Krankenhäuser wollen wegen Energiekosten Inflationsausgleich

Die hohen Energiepreise könnten die Existenz von Kliniken gefährden. Das befürchtet die Deutsche Krankenhausgesellschaft. Die Betreiber rufen nach einem Milliardenzuschuss aus der Steuerkasse.
Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der DKG, in einer Pressekonferenz zur Lage der Krankenhäuser. © Marcus Brandt/dpa

Angesichts der hohen Energiepreise fordert die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) einen Inflationsausgleich aus Steuermitteln. 96 Prozent der Kliniken könnten ihre Kosten nicht mehr aus den laufenden Einnahmen decken, sagte der Vorstandsvorsitzende Gerald Gaß am Montag in Hamburg. Allein die Energiekosten brächten Kliniken an den Rand der Zahlungsunfähigkeit.

Ein durchschnittliches Krankenhaus verbrauche fünf Millionen Kubikmeter Gas pro Jahr, so viel wie etwa 3000 Einfamilienhäuser. Im kommenden Jahr müsse eine solche Klinik über sechs Millionen Euro mehr für Gas und Strom bezahlen. Auf alle deutschen Krankenhäuser hochgerechnet, wäre das laut DKG ein Fehlbetrag von rund vier Milliarden Euro. Die Gesellschaft befürchtet, dass Krankenhäuser in die Insolvenz gehen könnten.

Die Hamburger Kliniken seien ebenso von den Kostensteigerungen betroffen, sagte der Vorsitzende der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft, Joachim Gemmel. Ob einem der gut 30 Häuser in Hamburg bereits die Insolvenz drohe, konnte er nicht sagen. Die Zuschüsse der Stadt stiegen zwar, aber nicht im notwendigen Maße.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hatte Anfang September ein Hilfspaket angekündigt. «In dieser Energie- und Inflationskrise lassen wir unsere Krankenhäuser nicht im Stich und werden sie über den Herbst und über den Winter bringen», sagte der SPD-Politiker in der Haushaltsdebatte im Bundestag.

Die DKG hat eine bundesweite Kampagne gestartet. Mit dem Motto «Alarmstufe rot: Krankenhäuser in Gefahr» werben die Klinikbetreiber um Unterstützung der Bürger für ihren finanziellen Hilferuf. Der Bund soll einen «Rechnungsaufschlag» von drei bis vier Milliarden Euro für 2022 zahlen. Für die Hamburger Kliniken wären das 60 bis 80 Millionen Euro. In den Abrechnungen für die Behandlungen im nächsten Jahr sollten die gestiegen Kosten gleich ab Januar berücksichtigt werden.

Die finanzielle Lage der Krankenhäuser habe sich auch durch das Auslaufen der Corona-Zuschläge verschärft. Seit Juli seien die Kliniken mit den Mehrkosten alleingelassen worden, sagte Gemmel. Zugleich habe die Corona-Pandemie zu einem Patientenrückgang und zu Einnahmeverlusten geführt. Die Fallzahlen seien um 10 bis 15 Prozent gesunken, ergänzte Gaß.

Allerdings machen die sogenannten Sachkosten nur rund ein Drittel der Klinikausgaben aus. Etwa zwei Drittel sind Personalkosten. Die Krankenhausgesellschaft beklagt in diesem Zusammenhang zu viel Bürokratie. Bis zu drei Stunden seiner täglichen Arbeitszeit sei ein Krankenhausarzt mit bürokratischen Aufgaben beschäftigt, sagte Gaß. Die starren Personalvorgaben könnten im Winter dazu führen, dass Notaufnahmen oder Stationen geschlossen werden müssten, warnte er.

Es gebe sehr viele Personalausfälle wegen der Corona- Quarantänevorgaben. Die DKG fordere jedoch nicht, dass ab sofort auch infizierte Mitarbeiter ohne Symptome zur Arbeit kommen sollten. Zwar biete die Maske einen sehr guten Schutz. Aber, so Gaß: «Wenn man das jetzt machen würde, nach zwei Jahren Pandemie, wo auch die Maske ein Wahnsinnssymbol war, wo dieses Zuhausebleiben bei Infektionen ein wahnsinniges Symbol war, hätten wir allergrößte Sorge, dass wir mehr Schaden davontragen würden als Nutzen.» Wenn jedoch die Versorgung der Patienten nicht mehr gewährleistet sein sollte, müssten «vernünftige Ausnahmen» getroffen werden. Das Weiterbetreiben einer Station könne wichtiger sein als «diffuse Ängste».

Die hohen Energiepreise machen sich für die Krankenhäuser nicht nur bei der Abrechnung von Gas und Strom bemerkbar. Auch die Zulieferer wie Großwäschereien seien auf Gas angewiesen, erklärte der DKG-Chef. Manche Krankenhäuser könnten ihre Heizung auf Öl umstellen. Doch gerade moderne Kliniken hätten oft Blockheizkraftwerke, die auf Gas angewiesen seien. «Jedes Haus macht sich jetzt natürlich nicht nur Gedanken, sondern beschäftigt sich sehr konkret mit möglichen Szenarien», erklärte Gaß.

© dpa
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