Holsten-Quartier-Planungen gestoppt

Für den in finanziellen Schwierigkeiten steckenden Investor Adler Group wird es in Hamburg langsam eng. Nachdem bereits bezweifelt wurde, dass dieser im Holsten-Quartier tatsächlich mehr als 1000 Wohnungen baut, ist nun das Bebauungsplanverfahren ausgesetzt worden.
Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) spricht mit dem Publikum. © Daniel Bockwoldt/dpa/Archivbild

Der wegen seines Geschäftsgebarens beim Großbauprojekt Holsten-Quartier schon lange in der Kritik stehende Investor Adler Group ist bei der Stadt Hamburg endgültig in Ungnade gefallen. Nachdem der Senat zuletzt Zweifel geäußert hatte, dass der finanziell angeschlagene Konzern den Bau von mehr als 1000 Wohnungen überhaupt noch stemmen könnte, zog die Stadt nun vorerst den Stecker. Es seien sämtliche Maßnahmen im Rahmen des laufenden Bebauungsplanverfahrens ausgesetzt worden, sagte Altonas Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg (Grüne). «Das betrifft den Bebauungsplan für das Holstenquartier einschließlich des diesen ergänzenden städtebaulichen Vertrags.»

Und nicht nur das: Die Stadtentwicklungsbehörde lässt nun zudem alle Geschäftsbeziehungen mit der Adler Group und deren Projektentwickler Consus Real Estate überprüfen. «Angesichts der aktuellen Situation der Adler Gruppe überprüft die Stadt für alle Areale in Hamburg, die eine Verbindung zu diesem Unternehmensgeflecht haben, ob die auf den Flächen verfolgten städtebaulichen Ziele weiterhin in den bisher vorgesehenen Prozessen erreicht werden können», erklärte Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD).

Der Adler-Konzern reagierte auf Anfragen zunächst nicht. Dafür lobte der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen den Schritt der Stadt. «Es geht jetzt darum, zu retten, was zu retten ist», sagte Verbandsdirektor Andreas Breitner. Gleichzeitig appellierte er an die Stadt, das Gelände zu kaufen und so die Kontrolle zu erlangen. Die stellvertretende FDP-Landesvorsitzende Katarina Blume schlug vor, das Areal nach dem Vorbild der Hafencity über kleine Projekteinheiten zu vermarkten. «Zumal damit eine erhebliche Risikominimierung verbunden wäre.» Die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Linksfraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, Heike Sudmann, warnte: «Der Senat darf die Notbremse nicht wieder lösen. Jetzt geht es um einen Neuanfang.»

Eigentlich sollten auf dem rund 86 000 Quadratmeter großen ehemaligen Gelände der Holsten-Brauerei im Bezirk Altona längst Mietwohnungen gebaut worden sein. Geplant sind rund 1200 Wohnungen, darunter 365 geförderte Mietwohnungen, Kitas, Geschäfte, Büros und ein Handwerkerhof. Tatsächlich sind bislang aber noch nicht einmal die Abbrucharbeiten der Brauereigebäude abgeschlossen.

Das Gelände war 2016 von der Carlsberg-Brauerei an die Düsseldorfer Gerchgroup verkauft worden. Anschließend wurde es mehrfach weiterveräußert, ohne dass auf dem Areal gebaut wurde. Durch Bodenspekulationen vervielfachte sich der Preis des Grundstücks. Nach Angaben der Linken-Bürgerschaftsfraktion hätte die Stadt das Areal 2016 für rund 65 Millionen Euro kaufen können. Stattdessen stehe es nun mit 364 Millionen Euro in den Adler-Bilanzen.

Der Adler Immobilienkonzern steckt derzeit in erheblichen Schwierigkeiten, hatte zuletzt einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro ausgewiesen. Diese Summe gilt jedoch nicht als gesichert, da die Wirtschaftsprüfgesellschaft KPMG dem SDax-Unternehmen das Testat für die Geschäftszahlen 2021 verweigert hat. Zudem hatte KPMG mitgeteilt, künftig nicht mehr für die Adler Group als Wirtschaftsprüfer tätig sein zu wollen. Der Konzern hat seinen rechtlichen Sitz in Luxemburg, seinen operativen Hauptsitz in Berlin.

Zuletzt hatte die Adler Group angekündigt, den Chefposten der angeschlagenen Adler-Tochter Consus Real Estate AG neu zu besetzen. Vom 7. Juni an werde der Chef der Adler-Rechtsabteilung, Sven-Christian Frank, zusätzlich als Consus-Alleinvorstand fungieren. Der bisherige Consus-Chef Bernd Schade werde dann aus dem Unternehmen ausscheiden, aber noch als Berater zur Verfügung stehen. Consus hatte zuletzt ein negatives Eigenkapital verbucht.

© dpa
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