Schmuggel von rund drei Tonnen Kokain: Zwölf Jahre Haft

Ihr Geschäftsmodell war das eines Dienstleisters - nämlich der Transport von Waren aus dem Hamburger Hafen zu ihrem Auftraggeber. Dass es sich dabei jedoch um Kokain im Tonnenbereich handelte, hat der siebenköpfigen Bande nun entsprechende Haftstrafen eingebracht.
Die Angeklagten und ihre Anwälte sitzen vor Beginn der Verhandlung im Gerichtssaal. © Jonas Walzberg/dpa-Pool/dpa

Im Szenejargon nennt es sich «Tür», das Landgericht Hamburg bezeichnet das Tun der sieben Angeklagten schlicht als bandenmäßiges Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge - und zwar genau genommen mit mehr als drei Tonnen Kokain im Straßenverkaufswert von rund 300 Millionen Euro. Das Urteil gegen die 28 bis 60 Jahre alten geständigen Männer fällt am Dienstag entsprechend aus, die drei Rädelsführer müssen für acht, zehn und zwölf Jahre ins Gefängnis, gegen die übrigen vier Angeklagten verhängt die Große Strafkammer Haftstrafen von drei Jahren und neun Monaten bis zu sechs Jahren und zwei Monaten. Die beiden Angeklagten mit den geringsten Strafen können den Gerichtssaal als freie Männer verlassen, wobei einer sich nun regelmäßig bei der Polizei melden muss.

Die ursprünglich zehn Angeklagten haben nicht im herkömmlichen Sinne Drogen geschmuggelt, indem sie Kokain aus Südamerika nach Deutschland brachten und verkauften. Sie arbeiteten vielmehr für Dritte. Ihr Geschäftsmodell bestand nach Überzeugung des Gerichts darin, dass sie sich darum gekümmert haben, die im Hamburger Hafen angekommenen Drogen unentdeckt aus dem Hafengelände rauszuschaffen und an die Auftraggeber weiterzureichen. Als Provision für das Öffnen von Türen erhielten sie von der Ware Anteile in niedriger zweistelliger Prozenthöhe zum eigenen Weiterverkauf. Der Erlös aus diesen Geschäften beziffert der Vorsitzende Richter auf etwa 1,66 Millionen Euro, welche nun - soweit nicht schon geschehen - eingezogen werden sollen.

Die Arbeitsteilung bestand nach Überzeugung des Gerichts darin, dass sich der 41 Jahre alte, mehrfach vorbestrafte und zu zwölf Jahren Haft verurteilte Hauptbeschuldigte um die Finanzen und die Kontakte zu den unbekannten Auftraggebern kümmerte und der zu acht Jahren Gefängnis verurteilte 34 Jahre alte Angeklagte für das Anwerben von Lkw-Fahrern zuständig war. Eine zentrale Rolle spielte auch der zu zehn Jahren Haft verurteilte ebenfalls 41 Jahre alte Logistiker der Bande. Denn der hatte als früherer Mitarbeiter des Hafenlogistikers HHLA Zugang zum logistischen Transportsystem im Hafen und konnte so die Containerabfertigungsprozesse manipulieren - «beeindruckend im negativen Sinne», wie der Vorsitzende Richter sagt.

Gleichwohl klappten nicht alle geplanten 15 Schmuggel, einmal etwa wurden die Drogen schon in Rotterdam entdeckt, einmal in Polen sichergestellt, einmal landeten sie in Dänemark, einmal erwischte die Bande im Hafen den falschen Container. Ein besonderer Trick der Bande war den Ermittlungen zufolge, dass das Kokain etwa in den Böden leerer Container versteckt war, die dann von den angeheuerten Lkw-Fahrern im Hafen abgeholt und dann - nachdem die Drogen entfernt worden waren - wieder zurückgebracht wurden.

Der Vorsitzende Richter betont in seiner mehr als einstündigen Urteilsbegründung, dass die Fahnder der Bande schon im Herbst 2019 auf den Fersen gewesen seien. Hilfreich seien dann aber auch die in Frankreich entschlüsselten Chatverläufe Tausender Nutzer sogenannter Kryptohandys des Kommunikationsdienstleisters Encrochat gewesen, durch die weitere Schlüsse hätten gezogen werden können.

«Im Großen und Ganzen haben sich die Anklagevorwürfe bestätigt», sagt der Vorsitzende Richter. Fast genau ein Jahr nach Prozessbeginn zeigt er sich am 48. Verhandlungstag zufrieden. Das Verfahren mit seinen vielen Beteiligten sei eine «extreme Herausforderung» in der Corona-Pandemie gewesen. Die Akten umfassten mehr als 6000 Seiten, allein die Anklageschrift rund 220 Seiten. Ausdrücklich lobt er die konstruktive Arbeit aller Beteiligten. Denn andernfalls hätte das Verfahren noch deutlich länger dauern können, ist er überzeugt.

© dpa
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