Filmfest-Leiter plant Festival ohne Pandemie-Einschränkungen

Zwei Jahre lang kamen deutlich weniger Menschen zum Filmfest Hamburg. Einfach, weil es nicht anders ging. Coronabedingt waren die Kapazitäten beschränkt. Das soll nun bei der 30. Ausgabe endlich wieder anders werden, hofft Festivalchef Albert Wiederspiel.
Festivalleiter Albert Wiederspiel steht vor dem Eingang des Büros des Fimfestes Hamburg in der Innenstadt. © Marcus Brandt/dpa

In den vergangenen zwei Jahren ist Albert Wiederspiel während des Filmfestes Hamburg am liebsten erst in den Saal gegangen, wenn das Licht schon aus war. Er habe die vielen leeren Sitzplätze nicht ertragen, sagte der 62-Jährige der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. «Das war alles ziemlich unbefriedigend. Ich war als Filmfestleiter sehr frustriert. Ich habe das gehasst.» Deshalb freut er sich nun umso mehr, dass das Filmfest in diesem Jahr voraussichtlich ohne coronabedingte Beschränkungen gefeiert werden kann. «Wir planen mit vollen Kinos und wollen endlich das Wort Fest aus unserem Titel wieder zum Tragen kommen lassen. Das war zuletzt viel zu kurz gekommen.»

Wie üblich sollen rund 100 ausgewählte Filme in den fünf Festival-Kinos mit ihren sieben Sälen gezeigt werden. Etwa 280 Vorstellungen sind geplant, inklusive Filmfest-ums-Eck-Sondervorführungen in den Stadtteilkinos. Noch stehen nicht alle Werke fest, die über die Leinwand flimmern dürfen. Alle Streifen werden aber mindestens Deutschlandpremieren sein. Der Eröffnungsfilm «Wir sind dann wohl die Angehörigen» von Hans-Christian Schmid über die Entführung des Publizisten Jan Philipp Reemtsma aus der Sicht seines Sohnes startet sogar als Weltpremiere in Hamburg. Das Filmfest läuft vom 29. September bis zum 8. Oktober.

«Bis jetzt steht etwa 60 bis 70 Prozent des Festivalprogramms. Der Rest wird in den nächsten Wochen erst noch gemacht», sagte Wiederspiel. 700 bis 900 Titel werden er und sein Team am Ende dafür gesichtet haben. «In Hochzeiten müssen wir dafür schon drei bis vier Filme am Tag schauen. Da haben wir viele Austern und wenige Perlen.» Dabei komme es auch durchaus vor, dass er manche Filme schon nach 20 Minuten wieder ausschaltet. «Das Leben ist zu kurz für schlechte Filme.»

Auf dem Programm werden auch wieder Gewinnerfilme von den Filmfestivals in Cannes, Locarno, Venedig und Kopenhagen stehen, verspricht Wiederspiel. Viele der Filmfest-Filme - etwa 70 bis 80 Prozent - laufen nur hier und nicht später auch noch in den deutschen Kinos.

Corona spiele in den ausgewählten Filmen keine Rolle. «Wir haben da ein bewusstes Nichtanfassen des Themas.» Viele Filmemacher seien wohl davon ausgegangen, dass sich das Publikum damit eher nicht mehr beschäftigen möchte. «Und sie haben recht.» Das Thema Ukraine-Krieg sei ebenfalls kein Thema - allerdings aus völlig anderen Gründen. «Dafür ist es in diesem Jahr noch zu früh. Die Entwicklung eines Filmes dauert mindestens ein Jahr.»

Wie immer wagt das Filmfest Hamburg wieder den durchaus weiten Spagat zwischen extremen Arthouse-Streifen und den breiten Unterhaltungsfilmen. «Wir wollen die internationale Kinolandschaft so facettenreich wie möglich abbilden und auch den Reichtum an Weltkino zeigen.» Und dazu brauche es auch die sogenannten Blockbuster, um die Besucher anzulocken. «Sie sind sozusagen unsere Lokomotive, damit wir die Aufmerksamkeit bekommen und wir den kleineren, schwierigeren Filmen damit einen Push geben können. Das ist auch unsere Aufgabe.»

Damit meint Wiederspiel beispielsweise Filme aus Marokko, Nicaragua, Ägypten und Paraguay. Aus Russland wird es 2022 voraussichtlich keine Filme geben. «Wir boykottieren nicht die russische Kultur», stellte der Festivalleiter umgehend klar. «Aber es gibt bis jetzt noch keine passenden Filme.»

Für Wiederspiel wird die 30. Ausgabe des Filmfestes seine vorletzte. 2023 ist Schluss. Der Filmexperte hatte 2003 das erste Mal das Hamburger Festival kuratiert. Seitdem ist es drei Tage länger, deutlich zentrierter in der Stadt sowie insgesamt größer und in seiner inhaltlichen Ausrichtung facettenreicher geworden.

© dpa
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