen und zu schreien.»

Stunden vor der Tat hatte der Angeklagte Streit mit seiner Frau gehabt. Sie war mit den gemeinsamen Kindern weggefahren. Dann hätten sie am Telefon und über Whatsapp weiter gestritten, berichtete der Angeklagte in dem Brief an seinen Vater. Dabei sei es auch um seine Suche nach einem neuen Job gegangen. Er sei zu zwei Freunden oder Bekannten gefahren und habe dort die Frau über eine Anzeige im Internet kontaktiert.

Der 32-Jährige war nur wenige Stunden nach der Tat von niedersächsischen Beamten festgenommen worden, wie die Polizei anschließend mitgeteilt hatte. Er soll sich seiner Frau offenbart haben, die daraufhin die Polizei verständigte. Fast zeitgleich fand eine Zeugin die Leiche im Wald. Die 48-Jährige sagte am Freitag als erste Zeugin aus. Sie war früh am Morgen mit ihrem Mann und zwei Hunden unterwegs, als sie die Tote an einem abgelegenen Weg entdeckte. «Der Schreck ist das Schlimmste», sagte die Büroangestellte. «Das verfolgt mich jetzt noch.»

© dpa
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