Kiels OB und Wohnungswirtschaft fordern Wohngeld-Aufstockung

Landeshauptstadt und Wohnungswirtschaft schlagen Alarm: Der Neubau von Wohnungen kommt ins Stocken. Der Oberbürgermeister und der VNW-Direktor setzen sich für einen Zuschlag beim Wohngeld ein. Auch bei weiteren Forderungen sind sich beide einig.
Blick auf die Fassaden von Wohnhäusern. © Nicolas Armer/dpa/Symbolbild

Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) und der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) verlangen eine rasche Ausweitung und Erhöhung des Wohngeldes. Angesichts der anstehenden massiven Preissteigerungen bei Heizung und Energie müsse jetzt rasch gehandelt werden, erklärten Kämpfer und VNW-Direktor Andreas Breitner am Donnerstag. «Das Wohngeld ist ein bewährtes Instrument, Menschen zu unterstützen, die ihre Wohnkosten nicht tragen können», sagte Kämpfer.

In Kiel erhielten monatlich im Durchschnitt 3300 Empfänger insgesamt 730.000 Euro Wohngeld. Die Beträge lägen zwischen 10 Euro und 1215 Euro monatlich. Künftig müssten mehr Menschen Wohngeld bekommen und bis auf Weiteres noch eine Heizkostenkomponente dazu, sagte Kämpfer.

Aus Sicht von Kämpfer und Breitner bedroht die Inflation bezahlbares Wohnen. Lieferkettenprobleme infolge der Corona-Pandemie, steigende Zinsen, Fachkräfte- und Materialmangel sowie Preisexplosionen seit Beginn des Ukraine-Krieges führten dazu, dass auch die sozial orientierte Wohnungswirtschaft deutliche Risse bekomme. «Ich gehe davon aus, dass sich die ursprünglichen Bauplanungen nicht erfüllen lassen», erklärte Breitner. Was im Bau sei, werde zu Ende gebaut. «Beim Neubau allerdings sehe ich schwarz.» Ursprünglich dafür geplante Gelder würden in die Modernisierung von Wohnungen gesteckt.

In Kiel gebe es aktuell 6518 geförderte Wohneinheiten, sagte der Oberbürgermeister. 383 weitere seien genehmigt oder im Bau. «Das reicht bei weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken.»

Breitner und Kämpfer befürworteten eine Atempause bei weiteren gesetzlichen Vorgaben im Baugewerbe. «Das Dickicht der Bauvorschriften muss gelichtet werden», forderte Kämpfer. Schätzungen des Deutschen Städte- und Gemeindebundes zufolge gebe es in Deutschland rund 20.000 baurelevante Regelungen. Das mache Bauen nicht billiger. «Vor allem bei den Klimaschutzanforderungen brauchen unsere Unternehmen eine Atempause», sagte Breitner.

Er mahnte auch die Schaffung eines Stützungsfonds für Wohnungsunternehmen und kommunale Energieversorger an, die auf Grund der hohen Heiz- und Gaskosten Liquiditätsschwierigkeiten haben. «Die Vermieter geraten mehr und mehr in eine aussichtslose Situation», sagte Breitner. Sie müssten die von Energieunternehmen in Rechnung gestellten massiv gestiegenen Energiekosten sofort bezahlen, bekämen das Geld aber erst mit der Heizkostenabrechnung im kommenden Jahr von den Mietern zurück. «Das geht nicht lange gut.»

Breitner verwies darauf, dass Mieter bei einem schleswig-holsteinischen VNW-Unternehmen im Durchschnitt eine monatliche Nettokaltmiete von 6,30 Euro pro Quadratmeter zahlten. Damit sei diese gegenüber dem Jahr 2020 gleichgeblieben.

© dpa
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