23 Jahre nach Hilals Verschwinden: Polizei durchkämmt Wald

Der Fall des verschwundenen Mädchens Hilal beschäftigt die Hamburger Polizei seit mehr als 20 Jahren. Jetzt gab es eine große Suchaktion am nördlichen Stadtrand. Mehrere Tage lang wurde ein Wald wegen einer neuen Spur akribisch abgesucht. Auch Taucher waren im Einsatz.
Ein Streifenwagen der Polizei steht mit Blaulicht an einem Einsatzort. © Christophe Gateau/dpa/Symbolbild

Seit mehr als 23 Jahren wird in Hamburg Hilal vermisst - sie war damals zehn Jahre alt. Nun haben die Ermittler eine neue Spur in dem Fall gefunden und deshalb am nördlichen Stadtrand ein Waldstück und ein Gewässer durchsucht. Bei der üblichen Auswertung alter Akten durch das Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft seien die Beamten auf den Fall eines bereits mehrfach verurteilten Sexualstraftäters gestoßen, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Die Auswertung der ihn betroffenen Akten hätten wiederum Hinweise auf das Waldstück im schleswig-holsteinischen Norderstedt (Kreis Segeberg) mit sich gebracht. Dies habe nun dazu geführt habe, dass ein 2,7 Hektar großes Gelände abgesucht wurden.

«Wir sind auf der Suche nach Spuren, die eventuell Hinweise geben in diesem Vermisstenfall», sagte der Sprecher weiter. Das Grundstück gehöre nicht dem Mann. Welche Verbindung zwischen dem Sexualstraftäter und dem Grundstück genau besteht, wollte er zunächst nicht bekannt geben. «Das ist Gegenstand der Ermittlungen und Täterwissen.»

Die Polizei sei dafür mit je 18 bis 25 Beamten täglich an 25 Tagen im Einsatz gewesen. Meter für Meter hatten sie dabei akribisch den Boden des Waldes auf mögliche Hinweise kontrolliert. Dafür wurde die Waldfläche in 75 Planquadrate eingeteilt. Entsprechende Markierungen sind an den Bäumen zu finden, über dem Boden schwebte mit Holzpflöcken befestigtes weiß-rotes Flatterband.

Bei der Suche in den Planquadraten kamen auch Metalldetektoren zum Einsatz. Hochfrequentes Piepen und und Surren schallte deshalb lange durch den Wald. Verdächtige Stellen markierten die Beamtinnen und Beamten mit roter Farbe aus einer Spraydose. Bei den darauf folgenden Grabungen wurden zahlreiche metallische Gegenstände gefunden, wie der Sprecher sagte. Doch die erhoffte heiße Spur blieb zunächst aus.

«Nach jetzigem Kenntnisstand haben wir keine Hinweise auf eine konkrete Straftat entdeckt. Das heißt, die Gegenstände, die wir hier gefunden haben - das waren vor allem metallene Gegenstände - deuten nicht auf eine konkrete Straftat hin.» Auch menschliche Überreste oder mutmaßliche Tatwaffen fanden die Einsatzkräfte nicht. Alle einsammelten Gegenstände sollen nun ausgewertet würden. «Die sind in der Kriminaltechnik und werden untersucht.»

Seit dem 27. Januar 1999 wird das damals zehnjährige türkische Mädchen vermisst. Hilal hatte an jenem Tag ein gutes Halbjahreszeugnis nach Hause gebracht. Der Vater erlaubte der Tochter, sich Süßigkeiten im benachbarten Einkaufszentrum «Elbgaupassage» zu kaufen. Seitdem ist Hilal verschwunden.

Zuletzt hatte die Staatsanwaltschaft die Belohnung für Hinweise zur Aufklärung des Falls auf 20.000 Euro erhöht und einen erneuten Zeugenaufruf gestartet. Auch auf einem Linienbus der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) war vor mehr als einem Jahr mit einem großflächigen Zeugenaufruf versucht worden, Bewegung in den alten und noch immer offenen Fall zu bringen.

Doch weder der Zeugenaufruf noch die höhere Belohnung waren erfolgreich. Das habe bislang nichts gebracht, sagte der Polizeisprecher weiter. Auch die Durchsuchung in den vergangenen Tagen habe nichts mit einem Zeugenhinweis, sondern ausschließlich mit der Auswertung der Spurenakten zu tun gehabt.

Einen kurzen Lichtblick - zumindest in Sachen Aufklärung - hatte es 2018 gegeben. Da hatten die Ermittler im Altonaer Volkspark nach Überresten des Kindes gesucht, dabei aber nichts entdeckt. Ein Zeuge hatte nach Angaben der Polizei damals auf eine Örtlichkeit verwiesen, die bereits 2005 als möglicher Ablageort der Leiche des Kindes galt. Damals hatte ein Tatverdächtiger gestanden, Hilal entführt und getötet zu haben. Er widerrief jedoch sein Geständnis.

© dpa
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