Wegen Toilette: Philipp verpasst bei Ironman Bestzeit

Laura Philipp hat den Ironman in Hamburg gewonnen und ihren EM-Titel erfolgreich verteidigt - und wie. Nur eine Frau war jemals schneller auf der Triathlon-Langstrecke als sie. Für sie ein Mutmacher mit Blick auf die WM auf Hawaii, für Hamburg beste Werbung.
Laura Philipp vor dem Start am Jungfernstieg. © Georg Wendt/dpa

Wie schnell wäre Laura Philipp gewesen, wenn die Wechselzonen beim Ironman in Hamburg nicht so lang gewesen wären? Oder wenn sie beim Wechsel vom Rad zum Laufen nicht noch zur Toilette hätte gehen müssen? Als die 35-Jährige am Sonntag auf dem Rathausmarkt der Hansestadt den Zielstrich 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42,195 Kilometern Laufen überquerte, standen 8:18:20 Stunden hinter ihrem Namen - die zweitbeste jemals erzielte Zeit einer Frau über diese Distanz.

«Natürlich beflügelt der Sieg und so eine Zeit. Das hätte ich niemals für möglich gehalten auf dieser Strecke», sagte die Heidelbergerin. Dass sie ihren EM-Titel erfolgreich verteidigt hatte, geriet angesichts ihrer Leistung fast zur Nebensache.

Bei Rennen unter der Marke Ironman war keine Frau jemals schneller als die aus Bad Pyrmont stammende Philipp. Nur die britische Triathlon-Legende Chrissie Wellington hatte 2011 in Roth bei der Konkurrenzserie Challenge über dieselbe Distanz sieben Sekunden früher das Ziel erreicht.

Diese sieben Sekunden hatte Philipp womöglich durch den Gang zur Toilette eingebüßt. «Irgendwann an so einem langen Tag muss man sich auch einmal erleichtern», sagte sie. Es habe ein wenig Zeit gekostet. «Aber mir ging es natürlich besser danach».

Beim Vergleich zu der elf Jahre alten Weltbestzeit von Wellington verwies Philipp auch auf die rund einen Kilometer lange Wechselzone in Hamburg. Es sei der Kurs «mit dem längsten Wechsel, den ich kenne», schrieb sie später bei Instagram. In Roth dagegen dauere der Wechsel «ungefähr eine Minute».

Unter dem Strich bleibt aber: Philipps Leistung auf dem schnellen Kurs in Hamburg war beeindruckend. Ernsthafte Konkurrenz hatte sie nicht. Die zweitplatzierte Amerikanerin Chelsea Sodaro kam bei ihrem Ironman-Debut in 8:36:42 Stunden über 18 Minuten nach der Deutschen auf dem Rathausmarkt an.

Beinahe noch erstaunlicher als Philipps Zeit war ihre Lockerheit und scheinbare Leichtigkeit vor allem auf der Laufstrecke. Nach kurzer Erholungsphase hatte sie noch die Kraft, noch einmal den Zieleinlauf rauf und runter zu laufen und mit den Zuschauerinnen und Zuschauern abzuklatschen. «Es war sehr anstrengend. Ich überspiele das gerade ganz professionell», sagte sie lächelnd.

An so eine Leistung wie in Hamburg war vor einem Monat kaum zu denken. Noch Anfang Mai hatte sie wegen einer Corona-Infektion ihre Teilnahme an der von 2021 nachgeholten Ironman-WM in St. George in Utah absagen müssen. «Das war meine Art der Revanche, dass ich nicht bei der WM sein konnte», sagte sie nach ihrem Hamburg-Sieg. Erst eine Woche vor der EM hatte sie schon wieder den halb so langen Ironman 70.3 in Kraichgau gewonnen. Zum Start in Hamburg hatte sich die WM-Vierte von 2019 auf Hawaii dann kurzfristig entschieden.

«Ich bin so stolz auf meinen Körper, meinen Geist und mein Team für diese Leistung! Ich kann den Rest der Saison kaum erwarten», postete Philipp bei Instagram. Höhepunkt des Saisonrest ist am 6. Oktober der Klassiker auf Hawaii mit der WM 2022. Dort war Anne Haug 2019 erstmals Weltmeisterin geworden. Philipp hat sich mit der Zeit bei ihrer Hamburg-Premiere ihren Platz im engsten Kreis der Favoritinnen untermauert.

Für den Ironman in der Hansestadt war Philipps Vorstellung beste Werbung. Erstmals wurde bei der fünften Auflage ein EM-Titel vergeben. Die EM der Männer findet seit langem im Rahmen des Ironman in Frankfurt/Main statt, in diesem Jahr am 26. Juni.

In Hamburg säumten nach Angaben 100 000 Menschen die Strecke. 2700 engagierte Age-Grouper nahmen die Triathlon-Tortur auf sich. Philipp schwärmte von ihren ganz eigenen besonderen Hamburg-Momenten im Rennen. «Das Schwimmen war richtig schön mit dem Sonnenaufgang, mit dem Licht. Gerade auf der Außenalster und unter den Brücken, das war schon cool», sagte sie. Beim Laufen hätten sie nur die engen Wendepunkt etwas gestört. «Aber dafür hat das Publikum hier richtig Gas gegeben.»

© dpa
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