Zehn Jahre Jugendberufsagentur: Scholz zur Feier erwartet

Schule beendet - und dann? In Hamburg kümmern sich seit nunmehr zehn Jahren Jugendberufsagenturen unter einem Dach um alle Zukunftsfragen der Jugendlichen. Niemand darf verloren gehen, alle werden gebraucht, lautet das Credo. Zum Gratulieren wird nun Kanzler Scholz erwartet.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). © Michael Kappeler/dpa/Archivbild

Großer Bahnhof für Hamburgs Jugendberufsagenturen: Zehn Jahre nach Gründung der ersten Einrichtung, die Schulabgängern beim Übergang in Ausbildung und Beruf helfen soll, hat sich am Freitag Bundeskanzler Olaf Scholz in der Hansestadt angekündigt. Mit ihm zusammen wollen unter anderem Bürgermeister Peter Tschentscher, Arbeits- und Sozialsenatorin Melanie Leonhard, Schulsenator Ties Rabe (alle SPD) sowie die Spitzen der Jugendberufsagentur-Partnerinnen und Partner den Erfolg jener Einrichtung feiern, die in Hamburg als erstem Bundesland flächendeckend eingerichtet wurde. Inzwischen gibt es in ganz Deutschland zahlreiche Jugendberufsagenturen, die bundesweit erste wurde bereits 2008 in Mainz gegründet.

Vor Gründung der Jugendberufsagentur mussten sich Schulabgänger bei Fragen zu ihrem Weg in Ausbildung und Beruf bei den unterschiedlichsten Stellen informieren, dafür oft mehrfach quer durch die Stadt fahren und die einzelnen Angebote am Ende allein zu einem Fahrplan für ihre Zukunft zusammenführen. Etlichen gelang das nicht, sie scheiterten an der Bürokratie, waren überfordert, gaben auf, landeten in Aushilfsjobs - um dann ohne Ausbildung dem regulären Arbeitsmarkt irgendwann gänzlich verloren zu gehen.

2012 hat sich Hamburg unter dem damaligen Bürgermeister Scholz auf den Weg gemacht, dies zu ändern. Zunächst wurden im September in Hamburg-Mitte und in Hamburg-Harburg die ersten beiden Jugendberufsagenturen eröffnet, im Dezember 2013 folgte dann in Hamburg-Bergedorf die letzte der insgesamt sieben Einrichtungen in den sieben Bezirken. Seither erhalten alle Hamburgerinnen und Hamburger unter 25 Jahren Beratung, Unterstützung und Begleitung beim Übergang von der Schule in Ausbildung, Studium und Beruf - und zwar jeweils unter einem Dach.

«Wir wollen Jugendliche nach dem Ende ihrer Schullaufbahn begleiten, bis sie eine konkrete Berufsperspektive haben - mit abgeschlossener Ausbildung oder mit erfolgreich beendetem Studium», sagte Hamburgs damaliger Bürgermeister Scholz bei der Eröffnung der ersten Jugendberufsagentur. Jede und jeder Einzelne sei wichtig, auch dann, wenn es an der nötigen Eigeninitiative zunächst fehle. «Dann helfen wir nach.» Nicht zuletzt die individuelle Unterstützung sei der Sinn der Jugendberufsagentur.

Die Jugendberufsagentur versteht sich als Anlaufstelle für alle Fragen rund um Ausbildung und Studium sowie zur Bewältigung persönlicher oder familiärer Probleme, die den Weg ins Berufsleben beeinträchtigen. Entsprechend arbeiten in ihr nicht nur Arbeitsagentur und Jobcenter zusammen. Partner sind auch die Schul- und Sozialbehörde mit ihren jeweiligen Angeboten. Über den Beirat der Jugendberufsagentur sind den Angaben zufolge auch die Handelskammer, die Handwerkskammer, der DGB und die Unternehmensverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein eingebunden.

Als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im April 2018 die Jugendberufsagentur in Hamburg-Wandsbek besuchte, sagte er, der Anspruch müsse sein: «Keiner darf verloren gehen, jeder und jede wird gebraucht.» In Hamburg könne den jungen Menschen ein Angebot aus einer Hand geschneidert werden, «und das ist der eigentliche Fortschritt und deshalb hat diese Agentur so großen Erfolg». 2014 hatte sich auch die damalige Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) über die Arbeit der Jugendberufsagentur in Hamburg informiert, 2016 der frühere französische Premierminister Jean-Marc Ayrault.

Damit kein Schüler und keine Schülerin nach dem Abschluss durchs soziale Netz fällt, gehört zu den Aufgaben der Schulen und Jugendberufsagenturen auch die Analyse, wo jeder einzelne Jugendliche nach dem Schulabschluss abgeblieben ist. Demnach wechselten im vergangenen Jahr von den 4128 Schulabgängerinnen und -abgängern nach Klasse 10 der Stadtteilschulen 38,5 Prozent direkt in eine Ausbildung. 2,4 Prozent begannen eine Ausbildung in der Berufsqualifizierung der Berufsschulen und 0,1 Prozent gingen in eine außerbetriebliche Ausbildung.

12,6 Prozent wiederum machten etwa ein Freiwilliges Soziales Jahr oder waren unter den Fittichen der Jugendberufsagentur. Weitere 46 Prozent ohne Ausbildungsplatz wechselten in die Ausbildungsvorbereitung an Berufsschulen. Lediglich bei 18 von mehr als 4100 Jugendlichen «war der Verbleib zum Stichtag 15.09.2021 noch nicht geklärt».

© dpa
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