Nordmetall zu Energiekrise: «Die Situation ist bedrohlich»

Acht Prozent mehr Geld verlangt die IG Metall angesichts der galoppierenden Inflation in der Metall- und Elektroindustrie. Für die Arbeitgeber ist das indiskutabel. Sie verweisen ihrerseits auf existenzielle Probleme wegen der hohen Energiepreise.
Das Logo der IG Metall ist zu sehen. © Daniel Karmann/dpa/Archivbild

Wenige Tage vor der dritten Tarifrunde der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie hat der Arbeitgeberverband Nordmetall auf die wachsenden Folgen der Energiekrise hingewiesen. «Die Situation ist bedrohlich - für Arbeitgeber und Beschäftigte gleichermaßen», sagte der Nordmetall-Hauptgeschäftsführer Nico Fickinger nach einer Umfrage unter Mitgliedsunternehmen. «Darauf muss unser Tarifabschluss Rücksicht nehmen.» Arbeitgeber und IG Metall treffen sich am Donnerstag (27. Oktober) in Bremen zu ihrer nächsten Verhandlungsrunde.

Der Umfrage zufolge haben zwar rund 90 Prozent der Unternehmen angesichts der enorm gestiegenen Energiepreise Maßnahmen ergriffen, vor allem zur Reduktion des Gasverbrauchs. Gleichwohl litten 67 Prozent der Unternehmen stark unter den gestiegenen Kosten - «elf Prozent sogar in existenzbedrohender Weise», berichtete Nordmetall. Energieeinsparungen in großem Umfang sind der Umfrage zufolge lediglich jedem vierten Unternehmen gelungen. «Eine Weitergabe der massiv gestiegenen Energie-Einkaufspreise ist aber nur 15 Prozent der Betriebe möglich. 38 Prozent können die Kosten nur teilweise weitergeben, 19 Prozent überhaupt nicht», so der Arbeitgeberverband.

Zugleich sei die Hälfte der Unternehmen von Stornierungen oder Verschiebungen bereits erteilter Aufträge betroffen. Ein weiteres Viertel rechne in den kommenden Monaten damit. «81 Prozent der Industrieunternehmen im Norden erwarten einen weiteren Rückgang ihrer Gewinne - eine beängstigende Dimension», sagte Fickinger. Der Nordmetall-Umfrage zufolge gehen 22 Prozent der Betriebe davon aus, dass sie Personal abbauen müssen, 20 Prozent rechneten mit Kurzarbeit, und 17 Prozent hätten angegeben, dass sie Produktion an günstigere Standorte im Ausland verlagern müssten, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

In der laufenden Tarifrunde verlangt die IG Metall acht Prozent mehr Entgelt. Im Norden wird für rund 130.000 Beschäftigte in Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und dem nordwestlichen Niedersachsen verhandelt. Die Gewerkschaft vermisst bislang ein konkretes Angebot. «Die dritte Verhandlung Ende Oktober ist die letzte Chance, jetzt zu einer Lösung zu kommen», hatte deren norddeutscher Verhandlungsführer Daniel Friedrich Anfang Oktober nach der zweiten Runde gesagt. Danach sei die Friedenspflicht, während der Arbeitskampfmaßnahmen nicht zulässig sind, abgelaufen.

© dpa
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