Hamburger Otto Group steigert Gewinn auf 1,8 Milliarden Euro

Zweistelliges Umsatzplus, mehr als 1,8 Milliarden Euro Gewinn - der Handels- und Logistikkonzern hat eines der besten Geschäftsjahre verbucht. Für die Zukunft ist Konzernchef Birken zurückhaltender.
Alexander Birken, Vorstandsvorsitzender der Otto Group, und Petra Scharner-Wolff (l), Finanzchefin der Otto Group. © Christian Charisius/dpa

Die Hamburger Otto Group stellt sich angesichts der Inflation, des Ukraine-Kriegs und der Corona-Pandemie auf sinkende Gewinne ein. Die aktuellen Preiserhöhungen könnten nicht eins zu eins an Kundinnen und Kunden weitergegeben werden, sagte Konzernchef Alexander Birken am Montag bei der Vorlage der Jahreszahlen in Hamburg. «Das heißt, das wird teilweise gegen die Marge gehen. (...) Deswegen sprechen wir auch von niedrigeren Gesamterträgen, die wir in diesem Jahr erwarten.» Im Ende Februar abgelaufenen Geschäftsjahr 2021/2022 hat der Handels- und Logistikkonzern noch deutlich mehr verdient und den schon im ersten Corona-Jahr deutlich gestiegenen Umsatz nochmals erhöht.

Der weltweite Umsatz des Konzerns mit rund 43.000 Beschäftigten stieg 2021/2022 den Angaben zufolge um 12,9 Prozent auf 16,1 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss kletterte um 842,3 Millionen auf 1,814 Milliarden Euro. «Das abgelaufene Geschäftsjahr ist eines der besten Geschäftsjahre in der Firmengeschichte der Otto Gruppe», sagte Birken. Bei den Plattformen habe die Einzelgesellschaft Otto den Umsatz um 13,2 Prozent auf 5,12 Milliarden Euro erhöht. 11,5 Millionen Kundinnen und Kunden hätten dort in den vergangenen zwölf Monaten eingekauft, sagte Finanzvorstand Petra Scharner-Wolff.

Ein größeres Wachstum legte das seit Juni vergangenen Jahres börsennotierte Fashion- und Technologieunternehmen About You hin. Dort stieg der Umsatz um 48,5 Prozent auf rund 1,73 Milliarden Euro. About You bietet rund 500.000 Artikel von mehr als 3500 Marken und überzeugte damit den Angaben zufolge 11,4 Millionen Kundinnen und Kunden aus 26 Ländern. Ebenfalls deutlich zulegen konnten die Konzernunternehmen Bonprix, Crate and Barrel sowie die Wittgruppe. Dass die Mytoys-Gruppe im Vergleich zu den anderen Unternehmen den Umsatz nur um 1,2 Prozent auf 905 Millionen steigerte, erklärte Scharner-Wolff mit der extremen Nachfrage nach Spielzeug im ersten Corona-Jahr, die sich nun wieder normalisiert habe.

Angesichts des russischen Angriffskriegs in der Ukraine gibt die Otto Group ihr Russland-Geschäft vollständig auf. «Wir sind dabei, uns von allen Aktivitäten zu trennen», sagte Birken. Konkreter wurde er nicht. Solche Prozesse seien in Russland sehr anspruchsvoll und etwa für die Geschäftsführungen auch mit Gefahren verbunden. Die Otto Group hat den Angaben zufolge in Russland rund 1800 Beschäftigte. Unter anderem das Bon-Prix-Geschäft sei bereits abgewickelt.

Um fast 41 Prozent zulegen konnte die konzerneigene Logistikgruppe Hermes. Birken räumte jedoch ein, dass die Zahlen wegen des Verkaufs von Mondial Relay in Frankreich und der Übernahme von Anteilen an der Hermes Germany sowie der Hermes Parcelnet in Großbritannien durch Advent International nur eingeschränkt mit dem Vorjahr vergleichbar seien. Birken betonte, dass die Retouren bei der Otto Group weiterhin kostenlos blieben. «Das gehört für uns zu einem Service dazu. (...) Sie werden ja auch keine Gebühren im Stationärhandel bezahlen, wenn Sie in die Umkleidekabine gehen wollen.» Im Übrigen sei die Retourenquote wegen besserer Produktinformationen rückläufig.

Einen Wachstumsmarkt sieht die Otto Group bei digitalem Gesundheitsservice, weshalb der Konzern zu Beginn des laufenden Geschäftsjahres die Mehrheit der Schweizer Medgate Holding und deren Tochterfirma BetterDoc übernommen habe. Medgate sei mit 200 eigenen Ärzten in der Schweiz Marktführer für Telemedizin, sagte Birken. In Deutschland sei man da noch deutlich hinterher. Es gebe aber in der Politik etwa zu Fernbehandlungen oder E-Rezepte klare Absichtserklärungen, dies zu ändern. Einen Verkauf eigener Unternehmen schloss Birken derzeit aus. «Im Augenblick haben wir keine Firma, von der wir uns trennen wollen.»

© dpa
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