Studie: Im Norden fehlen 18.000 Kita-Plätze

Zu wenig Kita-Plätze, zu wenig Personal - der Norden hat hier nach Analysen der Bertelsmann Stiftung weiterhin viel nachzuholen. Um den Betreuungsbedarf kindgerecht zu decken, wären enorme Mehrausgaben erforderlich. Die Ministerin sieht sich in ihrem Weg bestätigt.
Jacken und Rucksäcke hängen in einer Kita im Flur. © Caroline Seidel/dpa/Symbolbild

In Schleswig-Holstein werden im nächsten Jahr nach Berechnungen der Bertelsmann Stiftung bis zu 18.000 Kita-Plätze fehlen, um den Betreuungsbedarf der Eltern zu erfüllen. Um deren Nachfrage zu decken, müssten demnach - theoretisch - zusätzlich 4500 weitere Fachkräfte eingestellt werden. Dies würde jährlich Mehrkosten beim Personal von rund 210 Millionen Euro verursachen, wie aus dem am Donnerstag vorgelegten Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme der Stiftung hervorgeht. Betriebs- und mögliche Baukosten für die neuen Kita-Plätze kämen hinzu.

Der Ausbaubedarf sei abhängig von den Altersgruppen unterschiedlich, hieß es. So liege die Quote der betreuten Kinder unter drei Jahren mit 35 Prozent deutlich unter dem Betreuungsbedarf von 51 Prozent. Um diese Lücke zu schließen, würden zusätzlich 11.000 Kita-Plätze benötigt. Bei Kindern ab drei Jahren sei die Lücke mit 8 Prozentpunkten geringer. Hier fehlten damit 7100 Plätze. Um 2023 ausreichend Plätze mit kindgerecht viel Personal zu haben, müssten der Stiftung zufolge sogar 9000 Fachkräfte zusätzlich her. Das entspräche Personalkosten von über 407 Millionen Euro jährlich.

Die Zahlen belegten, dass Schleswig-Holstein den bundesgesetzlich verankerten Rechtsanspruch auf einen Platz in der Kindertagesbetreuung auch bis 2023 nicht für jedes Kind mit Betreuungsbedarf der Eltern einlösen könne, hieß es. «Das ist in doppelter Hinsicht untragbar: Die Eltern werden bei der Betreuung ihrer Kinder nicht unterstützt, während Kindern ihr Recht auf professionelle Begleitung in ihrer frühen Bildung vorenthalten wird», kommentierte Bertelsmann-Expertin Kathrin Bock-Famulla.

Auch im nächsten Jahr würden viele Familien Schwierigkeiten bei der Betreuung ihrer Kinder haben, resümierte sie. «Schon das fehlende Personal für den notwendigen Platzausbau ist bis 2023 nicht zu gewinnen und zu qualifizieren.» Nur durch eine Kombination von Maßnahmen könne es gelingen, die Lücke an Fachkräften Schritt für Schritt zu verringern. Eltern sollten durch familienpolitische Maßnahmen unterstützt werden, wenn sie aufgrund fehlender Kita-Plätze finanzielle oder berufliche Probleme bekommen. Kurzfristig müsste in den Kitas die Überlastung des Personals verringert werden, etwa mit zusätzlichen Mitarbeiterinnen in Hauswirtschaft und Verwaltung. Dies deckt sich mit Plänen von Sozialministerin Aminata Touré (Grüne).

Aus deren Sicht zeigt die Studie, dass ihre Strategie zur Fachkräftesicherung richtig ist. Das Land sei auf einem guten Weg, den qualitativen und quantitativen Ausbau der frühkindlichen Bildung und Betreuung voranzutreiben. «Unser klares Ziel ist, dass der Personalschlüssel langfristig weiter angehoben wird, um die Qualität der pädagogischen Arbeit in den Kindertageseinrichtungen sicherstellen zu können und natürlich auch, um dem Betreuungsbedarf im Land gerecht zu werden.» Hierfür müssten neue Fachkräfte gewonnen und die bereits Tätigen entlastet werden.

Die Studie zeige auch, dass noch viel zu tun ist, meinte Touré. «Nichtsdestotrotz zeigen die verbesserten Ergebnisse, beispielsweise der gestiegene Anteil der Kinder, die in Gruppen mit kindgerechtem Personalschlüssel betreut werden, auch, dass wir uns in Schleswig-Holstein auf einem richtigen Weg befinden.»

«Die Landesregierung muss alle Kraftanstrengungen unternehmen, um dem Fachkräftemangel in den Kitas zu begegnen», meinte Ex-Minister Heiner Garg (FDP). «Der von Aminata Touré angekündigte Schritt, Quereinsteiger und sozialpädagogische Assistentinnen und Assistenten in Leitungsfunktionen zu bringen, ist aber falsch und bewirkt letztlich genau das Gegenteil.» Wer den Personalmangel mit einer Senkung der Kita-Qualität bekämpfen wolle, sei auf dem Holzweg. «Krampfhaft ungelernte Hilfskräfte einzustellen, nur damit der Betreuungsschlüssel stimmt, löst das Problem nicht, sondern schafft nur neue.»

Die Landesregierung müsse alles dafür tun, dass der Rechtsanspruch auf Kita-Betreuung umgesetzt werden kann, forderte die SPD-Landtagsabgeordnete Sophia Schiebe. Zudem müssten außer neuen Kita-Gebäuden auch dringend notwendige Fachkräfte gefunden werden.

Auch der Verband Evangelischer Kindertageseinrichtungen - er vertritt 600 Kitas im Land mit zusammen 39.000 Plätzen - verlangte eine entschlossene Fachkräfteoffensive. Der Handlungsbedarf sei groß, sagte Geschäftsführer Markus Potten. «Wir brauchen schnell eine vergütete und flexibilisierte Ausbildungsstruktur für pädagogische Fachkräfte, um den altersbedingten Weggang von Fachkräften ausgleichen zu können.»

© dpa
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