Weitere LNG-Terminals gehen nach Stade und Lubmin

Weniger abhängig werden von russischem Gas: Dazu sollen eigene LNG-Terminals in Deutschland dienen. Zwei weitere Standorte stehen nun fest.
Schlepper und Arbeitsschiffe liegen im Hafen von Lubmin. © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/ZB/Archivbild

Die Bundesregierung hat über weitere Standorte für schwimmende LNG-Terminals entschieden. Das dritte Terminal geht nach Stade bei Hamburg und das vierte nach Lubmin in Vorpommern, wie das Wirtschaftsministerium am Dienstag mitteilte. Zusätzliche Importe von Flüssigerdgas (LNG) spielen eine wichtige Rolle, damit Deutschland von russischem Gas weniger abhängig wird.

Zwei Schiffe stehen bereits in diesem Jahr zur Verfügung und sollen zum Jahreswechsel in Wilhelmshaven an der Nordsee und Brunsbüttel an der Elbmündung eingesetzt werden, erklärte das Ministerium. Die anderen zwei Schiffe seien ab Mai 2023 verfügbar. Der Standort Stade werde voraussichtlich ab Ende 2023 zur Verfügung stehen. Nach Angaben der Betreiber werde die Anlage auf See vor Lubmin frühestens ab Ende 2023 zur Verfügung stehen. In Lubmin entstehe zudem bis Ende 2022 ein fünftes schwimmendes Terminal durch ein privates Konsortium.

«Wir müssen innerhalb kürzester Zeit eine neue Infrastruktur aufbauen, um russisches Gas so schnell es geht ersetzen zu können», sagte Wirtschaftsminister Robert Habeck. «Es ist daher eine sehr gute Nachricht, dass zusätzlich zu den vier Bundesschiffen jetzt noch ein fünftes privates Regasifizierungsschiff hinzukommt. Damit können wir die Menge, die angelandet werden kann, noch mal erhöhen und so die Versorgungssituation verbessern.»

LNG wird unter Druck tiefgekühlt, flüssig per Schiff transportiert, angelandet, erwärmt, regasifiziert und dann in die Netze gepumpt.

Die Ampel-Koalition hatte ein Gesetz beschlossen, um die Verfahren für den Bau der LNG-Infrastruktur zu beschleunigen. «Jetzt kommt es auf die Umsetzung vor Ort an», sagte Habeck. «Und es ist deutlich, dass sich alle dahinterklemmen, damit es so schnell wie möglich vorangeht. Dass es nicht einfach ist, ist klar. Es sind viele Dinge gleichzeitig zu bewerkstelligen und Hürden zunehmen. Letztlich müssen wir ein Tempo vorlegen, dass es so in Deutschland noch nicht gab.»

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies hatte den Beschluss zu Stade bereits erwartet, den Bund aber zu mehr Tempo aufgefordert. Nun sprach er von einer «guten und richtigen Entscheidung» in Berlin.

Das erste schwimmende Terminal in Deutschland soll in Wilhelmshaven entstehen. Der Energiekonzern Uniper erhielt am 1. Juli die Genehmigung für die Bauarbeiten, die inzwischen angelaufen sind. Für die Beantragung verging in der maßgeblichen Projektphase nach Angaben des Unternehmens knapp ein Monat - deutlich weniger als bei solchen Vorhaben üblich.

«Mit diesem Anspruch werden wir nun auch in Stade starten», meinte Lies zu dem Zeitplan. «Ziel ist es, alle notwendigen Vorkehrungen im Spätsommer 2023 getroffen zu haben.» Weitere Finanzierungsgespräche mit dem Bund seien geplant.

«In Stade ist eigentlich alles klar, wir könnten morgen Material bestellen», hatte der Energieminister kürzlich der Deutschen Presse-Agentur gesagt. In Wilhelmshaven peilt Niedersachsen einen Betriebsstart zum 21. Dezember an. Lies wirbt außerdem für ein weiteres LNG-Terminal in der Stadt am Jadebusen. Die Schwimmanlagen sollen so lange eingesetzt werden, bis es feste Terminals an Land gibt.

Neben der Anlandung an die deutschen Standorte werde bei hoher Nachfrage weiter eine Versorgung über die LNG-Terminals in Rotterdam, Zeebrugge in Belgien und Dünkirchen in Frankreich hinzukommen, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Das bringe weitere Kapazitäten in den deutschen Markt.

© dpa
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