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Hagenbeck öffnet bei Streik: IG BAU fordert Verhandlungen

Deutschlands einziger Großzoo in privater Hand ist ein Wahrzeichen Hamburgs - und bei Touristen und Einheimischen ein Besuchermagnet. Schlagzeilen macht Hagenbeck derzeit aber nicht mit seinen Tieren.
Hagenbecks Tierpark
Besucher gehen durch den Haupteingang in Hagenbecks Tierpark. © Markus Scholz/dpa

Der Hamburger Tierpark Hagenbeck will auch im Fall eines möglichen Streiks der Gewerkschaft IG BAU seine Tore öffnen. Sowohl der Tierpark als auch das Tropen-Aquarium blieben «uneingeschränkt geöffnet - alle Tiere können ohne Einschränkungen besucht werden», teilte Hagenbeck am Freitag mit. «Besucher, oft Eltern oder Großeltern mit ihren kleinen Kindern oder Enkelkindern, dürfen durch den Streik nicht bestraft werden», sagte Hagenbeck-Direktor Dirk Albrecht der Mitteilung zufolge. Auch die Öffnungszeiten von 9 bis 18 Uhr blieben unverändert. Allerdings schlössen die Kassen statt um 17 Uhr schon um 16 Uhr.

Derweil hat die Gewerkschaft IG BAU ihre Forderung nach Verhandlungen über einen Haustarifvertrag bekräftigt und erhob zugleich persönliche Vorwürfe gegen Albrecht. Bereits seit zwei Jahren versuche die Gewerkschaft der Geschäftsführung nahezubringen, dass eine Mehrheit der Beschäftigten einen Rahmentarifvertrag verhandeln wolle, heißt es in einem am Freitag veröffentlichten Schreiben der IG BAU an Albrecht. «Dies haben Sie jedoch vehement abgelehnt», heißt es weiter. «Der Arbeitskampf scheint daher zum aktuellen Zeitpunkt aufgrund Ihrer Haltung unumgänglich.»

Albrecht konterte in einer weiteren Mitteilung mit dem Vorwurf, die Gewerkschaft verbreite aus taktischen Gründen eine falsche Behauptung und sprach von einem «Versuch einer Rufschädigung». Der Tierpark habe der Gewerkschaft immer wieder mitgeteilt, «dass wir ausschließlich mit dem zuständigen Betriebsrat über eine neue Betriebsvereinbarung für alle Mitarbeiter verhandeln möchten». Allerdings sind in Deutschland Tarifverträge nicht Sache der Betriebsräte. «Arbeitsentgelte und sonstige Arbeitsbedingungen, die durch Tarifvertrag geregelt sind oder üblicherweise geregelt werden, können nicht Gegenstand einer Betriebsvereinbarung sein», heißt es dazu ausdrücklich im Betriebsverfassungsgesetz.

Hagenbeck spricht von einem «wohl geplanten Warnstreik der IG BAU für das Wochenende und/oder Montag». Allerdings hat die IG BAU noch offen gelassen, wann sie ihre Mitglieder in der Hagenbeck-Belegschaft zum Arbeitskampf aufrufen wird. Bei Hagenbeck hatten sich im jahrelangen Streit mit der IG BAU um einen Haustarifvertrag 87 Prozent der rund 80 Gewerkschaftsmitglieder in der Belegschaft für einen Arbeitskampf ausgesprochen. Im Gegenzug droht Albrecht der Gewerkschaft mit juristischen Schritten, sofern bei einem Streik der Bereich der Tierpflege nicht ausgeklammert wird. Vor rund einem Jahr hatte es dort bereits einen Warnstreik gegeben.

In dem Schreiben warf Gewerkschaftssekretär Pascal Lechner Albrecht vor, er verweigere «die Verhandlungen mit der Gewerkschaft aus uns unbekannten persönlichen Gründen, die mit dem Grundverständnis unserer Demokratie nicht zu vereinbaren sind und einen wirtschaftlichen Schaden für den Tierpark zur Folge haben werden». Der Direktor verweigere sogar den Versuch einer Einigung und lasse «es sehenden Auges auf einen unbefristeten Arbeitskampf ankommen».

Der Tierpark Hagenbeck ist der einzige private Großzoo Deutschlands und unterliegt deswegen anders als die sonst in öffentlicher Hand befindlichen großen Zoos keinem Tarifvertrag.

Zuspruch hat die Gewerkschaft auch aus den Reihen der rot-grünen Koalition im Rathaus der Hansestadt erhalten. «Von einem Hamburger Traditionsbetrieb wie Hagenbeck erwarten wir einen hanseatisch fairen Umgang mit seinen Beschäftigten», hatte der SPD-Fraktionschef in der Bürgerschaft, Dirk Kienscherf, unlängst betont. «Dazu gehören auch das Recht auf Mitbestimmung und tarifliche Bezahlung.» Ähnlich hatte sich die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Filiz Demirel, geäußert. Der nun angekündigte Streik sei ein Grundrecht. «Die Beschäftigten haben es verdient, dass in ihren Arbeitsplatz investiert wird, mit fairen Löhnen, guten Arbeitsbedingen und einem Arbeitsklima, das auf Vertrauen und Empathie beruht», so Demirel.

© dpa
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