Bischof will trotz Fehlern im Amt bleiben

Eine Studie bescheinigt dem Bistum Osnabrück Pflichtverletzungen und schwere Versäumnisse bei der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt. Bischof Franz-Josef Bode will dem Papst aber nicht seinen Rücktritt anbieten. Was soll sich in dem Bistum ändern?
Bischof Franz-Josef Bode spricht bei einer Pressekonferenz. © Friso Gentsch/dpa

Trotz Pflichtverletzungen im Umgang mit Betroffenen sexualisierter Gewalt im Bistum Osnabrück will Bischof Franz-Josef Bode im Amt bleiben. Er trage die Verantwortung für «erhebliche Defizite und schwerwiegende Fehler», die zum großen Teil in seiner Amtszeit gemacht worden seien, sagte der 71-jährige katholische Geistliche am Donnerstag. «Ich selbst habe in einigen Fällen fahrlässig gehandelt.» Diese Sorgfaltspflichtverletzungen seien vielleicht seiner Leichtgläubigkeit oder seiner Zögerlichkeit geschuldet gewesen.

«Aber es geschah niemals in der Absicht, vorsätzlich zu vertuschen oder Recht zu beugen», beteuerte der Bischof. «Ich bitte alle, denen aufgrund meiner Fehler und Versäumnisse noch größeres Leid geschehen ist, als sie bereits zuvor erlebt hatten, um Vergebung.»

Bode bezog sich auf den Zwischenbericht zu einer auf drei Jahre angelegten Studie der Universität Osnabrück. Das Bistum selbst hatte die Forscher beauftragt, sexualisierte Gewalt an Minderjährigen und schutzbedürftigen Erwachsenen auf seinem Gebiet zu untersuchen. Dafür stellte die Kirche 1,3 Millionen Euro bereit. Bis 1995 gehörte auch das heutige Erzbistum Hamburg zum Bistum Osnabrück. Es umfasst zudem Gebiete im westlichen Niedersachsen sowie Teile der Stadt Bremen.

Er habe intensiv die Frage erwogen, ob er nach den Ergebnissen der Studie noch im Amt bleiben könne oder dem Papst seinen Rücktritt anbiete, sagte Bode, der auch stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist. Ihm sei bewusst, dass seine Glaubwürdigkeit schwer beschädigt sei. Jedoch wolle er von sofort an die Aufarbeitung zu seiner Hauptaufgabe machen. Unter anderem kündigte der Bischof die Einrichtung einer Ombudsstelle für Betroffene und die Anstellung eines/einer unabhängigen Beauftragten an. Diese Person solle den ordnungsgemäßen Ablauf in jedem Verdachts- oder Missbrauchsfall gewährleisten.

Dem Zwischenbericht zufolge haben die zuständigen Stellen der Kirche vielfach Betroffene sexualisierter Gewalt bürokratisch und abweisend behandelt, auch habe es keine angemessene finanzielle Anerkennung des Leids gegeben. In der Vergangenheit seien gefährliche Priester im Amt belassen und nur in eine andere Gemeinde versetzt worden. In diesem Punkt sehen die Wissenschaftler eine positive Entwicklung: Beschuldigte Priester würden jetzt schneller aus dem Dienst entfernt. Insgesamt ist in der Studie von 70 Beschuldigten im kirchlichen Raum seit 1945 die Rede.

© dpa
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