Studie: Mehr Ladesäulen in Städten bauen

21.04.2022 Immer mehr Hamburger fahren ein Elektroauto, aber eine freie Ladesäule zu finden wird schwerer. Eine Studie rät, neue Ladepunkte vor allem in Ballungsräumen zu schaffen. Die Hansestadt macht das bereits - und bittet die Autofahrer zur Kasse.

Ein Elektroauto wird an einer Ladesäule geladen. © Sven Hoppe/dpa/Archivbild

Der Mangel an Ladepunkten hält nach einer neuen Studie viele Hamburger vom Kauf eines Elektroautos ab. Mehr als die Hälfte der befragten Haushalte - 56,3 Prozent - nannte in einer am Donnerstag vorgelegten Untersuchung der staatlichen KfW-Förderbank diesen Hinderungsgrund. Und das, obwohl die Hansestadt überdurchschnittlich gut mit Ladepunkten versorgt ist.

Bei der Ausbreitung der E-Mobilität ist die Hansestadt insgesamt deutlich weiter als der Bundesschnitt. 3,4 Prozent aller Pkw in Hamburg sind nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) E-Autos. Der deutschlandweite Durchschnitt liegt bei 2,4 Prozent. Auch beim Verhältnis von öffentlichen Ladepunkten je Elektroauto steht Hamburg besser da als der Bundesdurchschnitt: Rund 19,2 Elektroautos müssen sich statistisch einen Ladepunkt teilen, in ganz Deutschland sind es 23 Fahrzeuge.

Nach Senatsangaben waren am 1. Januar dieses Jahres 13 604 reine Elektrobatterieautos und 14 483 von außen aufladbare Hybridwagen zugelassen. Damit machten die auf Ladepunkte angewiesenen E-Autos knapp 3,5 Prozent der insgesamt zugelassenen 807 618 Pkw aus.

Die KfW-Bank präsentierte Ergebnisse ihres Energiewendebarometers, zu dem repräsentativ 4000 Haushalte befragt worden seien. In Großstädten ist der Bedarf an öffentlichen Ladepunkten demnach größer als in ländlichen Regionen. Dort hätten zwischen 34 und 38 Prozent der Befragten angegeben, ein Auto grundsätzlich auch auf einem privaten Stellplatz laden zu können. In den Großstädten könnten das nur 19 Prozent. Deshalb sollte der Ausbau der Ladepunkte künftig vorrangig in Ballungsräumen erfolgen.

Die KfW verwies darauf, dass in den vergangenen zwei Jahren die Zahl der Elektroautos dreimal stärker gewachsen sei als die Lademöglichkeiten. «Setzt sich dieser Trend fort, könnte dies für die Praxistauglichkeit der Elektromobilität zum Problem werden,» erklärte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. Nur wenn der wachsende Ladebedarf erfüllt werde, könnten stärkere Anreize zum Umstieg auf die Elektrotechnologie gegeben werden, um so die Klimaziele für den Verkehrssektor zu erreichen.

Beim Ausbau der Ladeinfrastruktur habe Hamburg lange Zeit eine Pionierstellung gehabt, sagte der Sprecher des ADAC Hansa, Christian Hieff. Der Vorsprung bröckele aber. Die Zahl der E-Autos wachse schneller als die der Ladesäulen. Die Hansestadt zählte nach Angaben des Senats Ende vergangenen Jahres 1450 öffentlich zugängliche Ladepunkte. Davon wurden 1065 von der städtischen Stromnetz Hamburg GmbH betrieben. Diese Ladepunkte fanden sich an 531 Ladesäulen. Bis zum Jahr 2025 will die Stadt jährlich rund 100 neue Säulen - entsprechend 200 Ladepunkten - errichten. Hinzu kämen weitere öffentlich zugängliche Lademöglichkeiten privater Betreiber an Supermärkten und Tankstellen.

Der Bau einer normalen Ladesäule bis 22 Kilowatt Wechselstrom kostet 22.000 Euro. Eine Gleichstrom-Schnellladesäule (bis 50 kW) erfordert eine Investition von 47.000 Euro, ein sogenannter High Power Charger mit bis zu 150 kW schlägt mit 74.000 Euro zu Buche. Der Senat räumte im Februar auf eine kleine Anfrage der CDU-Bürgerschaftsfraktion ein, dass rund 30 Schnellladesäulen entweder kaputt oder nur eingeschränkt nutzbar seien. Einige sollen im zweiten Halbjahr durch High Power Charger ersetzt werden.

Auch wer mit Strom fährt, muss demnächst aber deutlich mehr für seine Mobilität bezahlen. Der städtische Anbieter Hamburg Energie erhöht zum 1. Mai den Preis für eine Kilowattstunde von 29,5 auf 49,9 Cent. Grund für die Anhebung ist neben höheren Großhandelspreisen für Strom ein Nutzungsentgelt der Stadt: Seit Jahresanfang kassiert Hamburg 12 Cent pro Kilowattstunde an einer normalen Ladesäule und 20 Cent an einer Schnellladesäule. Zuvor wurde diese Gebühr nicht erhoben.

ADAC-Sprecher Hieff rechnete vor, dass der Fahrer eines Elektro-Golf ID.3 bei einem Verbrauch von 20 Kilowattstunden auf 100 Kilometer mit etwa 10 Euro an Stromkosten für diese Strecke rechnen müsse. Damit fahre er noch günstiger als mit einem Dieselfahrzeug, für den der Verbrauch im Schnitt mit 7 Litern angegeben werden. Allerdings umfasse die Dieselflotte in Deutschland vor allem große und leistungsstarke Autos, kleinere Dieselautos könnten sparsamer sein.

Obwohl es Gründe für die Preiserhöhung gebe, halte er sie für ein schlechtes Signal an die E-Auto-Fahrer, sagte Hieff. «Ich kann mich nicht darauf verlassen, dass ich günstiger unterwegs bin.» Ein solcher Preissprung werfe die Frage auf, ob sich der Kauf eines E-Autos wirklich lohne.

© dpa

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