Wilhelmshaven bekommt weiteres Terminal für Flüssigerdgas

Importe von Flüssigerdgas sollen helfen, die Energieversorgung Deutschlands zu sichern, wenn russische Gaslieferungen ausbleiben. Doch noch fehlt die Infrastruktur. Das ändert sich allmählich - vor allem an der Nordseeküste.
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) gibt eine Pressekonferenz. © Kay Nietfeld/dpa

Wilhelmshaven bekommt ein weiteres schwimmendes Terminal zur Anlandung von Flüssigerdgas (LNG) - es wird das fünfte vom Staat gemietete LNG-Terminal bundesweit. Das hat das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag in Berlin mitgeteilt. In Betrieb gehen soll es im übernächsten Winter, also 2023/2024. Parallel dazu soll auch dort die Perspektive zur Anlandung von «grünem» Wasserstoff geschaffen werden, der mit Hilfe von Ökostrom produziert wird.

«Mit dem Import von Flüssigerdgas machen wir uns unabhängiger von Importen russischen Pipelinegases», sagte Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). «Gleichzeitig bauen wir parallel die Anlandung von grünen Wasserstoff auf und machen Wilhelmshaven so zu einem wichtigen Anlandepunkt für sichere und nachhaltige Energie in Europa.»

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) betonte, das Land nehme dabei eine führende Rolle ein. Denn neben den beiden Terminals in Wilhelmshaven soll auch in Stade ein LNG-Terminal entstehen. «Alle LNG-Terminals in Niedersachsen sind gleichzeitig auch tauglich für künftige Wasserstoffimporte. Das wird eine wesentliche Grundlage vor allem für die Energieversorgung unserer Industrie sein», sagte Weil.

Der Energieminister des Landes, Olaf Lies (SPD), sagte: «Wir beweisen hier derzeit nicht nur, dass wir in der Lage sind, innerhalb kürzester Zeit die notwendige Infrastruktur zu planen, zu genehmigen und zu bauen. Wilhelmshaven bietet auch die entsprechende Leitungskapazität, die wir brauchen, um das Gas ins deutsche Netz einzuspeisen.»

Angesichts zunehmend ungewisser russischer Erdgaslieferungen treibt die Bundesregierung den Import von Flüssiggas seit einigen Monaten stark voran. Bislang fehlen aber die benötigten Terminals. LNG wird mit minus 162 Grad tiefgekühlt, flüssig per Schiff transportiert, angelandet, erwärmt, regasifiziert und dann in die Netze eingegeben.

Das Spezialschiff, das der Bund für den Standort Wilhelmshaven neu anmietet, hat laut Ministerium eine Kapazität von mindestens 5 Milliarden Kubikmeter pro Jahr und soll im vierten Quartal des kommenden Jahres in Betrieb gehen, also zwischen Oktober und Dezember. Der Eigentümer, das Unternehmen Excelerate, soll das Schiff demnach gemeinsam mit einem Konsortium aus Tree Energy Solutions (TES), Eon Green Gas und Engie betreiben.

Das schwimmende Terminal werde zwar für fünf Jahre gechartert, aber nur so lange betrieben werden, bis das Wasserstoff-Terminal an den Start gehe, sagte Habeck. Dies solle nach Angaben des Konsortiums voraussichtlich im Laufe des Jahres 2025 der Fall sein, so sein Ministerium.

Bislang waren vier staatlich gecharterte LNG-Terminals geplant. Zwei schwimmende Anlagen - in Wilhelmshaven und in Brunsbüttel - sollen zum Jahreswechsel mit einer Leitungsanbindung zum Weitertransport in Betrieb gehen. Im kommenden Winter sei hier eine Kapazität von im Schnitt mindestens 3,5 Milliarden Kubikmeter pro Schiff und Jahr möglich, so das Ministerium. Nach Bau und Inbetriebnahme einer neuen, 55 Kilometer langen Gasleitung könne die Kapazität von Ende 2023 an pro Schiff auf mindestens 5 Milliarden Kubikmeter im Jahr gesteigert werden.

Diese beiden Terminals - das erste in Wilhelmshaven sowie das in Brunsbüttel - sollen von RWE und Uniper betrieben werden. Um sie vollständig auszulasten, sind auch EnBW und die EnBW-Tochter VNG vom Jahreswechsel 2023/2024 bis Ende März 2024 mit an Bord.

Die schwimmenden Terminals an den Standorten Stade und Lubmin sollen laut Ministerium voraussichtlich von Ende 2023 an zur Verfügung stehen. In Stade wird es von der Hanseatic Energy Hub GmbH betrieben werden, in Lubmin von den Unternehmen RWE und Stena-Power. Die Terminals dort sollen so lange betrieben werden, bis Ersatzanlagen an Land in Betrieb gehen, was 2026 geschehen soll. In Lubmin soll zudem bis Ende 2022 ein weiteres schwimmendes Terminal durch ein privates Konsortium mit einer Kapazität von 4,5 Milliarden Kubikmeter im Jahr entstehen.

© dpa
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