Staaten beraten über Wattenmeerschut: Mehr Ehrgeiz

Für den Schutz des Weltnaturerbes Wattenmeer wollen Deutschland, Dänemark und die Niederlande bei einer Konferenz ihre Zusammenarbeit für die nächsten Jahre abstimmen. Umweltschutzverbände mahnen die Staaten zu ehrgeizigeren Maßnahmen - und nennen konkrete Forderungen.

Politiker der Wattenmeer-Anrainerstaaten haben vor gemeinsamen Beratungen bei einer Konferenz in Wilhelmshaven den Schutz des Weltnaturerbes betont. «Wir alle sind hier, um dafür zu sorgen, dass trotz multipler Krisen das Weltnaturerbe Wattenmeer mit seinem außergewöhnlichen, universellen Wert erhalten bleibt. Nur gemeinsam können wir das schaffen», sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Bettina Hoffmann (Grüne), am Dienstag bei der 14. Trilateralen Wattenmeerkonferenz vor Ministern, Staatssekretären und Vertretern aus Dänemark und den Niederlanden sowie den Bundesländern Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg.

Das Wattenmeer sei durch die Klimakrise, den Verlust der Artenvielfalt und die weiterhin viel zu hohe Verschmutzung bedroht, sagte Hoffmann. Zusätzlich steige der Druck auf die Meere durch die Intensivierung der Energieerzeugung, sagte Hoffmann, die für die an Corona erkrankte Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) nach Wilhelmshaven gereist war. Die Wattenmeerzusammenarbeit sei ein weltweit beachtetes Beispiel, wie grenzüberschreitend Herausforderungen angegangen werden, sagte Hoffmann.

Bei der 14. Wattenmeerkonferenz, die seit Montag läuft, beraten Vertreter von Deutschland, Dänemark und den Niederlanden über ihre Zusammenarbeit für das Ökosystem. Deutschland hat zurzeit den Vorsitz der Kooperation inne. Die Anrainer wollen unter anderem über Maßnahmen zum Schutz des Wattenmeeres vor Klimawandelfolgen und über den Nutzen des Meeres für den natürlichen Klimaschutz diskutieren. Am Dienstag kamen die Minister und Staatssekretäre zu Beratungen zusammen. Am Mittwoch wollen die Staaten eine gemeinsame Erklärung mit ihrem verabredeten Handlungsprogramm vorstellen.

Umweltschutzverbände forderten die Staaten vorab zu ehrgeizigeren Maßnahmen beim Wattenmeerschutz auf. Trotz des hohen Schutzstatus werde das Wattenmeer von verschiedenen Nutzungen bedroht, mahnten Verbände aus allen drei Ländern an. Sie appellierten deshalb an die Politik, sich auf ein wirksames Maßnahmenpaket zu einigen, mit dem die Belastungen des Wattenmeeres eingedämmt werden können.

Die Verbände sprachen sich etwa für eine großflächige Ausweisung von fischereifreien Ruhezonen in den Wattenmeer-Nationalparks, einen Ausstieg aus der Förderung von Öl und Gas bis 2030 und eine Kooperation der Küstenanrainer für die bei Flussvertiefungen anfallenden Schlickmengen aus. «Der konsequente Schutz ist dann entscheidend, um die herausragende Qualität des Nationalparks und des Weltnaturerbes zu erhalten», sagte die Landesvorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Niedersachsen, Susanne Gerstner.

Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer begrüßte unterdessen bei der Konferenz die Forderung von Bundesumweltministerin Lemke nach einem Stopp für die geplante Gasförderung nahe dem Wattenmeer vor Borkum. «Aus unserer Sicht wäre es nicht notwendig, zusätzlich Gas zu fördern, weil wir den Ausbau der Erneuerbaren haben und die Menge auch sehr, sehr gering ist und der Schaden dafür erheblich», sagte der Grünen-Politiker.

Die Ampel-Parteien hätten in ihrem Koalitionsvertrag geregelt, dass es keine neuen Bohrungen nach Öl und Gas in der Nordsee geben solle. Es sei nun auch die Bundesregierung, die dies regeln müsse. «Wir haben uns als Land vorgenommen, dass der Schutz des Wattenmeeres gewährleistet werden muss», sagte Meyer. Im Planfeststellungsverfahren solle der Schutz des wertvollen Ökosystems und der der Insel Borkum eine «zentrale Bedeutung» haben.

© dpa
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