Barmer: Behandlungsqualität durch OP-Verlagerung verbessern

In Hamburg sind alle 35 Krankenhäuser und Kliniken der Stadt schnell zu erreichen. Wenn man sich einer OP unterziehen muss, hat man die Wahl. Doch die Kliniken verfügen über unterschiedliche Erfahrungen - je nach Eingriff. Und hier sieht eine Krankenkasse großes Potenzial.
Ein Leuchtkasten mit einem roten Kreuz hängt vor einem Krankenhaus. © Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

Die stationäre Behandlung Hunderter Patienten in Hamburg könnte laut einer Studie gesteigert werden, indem Eingriffe verstärkt von erfahrenen Kliniken durchgeführt werden. Anhand von Hüft-, Knie- und Herzoperationen wurde im «Barmer Krankenhausreport 2022» untersucht, ob sich OPs von Krankenhäusern mit der geringsten Routine hin zu Kliniken mit höheren Fallzahlen verlagern lassen, ohne dabei längere Anfahrten in Kauf nehmen zu müssen. Das Ergebnis: Mehr als 900 dieser Patientinnen und Patienten hätten von besserer Qualität profitieren und vor «Gelegenheitschirurgie» bewahrt werden können, wie die Landesgeschäftsführerin der Barmer, Susanne Klein, der Deutschen Presse-Agentur sagte.

In der Regel hätten Ärztinnen und Ärzte sowie das Pflegepersonal in Einrichtungen mit hohen Fallzahlen die größere medizinische Expertise. «Werden Operationen verlagert, hat dies nur einen geringfügigen Einfluss auf die Fahrzeiten. Dem stehen erwartbare Qualitätssteigerungen in der Behandlung gegenüber», sagte Klein. «Wo immer eine Verlagerung möglich ist, sollte sie daher erfolgen.»

Geprüft worden sei eine Verlagerung von fünf Prozent der insgesamt rund 14.000 Hamburgischen Hüft- und Knieoperationen sowie bei 2,4 Prozent der fast 9500 Herzinfarkt-Eingriffe aus dem Jahr 2019 - also noch aus einer Zeit, bevor Corona zu einem Einbruch sogenannter elektiver Eingriffe führte. Zugrunde lagen die Daten der 185.000 Barmer-Versicherten in Hamburg, was einem Anteil von rund elf Prozent aller gesetzlich Versicherten entspricht.

In Hamburg sei das Verlagerungspotenzial besonders hoch, da alle 35 Kliniken der Stadt innerhalb von höchstens 30 Minuten zu erreichen seien, so dass - anders als in Flächenländern - die Anfahrt kaum eine Rolle spiele, sagte Klein. Diese Potenziale gelte es zu heben.

Leistungsverlagerungen und Schwerpunktbildung würden dann automatisch zu einem qualitätsorientierten Umbau der Krankenhauslandschaft führen. «Hierbei geht es nicht um den Abbau von Kapazitäten in kleineren, wenig spezialisierten Krankenhäusern. Sondern es geht um den Aufbau moderner und bedarfsgerechter Versorgungsstrukturen, die gleichzeitig die knappen finanziellen und personellen Ressourcen bündeln», sagte Klein und betonte: «Eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausplanung darf sich nicht an der Zahl der Betten, sondern muss sich an Qualitätsparametern im Sinne der Patientensicherheit orientieren.».

© dpa
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