Wieder mehr Sauerstoff in Elbe - Für Fische noch kritisch

Seit Wochen gibt es in der Elbe zu wenig Sauerstoff und vor allem die Fische leiden sehr darunter. Tagelang war der Sauerstoffgehalt so niedrig, dass die Elbe im Hafenbereich quasi zur Todeszone wurde. Nun haben sich die Werte gebessert. Für Entwarnung reicht das aber nicht.
Blick auf die Elbe und den Hafen an der Überseebrücke. © Jonas Walzberg/dpa/Archivbild

Die Elbe hat im Bereich Hamburg wieder mehr Sauerstoff im Wasser, dennoch ist die Situation für die Fische noch immer kritisch. Das sogenannte Sauerstofftal hat sich mittlerweile wieder auf den Hafenbereich zurückgezogen, wie ein Sprecher der Hamburger Umweltbehörde der Deutschen Presse-Agentur sagte. Dort schwankten die Werte zuletzt bei einem Sauerstoffgehalt von etwa 3,0 Milligramm gelöstem Sauerstoff pro Liter. Das ist für Lebewesen in der Elbe zwar deutlich besser als zuletzt Ende Juni, doch noch immer zu wenig, wie Eike Schilling vom Naturschutzbund Hamburg sagte. «Entwarnung ist überhaupt nicht gegeben. Die Situation hat sich nie richtig erholt. Es ist weit weg von gut im Hamburger Hafen», so der Nabu-Referent für Gewässerschutz.

Bessere Nachrichten gibt es dagegen von der Bunthäuser Spitze. Dort pendelten sich die Werte zuletzt bei rund 8 Milligramm gelöstem Sauerstoff pro Liter ein. «Da schwankt es in einem Bereich, der in Ordnung ist», so Schilling weiter.

Ein gewisser Sauerstoffmangel im Sommer ist in der Elbe nicht ungewöhnlich. In Hamburg wird das Problem jedoch durch die Elbvertiefung verschärft. Dort, wo die Elbe tief genug für die Schifffahrt ist, ist sie zu tief beziehungsweise zu dunkel für sauerstoffproduzierende Photosynthese. Die deshalb absterbenden Algen verbrauchen stattdessen Sauerstoff. Ist es dazu warm und sonnig, wird der Prozess beschleunigt. Ende Juni war zudem das eigentlich hilfreiche sauerstoffreiche Wasser aus der Mittelelbe ausgeblieben.

Die Umweltbehörde hat mittlerweile eine Hypothese dafür. So war es den Erkenntnissen zufolge bei Schnackenburg zu einem «Auffressen» von Kieselalgen durch Zooplankton gekommen, weil die Mittelelbe zu dem Zeitpunkt nur geringes Oberwasser hatte. Sie floss deshalb langsamer, es wuchsen mehr Algen und Rädertierchen, Wimpertierchen, Krebstiere und Co. konnten ordentlich futtern. Beim Abbau von deren Ausscheidungen wurde weiterer Sauerstoff verbraucht.

«Als Folge gelangte nur noch sauerstoffarmes Wasser aus der Mittel- in die Tideelbe, mit der Folge, dass in Bunthaus die O2-Konzentrationen sogar unterhalb derjenigen in Seemannshöft und Blankenese fielen, was sehr ungewöhnlich ist», so der Sprecher der Umweltbehörde. Mittlerweile habe sich die Sauerstoffkonzentration im Rückstaubereich Elbwehr Geesthacht wieder normalisiert.

Die geringen Sauerstoffwerte im Juni hatten ein Massensterben bei den Fischen in der Elbe ausgelöst. Umweltverbände und der Anglerverband Hamburg forderten zuletzt den Wiederaufbau und die Erhaltung der Flachwasserzonen für die Elbe. Diese lichtdurchfluteten Zonen seien für ein gesundes Gewässer unerlässlich. Zudem solle die Elbvertiefung eingeschränkt werden, um den Fluss und sein gesamtes Biotop noch retten zu können.

© dpa
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