Prozess um geplanten Anschlag: Angeklagter schweigt

12.05.2022 Hamburg ist nach Angaben der Bundesanwaltschaft im vergangenen Jahr einem islamistischen Terroranschlag entgangen. Die Sicherheitsbehörden wurden rechtzeitig auf den mutmaßlichen Attentäter aufmerksam. Zu Prozessbeginn schweigt der Angeklagte.

Die Polizei hatte den damals 20-jährigen Angeklagten auf dem Parkplatz des Schnellrestaurants verhaftet. © Georg Wendt/dpa/Archivbild

Wegen Vorbereitung eines Terroranschlags zum 20. Jahrestag der Attentate vom 11. September 2001 muss sich seit Donnerstag ein 21-Jähriger vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht verantworten. Der Vertreter der Bundesanwaltschaft, Simon Henrichs, warf dem Angeklagten vor, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat im Raum Hamburg geplant zu haben. Durch den Kauf einer Handgranate und einer Pistole habe er zudem gegen das Kriegswaffenkontroll- und das Waffengesetz verstoßen. Er habe sich im Sinne der islamistischen Ideologie von Al-Kaida radikalisiert. «Der Angeklagte verfolgte das Ziel, eine erhebliche Anzahl seiner Meinung nach Ungläubiger zu verletzen, wenn nicht sogar zu töten», sagte Henrichs.

Der Deutsch-Marokkaner wollte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern. Sein Verteidiger Roman Raczek stellte einen Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit. Andernfalls werde die Privatsphäre seines Mandanten verletzt, insbesondere in Bezug auf dessen religiöse Überzeugungen und familiäres Umfeld. Dies lehnte das Gericht ab. Angesichts der Schwere der Vorwürfe habe das Informationsinteresse der Öffentlichkeit Vorrang, erklärte die Vorsitzende des Staatsschutzsenats, Petra Wende-Spors.

Der 21-Jährige wirkte selbstbewusst und antwortete auf die Fragen der Richterin zu seinen Personalien mit klarer und deutlicher Stimme. Der etwa 1,70 Meter große Mann trug eine schwarze Kapuzenjacke, dazu eine helle Cargohose.

Laut Anklage wollte der Angeklagte einen Sprengsatz nach dem Vorbild des Anschlags auf den Boston-Marathon vom 15. April 2013 bauen. Dafür habe er größere Mengen an Chemikalien sowie mehrere Hundert Schrauben und Muttern gekauft. Zudem soll der Angeklagte versucht haben, im Darknet eine Makarow-Pistole mit 50 Schuss Munition und eine Handgranate zu erwerben. Dabei geriet er an einen verdeckt agierenden Polizeibeamten. Bei der vereinbarten Übergabe der Waffen am 26. August 2021 auf dem Parkplatz eines Schnellrestaurants in Hamburg-Stellingen wurde der junge Mann von Spezialkräften festgenommen.

Bei der Durchsuchung einer von ihm genutzten Wohnung in Hamburg-Jenfeld fanden die Ermittler am 19. November 2021 je ein Kilogramm Kaliumnitrat und Schwefel sowie ein halbes Kilo Kohlepulver, außerdem Klingeldraht, Schrauben und Muttern. Auf dem Handy hatte der Angeklagte nach Angaben von Henrichs islamistische Propaganda, Reden des früheren Al-Kaida-Chef Osama bin Laden und eine Vielzahl von Anleitungen zum Bombenbau abgespeichert. Die Ermittlungen hätten keine Hinweise auf Mitwisser, Beteiligte oder Hintermänner ergeben.

Im Dezember hatten die Hamburger Polizei und Generalstaatsanwaltschaft die Öffentlichkeit über die Ermittlungen informiert. Der 21-Jährige sei der Sohn eines den Hamburger Behörden seit langem bekannten Islamisten, sagte damals der Leiter der Staatsschutzabteilung im Landeskriminalamt (LKA), Claus Cortnumme. Der marokkanische Vater sei ein Mitverantwortlicher der Al-Quds-Moschee gewesen, in der sich vor den Anschlägen vom 11. September 2001 die Hamburger Terrorzelle um Mohammed Atta getroffen hatte.

Der Angeklagte war rund sechs Monate vor den 9/11-Anschlägen in Hamburg geboren worden. 2016 war die Familie den Angaben zufolge von Hamburg-Billstedt nach Marokko gezogen, wo der junge Mann seinen Schulabschluss machte. Im Herbst 2020 sei er nach Deutschland zurückgekehrt und habe an einem Studienkolleg in Wismar (Mecklenburg-Vorpommern) teilgenommen. Zeugen hätten ihn als introvertierten Einzelgänger beschrieben, der regelmäßig die Moschee besuchte und nicht mit Frauen sprach.

© dpa

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