Kabinettsbeschluss: Landesmittel für Sprach-Kitas

Die monatelange Ungewissheit ist vorbei: Schleswig-Holstein fördert mit Landesgeld sogenannte Sprach-Kitas, nachdem der Bund seinen Ausstieg verkündet hatte. In diesen Kitas leisten Fachleute in sprachlicher Bildung besondere Hilfe. Die Erleichterung ist nun groß.
Schleswig-Holsteins Familienministerin Aminata Touré. © Frank Molter/dpa/Archivbild

Die sogenannten Sprach-Kitas sollen in Schleswig-Holstein mit Landesmitteln erhalten bleiben. Mit einem entsprechenden Beschluss reagierte das schwarz-grüne Kabinett am Dienstag auf den angekündigten Rückzug des Bundes aus der Förderung. «Nachdem sich der Bund aus der Verantwortung zieht, sichern wir als Land den Fortbestand unserer Sprach-Kitas dauerhaft und nehmen dafür die finanziellen Mittel in die Hand», erläuterte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Der Bund müsse zu seiner Ankündigung stehen, mindestens die Förderung im ersten Halbjahr 2023 sicherzustellen.

Mit dem Haushaltsentwurf will die Landesregierung für 2023 rund 3,5 Millionen Euro einplanen, um den Wegfall des Bundesprogramms ab dem zweiten Halbjahr abzufedern. Ab 2024 sollen die Kitas dann jährlich mit rund 7 Millionen Euro unterstützt werden.

Mit dem Förderprogramm «Sprach-Kitas» wurden die Einrichtungen seit 2016 durch zusätzliche Fachkräfte mit Expertise in der sprachlichen Bildung verstärkt. Der Bund hatte im Sommer das Auslaufen zum Ende dieses Jahres angekündigt.

«Sprach-Kitas werden in Schleswig-Holstein unabhängig von Bundesprogrammen fortan zu einem dauerhaften Bestandteil der frühkindlichen Bildung», sagte Familienministerin Aminata Touré (Grüne) zur Kieler Kabinettsentscheidung vom Dienstag. «Das ist ein Meilenstein und eröffnet insbesondere den zahlreichen engagierten Fachkräften in diesem Bereich eine verlässliche Perspektive.»

Das Land gehe einen Schritt auf den Bund zu, äußerte Finanzministerin Monika Heinold (Grüne). Mit der Kostenübernahme wolle es vor der Konferenz der Ministerpräsidenten am Mittwoch ein klares Zeichen setzen. «Damit verbunden ist unsere Erwartung, dass es bei den anstehenden Themen insgesamt zu einer fairen Lastenverteilung zwischen Bund und Ländern kommt.»

Der Verband Evangelischer Kindertageseinrichtungen zeigte sich erleichtert angesichts der angekündigten Fortführung der Sprach-Kitas mit Landesgeld. «Das lange Pokern zwischen der Landes- und Bundesregierung hat damit ein vorläufiges Ende», sagte Geschäftsführer Markus Potten. «Es war allerhöchste Zeit, dass die Sprach-Kitas im Land eine neue Perspektive bekommen.» Es sei zu hoffen, dass die vielen hochengagierten Sprachfachkräfte so dem Kita-Bereich erhalten bleiben und sich noch nicht umorientiert haben.

Die geplante Höhe der Finanzierung reicht Potten zufolge aus, um den Status Quo vorerst zu erhalten. Angesichts des kürzlich veröffentlichten Bildungstrends sei allerdings zu überlegen, das Programm weiter auszubauen. «Um dem großen Sprachförderbedarf gerecht zu werden, sollten die Mittel dynamisiert, also erhöht werden.»

Die Förderung der Sprach-Kitas durch die Landesregierung sei längst überfällig, befand SPD-Fraktionsvize Sophia Schiebe. Der Bedarf an Sprachförderung in Einrichtungen sei aufgrund der Schließungen wegen der Corona-Pandemie enorm gewachsen. «Die zögerliche Haltung der Landesregierung verwundert umso mehr vor dem Hintergrund, dass Bildungsministerin Prien erst vor kurzem noch öffentlichkeitswirksam auf die Probleme beim Sprachstand vieler Kinder hingewiesen hat.»

Ministerin Touré habe in letzter Minute die Kurve bekommen, meinte ihr Vorgänger Heiner Garg. «Wir haben in den vergangenen Wochen mehrfach aufgezeigt, dass und wie man die Sprach-Kitas retten sollte und freuen uns, dass unsere Vorschläge nun umgesetzt werden.» Ein Aus der Sprach-Kitas wäre angesichts des miserablen Abschneidens Schleswig-Holsteins beim jüngsten Bildungstrend äußerst fahrlässig gewesen, sagte Garg.

© dpa
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