NS-Überlebender Buterfas-Frankenthal lobt Polizeiprojekt

Ivar Buterfas-Frankenthal ist einer der letzten Zeitzeugen der NS-Diktatur. Der 89-Jährige mahnt unermüdlich, dass sich rechtes Gedankengut nicht wieder ausbreitet. Besonders gut gefällt ihm ein Projekt der Polizei.
Der NS-Überlebende Ivar Buterfas-Frankenthal. © Ulrich Perrey/dpa

Gespannt lauschen die Buchholzer Berufsschüler den Ausführungen von Ivar Buterfas-Frankenthal - so locker, witzig, aber auch erschütternd kommt die Geschichte des Holocaust-Überlebenden daher. Wie er 1938 als Sohn eines Juden von der Schule verwiesen wurde, die Mitschüler ihn jagten und fast anzündeten, davon berichtet der 89-Jährige so anschaulich, als sei es gestern gewesen. Nacht für Nacht tauchen die schrecklichen Erlebnisse des Hamburger Jung noch in seinen Träumen auf.

«Die Monster suchen mich immer noch heim. Verziehen habe ich, aber nicht vergessen», betont er und nimmt die jungen Leute in die Pflicht: «Diese Demokratie ist sehr fragil, zerbrechlich, wir müssen sie schützen. Das ist Eure Verantwortung.»

Er liebe dieses Deutschland, sonst hätte er es verlassen. Trotz seines hohen Alters nimmt er weiter die Strapazen der Vortragsreisen auf sich, es ihm wichtig, dass sich rechtes Gedankengut nicht wieder ausbreitet. Nach eigenen Angaben ist er mehr als 1500 Mal als Zeitzeuge öffentlich aufgetreten, seine langjährige Ehefrau unterstützt ihn dabei.

Besonders wichtig ist Buterfas-Frankenthal das landesweite Projekt «Polizeischutz für die Demokratie» - er lobt es in den höchsten Tönen. «Die Verbrechen der Polizei unter dem Holocaust mit Massenerschießungen und Jagd auf Kinder wurden aufgearbeitet», sagt er in der Nordheide. Die Polizeiakademie Niedersachsen rief 2019 das Programm ins Leben, seitdem gibt es spezielle Fortbildungen wie Besuche eines Konzentrationslagers.

«Wir sind die, die die Demokratie schützen und auf Versammlungen Meinungen aushalten müssen», erzählt Wiebke Hennig, Demokratiepatin der Polizeiinspektion Harburg, die Buterfas-Frankenthal schon lange kennt, weil er in Bendestorf (Landkreis Harburg) wohnt. Sein Haus ist gut gesichert, immer wieder gab es in der Vergangenheit Drohungen. Den Schutz der Polizei weiß der Träger des Verdienstkreuzes Erster Klasse zu schätzen. «Wenn wir mit der Polizei zusammenrücken, sind wir auf dem richtigen Weg.»

Dass er mit seiner Mutter und den sieben Geschwistern der Deportation in ein KZ entkam, verdankt er sogar der Gestapo. Ein Freund des Vaters, der bei der Geheimen Staatspolizei arbeitete und gute Kontakte zum Hamburger Gauleiter Karl Kaufmann hatte, habe die Familie rechtzeitig gewarnt, berichtet Buterfas-Frankenthal.

Zum Beweis der damaligen Behandlung verteilt er Kopien seines ungültig gestempelten Fremdenpasses an alle Zuhörer. Und erzählt, dass ihm erst 1961 seine deutsche Staatsbürgerschaft wieder zugesprochen wurde. Ohne Papiere habe er keine Ausbildung machen können. Und war sich nicht zu schade, im Hafen die Wassertanks von Schiffen zu reinigen. Vom Hilfsarbeiter brachte er es zum erfolgreichen Bauunternehmer. Geld vom Staat als Wiedergutmachung wollte er nach eigenen Angaben nie annehmen.

© dpa
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