Bäcker verteilen Brötchentüten mit Warnung vor Betrügern

20.04.2022 Eigentlich sind die Tricks der Telefonbetrüger bekannt: Sie geben sich als Verwandte, Polizisten oder Bankmitarbeiter aus, um ans Geld der angerufenen Senioren zu kommen. Die Hamburger Polizei macht ältere Bürger nun auf ungewöhnlichem Weg auf die Gefahr aufmerksam.

Brötchentüten mit Informationen zu Trickbetrug und Telefonbetrug sollen in Hamburg verteilt werden. © Christian Charisius/dpa

Auf 60.000 Brötchentüten warnt die Hamburger Polizei seit Dienstag vor Telefonbetrügern. «Damit Sie auch morgen noch Ihre Brötchen kaufen können...» , heißt es auf den Papierverpackungen. Im aufgedruckten Text werden Senioren vor falschen Polizeibeamten, Schockanrufen und dem Enkeltrick gewarnt. Sieben Bäckereien mit rund 40 Filialen im gesamten Stadtgebiet geben die Tüten aus, wie die Vorsitzende der Bäcker-Innung, Katharina Daube, sagte. Die großen Bäckereiketten beteiligten sich nicht. Sie hoffe dennoch, dass die Botschaft der Polizei viele Kunden erreiche und es auch zu Gesprächen in den Filialen komme.

Im vergangenen Jahr seien in Hamburg 3600 Taten dieser Art bekannt geworden, bei denen die Täter über 2,6 Millionen Euro erbeuteten, sagte der Leiter des Landeskriminalamts, Mirko Streiber, bei der Auftaktveranstaltung in der Europa-Passage. Zwar seien nur drei Prozent der Betrugsversuche erfolgreich, aber die Polizei gehe von einer hohen Dunkelziffer aus. Deutschlandweit machten die Täter im vergangenen Jahr rund 50 Millionen Euro Beute.

Streiber schilderte einige Fälle: Ein Hamburger Ehepaar sei zum Beispiel um 218.000 Euro geprellt worden. Dem Paar sei erzählt worden, sein Sohn habe einen tödlichen Verkehrsunfall im Ausland verursacht und müsse ins Gefängnis, wenn er nicht eine hohe Kaution und die Beerdigungskosten für das Unfallopfer zahle.

Die Täter hätten ihre Opfer dann zum Sievekingplatz gelotst und die dortigen Gerichtsgebäude als glaubwürdige Kulisse genutzt. Das Paar habe 130.000 Euro in bar übergeben. Dann hätten die Betrüger erneut angerufen und eine «Nachzahlung» gefordert, weil die Geldscheine angeblich gefälscht gewesen seien. Das Ehepaar übergab daraufhin Goldmünzen im Wert von 88.000 Euro. Erst als die versprochene Quittung ausblieb, hätten sich die Opfer an die Polizei gewandt.

Die Unfall-Masche und das Agieren als falsche Polizeibeamte seien derzeit die häufigsten Betrugsmethoden, sagte der Leiter der zuständigen Abteilung im Landeskriminalamt, Carsten Schott. Der Schaden betrage in diesem Jahr bereits 2,2 Millionen Euro. An nur zwei Tagen im Februar erbeuteten die Täter nach Angaben von Streiber eine halbe Million Euro. «Die Schadenssumme geht komplett durch die Decke.» In diesem Jahr könnten Höchststände erreicht werden.

Den Opfern dürfe man keine Vorwürfe machen, sagte Streiber. Die Tricks seien perfide. Die Landesvorsitzende des Weißen Rings, Kristina Erichsen-Kruse, rief die Opfer auf, sich helfen zu lassen. Die Betrogenen hätten oft ihre gesamte Existenz verloren, müssten sich aber von der Umgebung anhören: «Wie konntest du nur!» Jeder Mensch könne Opfer von Trickbetrügern werden. «Lassen Sie Scham Scham sein!», sagte Erichsen-Kruse. Der Opferhilfeverein könne das Geld zwar nicht ersetzen, aber zu neuer Lebensqualität verhelfen.

© dpa

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