Krieg erhöht Gefahr von Cyberattacken auf Stromnetz

Die Hackerangriffe auf das Hamburger Stromnetz steigen seit 2020 ohnehin deutlich an. Nun kommt noch der russische Angriffskrieg in der Ukraine hinzu, der die Sorge vor Cyberangriffen auf die kritische Infrastruktur noch einmal erhöht.
Ein Wechselstromzähler zeigt den aktuellen Zählerstand in Kilowattstunden in einem Haushalt an. © Hauke-Christian Dittrich/dpa/Symbolbild

Wegen des Kriegs in der Ukraine hat Hamburgs städtische Stromnetzgesellschaft ihre Wachsamkeit gegen Cyberangriffe noch einmal erhöht. Bislang habe es in diesem Zusammenhang noch keine konkreten Angriffe gegeben, «aber wir sind natürlich als Betreiber kritischer Infrastruktur äußerst sensibel», sagte Geschäftsführer Thomas Volk am Mittwoch bei der Präsentation des Geschäftsberichts 2021. Generell verzeichne der Netzbetreiber bereits deutlich mehr Angriffe. So habe es allein im ersten Quartal schon 111 Sicherheitsmeldungen an das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gegeben - 27 mehr als im ganzen Jahr 2019. Für das gesamte Jahr 2022 rechnet Stromnetz Hamburg mit mehr als 400 Meldungen - nach 313 im vergangenen Jahr.

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine habe inzwischen auch Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb. «Im Wesentlichen betrifft das Baustoffe, Kabelei und Zubehör sowie Transformatoren», sagte Volk. Auf der einen Seite stünden deutlich höhere Kosten und auf der anderen Lieferprobleme, auch weil bestimmte Unternehmen etwa wegen russischer Vorlieferanten nicht mehr beauftragt werden könnten. Kritisch sei auch, dass derzeit keine vernünftigen Vorhersagen getroffen werden könnten. «Aktuell haben wir aber noch keine Einschränkungen bei unseren Bauaktivitäten», sagte Volk.

Stromnetz Hamburg geht in Zukunft von deutlich steigenden Strommengen aus. Geschäftsführerin Karin Pfäffle nannte dabei unter anderem die steigende Anzahl von Wärmepumpen als Ersatz etwa für Gasheizungen, mehr Photovoltaikanlagen und den Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge. Zudem benötige die Industrie für Wärmenetze und Produktionsprozesse mehr Energie. Gleiches gelte für Elektrolyseanlagen zur Produktion von Wasserstoff, sagte Pfäffle. Entsprechend dominierten weiter hohe Investitionen die kommenden Geschäftsjahre.

Insgesamt seien seit 2016 bereits 1,2 Milliarden Euro in das Stromverteilungsnetz investiert worden, allein im vergangenen Jahr seien es rund 273 Millionen Euro gewesen - gut 45 Millionen Euro mehr als im Jahr 2020, sagte Pfäffle. Der Umsatz sei im vergangenen Jahr um knapp 34 Millionen Euro auf rund 928 Millionen Euro gestiegen. Der an die Stadt abgeführte Gewinn sank jedoch wegen der hohen Investitionen von 92,3 Millionen auf nun 52,8 Millionen Euro.

Die Stadt hat das Stromnetz nach einem Volksentscheid rückwirkend zum 1. Januar 2014 wieder komplett vom Versorger Vattenfall übernommen und dafür mehr als 610 Millionen Euro gezahlt. Seither seien an Gewinnen insgesamt gut 344 Millionen Euro an die Stadt geflossen, sagte Pfäffle. Forderungen der Linken, die Gewinne «für eine soziale Ausgestaltung der Energiepreise der anderen Hamburgischen Energieunternehmen zu verwenden», lehnte Aufsichtsratschef und Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) ab.

Die Stadt müsse viele teure Dienstleistungen zur Verfügung stellen, die teilweise quersubventioniert werden müssten, sagte Kerstan. Er verwies etwa auf die Bäderland GmbH, die mit ihren Frei- und Hallenbädern, regelmäßig Verluste mache. «Da ist ein Unternehmen, das Gewinn abführt, schon ganz sinnvoll, weil die Kinder wollen auch Schwimmen lernen», sagte Kerstan. Die Frage nach einer Rückgabe von Gewinnen städtischer Unternehmen an die Kunden sei zwar berechtigt, doch dann müsste die Stadt zur Finanzierung der defizitären Betriebe die Steuern erhöhen. Da habe dann auch keiner etwas davon, sagte Kerstan.

Rechnerisch gab es im vergangenen Jahr in Hamburg pro Kunde einen Stromausfall von 10,2 Minuten - nach 9,5 Minuten im Jahr 2020 und 9,1 Minuten im Jahr 2019. Das sei im Bundesvergleich ein sehr guter Wert, sagte Volk. Ziel sei, stets unter 12 Minuten zu bleiben, was bei 30.000 Kilometern Kabel durchaus eine Herausforderung sei.

© dpa
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