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Hamburg geht mit Übergangscoaches in U-Haft neue Wege

Nach der tödlichen Messerattacke von Brokstedt wird schnell klar, dass der mutmaßliche Täter schon kurz zuvor in U-Haft unter psychischen Problemen litt. Die Hamburger Justiz will Konsequenzen aus der Bluttat ziehen und beschreitet damit Neuland.
Gefängnis
Ein Stacheldrahtzaun umzäunt das Gelände einer Justizvollzugsanstalt. © Bernd Weißbrod/dpa/Symbolbild

Der Justizvollzug in Hamburg geht mit Übergangscoaches für Gefangene in Untersuchungshaft neue Wege. Diese als Reaktion auf die tödliche Messerattacke in einer Regionalbahn bei Brokstedt geplante Maßnahme gebe es sonst nirgendwo in Deutschland, sagte Justizsenatorin Anna Gallina (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur. «Weil Untersuchungshäftlinge nicht rechtskräftig verurteilt sind, hat der Gesetzgeber für diese Gefangenen bislang auch keine klassischen Resozialisierungsmaßnahmen vorgesehen.»

Trotz Unschuldsvermutung sei die U-Haft eine ziemlich harte Haftform. «In der Regel fällt mit Beginn der U-Haft das, was vorher war, in sich zusammen. Das ist ein krasser Einschnitt und insofern auch eine sehr vulnerable Zeit für die Menschen», sagte Gallina. «Deshalb wollen wir sie - völlig egal, wie es für sie ausgeht - besser an die Hand nehmen.» Ziel sei es, in möglichst vielen Fällen Unterstützungsangebote zu unterbreiten.

Gerade Untersuchungshäftlinge würden sich jedoch im Gefängnis ungern öffnen. «Und vielleicht rät auch ein Strafverteidiger dazu, lieber nicht so viel zu erzählen», sagte Gallina. «Insofern ist es für unsere Bediensteten schwer, an die Gefangenen heranzukommen. Deshalb werden wir mit freien Trägern zusammenarbeiten.»

Wie viele Übergangscoaches am Ende eingesetzt würden, orientiere sich am tatsächlichen Bedarf, der jetzt noch anstaltsbezogen ermittelt werde. Anfang kommenden Jahres soll es dann losgehen. «Die Idee ist, dass jeder, der in die Untersuchungshaft kommt, einen Ansprechpartner hat, der für ihn da ist und bei all den Themen, die da kommen, an die Hand nimmt», sagte Gallina.

Der Senat hatte Mitte August beschlossen, die Mittel dafür zur Verfügung zu stellen, um Risiken präventiv zu reduzieren und Hilfen für psychisch kranke Gefangene zu verbessern.

Der mutmaßliche Täter von Brokstedt, der 34 Jahre alte staatenlose Palästinenser Ibrahim A., soll Ende Januar im Regionalzug von Kiel nach Hamburg zwei Menschen mit einem Messer getötet und vier weitere schwer verletzt haben. Er war erst wenige Tage vor der Bluttat aus der Untersuchungshaft entlassen worden, die er in Hamburg wegen einer anderen Straftat abgesessen hatte. Während dieser Zeit hatte er sich wegen psychischer Auffälligkeiten 16 Mal mit einem Psychiater getroffen. Derzeit steht er in Itzehoe vor Gericht.

© dpa
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