Erdgas aus Brunsbüttel: LNG-Terminal eingetroffen

Das dritte Terminal für flüssiges Erdgas in Deutschland steht bereit. In Brunsbüttel kann schon bald der erste LNG-Tanker entladen werden. Die Pläne für den Hafen an der Elbmündung reichen aber bereits über das Ende der fossilen Energien hinaus.
Eine Drohne fliegt vor dem Verarbeitungsschiff «Neptune» am neuen LNG-Terminal über das Hafenbecken. © Jens Büttner/dpa/Archivbild

Deutschland hat mit der Ankunft des dritten schwimmenden Terminals für flüssiges Erdgas (LNG) einen weiteren Schritt zur Sicherung der Energieversorgung gemacht. Am Freitag legte das Terminalschiff «Höegh Gannet» im Industriehafen von Brunsbüttel an der Elbmündung an. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) machten zusammen mit weiteren Beteiligten an der Kaikante symbolisch die letzte Bugleine des riesigen Schiffs fest.

Bei einer Feierstunde im Industriehafen hob Günther den Beitrag des schwimmenden LNG-Terminals für die Versorgungssicherheit in Deutschland hervor. «Selten haben so viele Menschen bei uns in ganz Deutschland ein Schiff so dringend erwartet, wie am heutigen Tag», sagte er. «Mit dem schwimmenden Terminal in Brunsbüttel sichern wir unsere Gasversorgung und eröffnen uns zukünftig neue Möglichkeiten, beispielsweise den Wasserstoffimport.»

Die Infrastruktur in Schleswig-Holstein werde künftig die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern unterstützen, betonte Günther. Schleswig-Holstein werde seine Position als starker und verlässlicher Energiestandort damit ausbauen. «Wir haben gezeigt, wir können komplexe Projekte zügig umsetzen. Dieses Tempo wollen wir halten, in Schleswig-Holstein und in Zusammenarbeit mit dem Bund.»

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sprach vom Einstieg in eine künftige grüne Energieversorgung in Brunsbüttel. Grüne Moleküle - wie regenerativ erzeugter Wasserstoff - seien der Weg, aus der fossilen Energie herauszukommen und Kohle zu verdrängen. «Das ist der nächste große Schritt.» Er erinnerte daran, dass drei schwimmende Terminals in Deutschland innerhalb von zehn Monaten geschaffen worden seien. «Dass Schleswig-Holstein das kann, daran habe ich nie gezweifelt», sagte er zu dem Projekt an der Elbe.

Auch der RWE-Vorstandsvorsitzende Markus Krebber verwies auf die kurze Zeit von der Planung bis zur Fertigstellung. Das setze Maßstäbe für die weitere Modernisierung der Energieversorgung. «Das wird auch nötig sein, damit der Industriestandort Deutschland so schnell wie möglich klimaneutral werden kann.» In der Hafenstadt soll nach seinen Angaben auch ein Terminal für «grünen» Ammoniak entstehen.

Im niedersächsischen Wilhelmshaven und in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern liegen bereits Terminalschiffe fest. Auf der niedersächsischen Elbseite in Stade wird gerade mit den ersten Arbeiten begonnen.

Die 294 Meter lange und 46 Meter breite «Höegh Gannet» soll in Brunsbüttel Flüssiggas von Tankern aufnehmen und wieder in den gasförmigen Zustand umwandeln, um es in die Leitungen zu transportieren, bevor das feste Terminal arbeitsfähig sein wird. Im laufenden Jahr sollen mit Hilfe des Spezialschiffs 3,5 Milliarden Kubikmeter Gas in das Netz eingespeist werden und ab Fertigstellung einer langen Anbindungsleitung 7,5 Milliarden. Das stationäre Terminal soll 2026 fertig sein.

Alle Redner betonten, dass der Blick über das Flüssiggas hinausreiche. Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Tobias Goldschmidt (Grüne) hatte bereits gefordert, dass die Anlagen für das künftige Terminal an Land gleich so geplant werden müssten, dass sie für Ammoniak vorbereitet sind.

Ammoniak spielt bei der Umstellung auf eine Energieversorgung auf Basis von Wasserstoff eine wichtige Rolle. Wasserstoff soll künftig weltweit mit Strom aus regenerativen Quellen erzeugt werden. Die aus Wasserstoff und Stickstoff bestehende Verbindung Ammoniak ist beim Transport leichter zu handhaben als Wasserstoff, stellt aber höhere Ansprüche an die Infrastruktur als LNG.

Die Umweltverbände BUND und Nabu forderten, die Planungen für LNG-Terminals zu reduzieren. Diese seien angesichts des nötigen Ausstiegs aus den fossilen Energien überdimensioniert. Habeck widersprach: Mit den drei jetzt installierten schwimmenden Terminals könnten von den 55 Milliarden Kubikmeter Gas, die früher pro Jahr aus Russland kamen, gerade 14 Milliarden Kubikmeter ersetzt werden. Im nächsten Jahr sollen über drei weitere Schiffe noch einmal 15 bis 20 Milliarden Kubikmeter Kapazität dazukommen. «Wo da die Überkapazität ist, soll mir mal einer erklären.» Es werde auch in der Zukunft immer einen Bereich geben, in dem eine gasförmige Energieversorgung nötig sei. Das solle langfristig mit den sogenannten grünen Molekülen geschehen.

© dpa ⁄ Sönke Möhl, dpa
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