Top ausgestattete Berufsschulen sollen Drang zur Uni bremsen

Es muss nicht immer ein Studium sein - davon ist Hamburgs Schulsenator Rabe überzeugt. Eine solide Berufsausbildung sei mindestens genauso gut, oft sogar besser. Um dies jungen Leuten schmackhaft zu machen, setzt der Senat auch auf top ausgestattete Berufsschulen.
Die Außenaufnahme zeigt den Erweiterungsbau der Beruflichen Schule für Holz, Farbe und Textil. © Daniel Reinhardt/dpa

Hamburgs rot-grüner Senat will dem Drang vieler Schülerinnen und Schüler hin zu den Hochschulen auch mit top ausgestatteten Berufsschulen entgegentreten. «Wir wollen, dass die berufliche Bildung einen anderen Stellenwert bekommt», sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Freitag bei einem Besuch der Beruflichen Schule Holz Farbe Textil in Barmbek. Deshalb wünsche sich der Senat, dass sich junge Menschen nach der Schule ernsthaft fragten, ob eine berufliche Bildung nicht doch etwas Wichtiges und Gutes sei. «Diesen Weg wollen wir begleiten, indem wir schöne Schulen bauen, die einladend sind und Appetit machen auf Berufsbildung.»

Nach Angaben der Schulbehörde hat Hamburg seit 2015 rund 550 Millionen Euro in Neu- und Ersatzbauten sowie die Sanierung von Berufsschulen investiert. Bis 2030 soll diese Summe auf 720 Millionen Euro steigen. Allein an den berufsbildenden Schulen in Barmbek, in Wilhelmsburg (Klimaberufe), in Hamm (E-Commerce) und in Borgfelde (Gastronomie) seien rund 70 Millionen Euro verbaut worden. Die Schülerinnen und Schüler sollten nicht in irgendeinem Hinterhof oder in einem «stillgelegten Aldi» unterrichtet werden, betonte Rabe.

Hamburg schaffe attraktive Lernorte und stärke damit die berufliche Bildung, sagte die Geschäftsführerin des Hamburger Instituts für Berufliche Bildung, Sandra Garbade. «Und das hilft einerseits, dem Fachkräftemangel aktiv entgegenzutreten, aber auch Jugendlichen insbesondere in Krisenzeiten wirklich auch eine Berufsperspektive zu geben», betonte die Chefin aller 30 staatlichen berufsbildenden Schulen in Hamburg.

In Hamburg sind zu Beginn dieses Ausbildungsjahres an den staatlichen Berufsschulen 45.740 Schülerinnen und Schüler in den Unterricht gestartet - etwa 600 weniger als im Jahr zuvor. Dem gegenüber stehen gut 100.000 Studierende an den Hochschulen der Hansestadt. «Ein Viertel bis ein Drittel bricht das Studium erfolglos ab», sagte Rabe. «Und da ist es doch besser, erst einmal eine ordentliche Ausbildung zu machen, von der aus man immer noch studieren kann, wenn man es sich zutraut.» Diese sollten aber auch jenen jungen Menschen eine gute Perspektive geben, «die es in der Schule nicht leicht hatten oder die gerade zugewandert sind, und deshalb natürlich nicht in dem Maße über die entsprechenden Zeugnisse verfügen».

Doch nicht nur der vermehrte Drang junger Leute zu einem Studium, auch die Corona-Pandemie hat den Ausbildungsmarkt getroffen und den Fachkräftemangel erhöht. Besonders deutlich gingen die Neuabschlüsse im Gast- und Verkehrsgewerbe zurück - diese Branchen waren besonders stark von den Corona-Maßnahmen betroffen. Inzwischen ist es nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit zwar wieder etwas besser geworden. Doch die Zahl der vom 1. Oktober 2021 bis August 2022 gemeldeten Ausbildungsplätze lag bundesweit mit 525 600 immer noch um sechs Prozent unterhalb der letzten Vor-Corona-Erhebung 2018/2019.

Gleichzeitig setzte sich der seit 2017/18 kontinuierliche Rückgang bei den Bewerbungen fort, wenn auch nicht mehr ganz so stark, wie die Bundesagentur mitteilte. So hätten seit Beginn des Beratungsjahres 2021 bundesweit rund 408.000 Schulabgänger eine Vermittlung in Anspruch genommen - 12.000 weniger als im Vorjahreszeitraum und 50.000 weniger als 2019.

Von den 45.740 Berufsschülerinnen und -schülern in Hamburg befinden sich den Angaben zufolge 32.410 oder 70,9 Prozent in einer dualen und 3200 oder 7 Prozent in einer schulischen Berufsausbildung, wobei sich allein 1980 junge Frauen und Männer zu einer Sozialpädagogischen Assistenz ausbilden lassen.

In den weiteren staatlichen Bildungsgängen sind die Zahlen laut Schulbehörde ähnlich wie im Vorjahr: 3730 Schülerinnen und Schüler besuchen die Berufsvorbereitung, 1890 junge Menschen streben ihren nächsthöheren Bildungsabschluss am Beruflichen Gymnasium, der Höheren Handelsschule oder der Höheren Technikschule an. Zudem besuchen 3750 junge Menschen die berufliche Weiterbildung an Fachschulen, und 510 wollen nach der Ausbildung an der Fachoberschule oder Berufsoberschule eine Hochschulzugangsberechtigung erwerben.

© dpa
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