Deutlich weniger Wohnungen in Schleswig-Holstein gebaut

16.05.2022 Der Norden braucht dringend mehr Wohnungen, aber die Zahl der Neubauten sinkt. Die Wohnungswirtschaft kennt Gründe dafür - und die Gewerkschaften leiten politische Forderungen ab.

Blick auf die Fassaden von Wohnhäusern. © Nicolas Armer/dpa/Symbolbild

Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen ist in Schleswig-Holstein 2021 deutlich gesunken. Insgesamt seien 12.636 neue Wohnungen fertiggestellt worden, teilte das Statistikamt Nord am Montag mit. Das seien 1441 beziehungsweise 10,2 Prozent weniger als 2020. Die durchschnittliche Wohnungsgröße fiel mit 96,4 Quadratmetern nahezu unverändert aus (2020: 96,9).

In neuen Gebäuden entstanden 11.777 der Wohnungen. Weitere 859 Wohnungen wurden durch Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden geschaffen. Die meisten neuen Wohnungen gab es laut Statistikamt in den Kreisen Rendsburg-Eckernförde, Pinneberg und Segeberg.

Etwas mehr als die Hälfte (6294) der neuen Wohnungen befand sich demnach in Mehrfamilienhäusern mit mindestens drei Wohnungen. In neu gebauten Ein- und Zweifamilienhäusern entstanden weitere 5187 Einheiten. Hinzu kamen 224 Wohnungen in Wohnheimen und 72 in neuen Nichtwohngebäuden wie Büro- und Betriebsgebäuden.

«Die Zahlen sind nicht gut, kommen aber nicht wirklich überraschend», kommentierte der Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Andreas Breitner. «Die Corona-Pandemie hat Lieferketten beeinträchtigt und auf den Baustellen für komplizierte Bedingungen gesorgt.» Dass weniger Wohnungen fertiggestellt wurden, sei die logische Folge. Allerdings habe sich der Rückgang der Fertigstellungszahlen mit deutlich gestiegenen Baukosten bereits vor der Corona-Pandemie angedeutet.

Für soziale Vermieter werde es wegen der starken Kostenanstiege immer schwerer, weil sie diese Kosten nicht auf die Mieter umlegen könnten und wollten. «Wir erleben, dass mehr und mehr Unternehmen geplante Vorhaben zurückstellen und sich auf die Instandhaltung bestehender Objekte konzentrieren», sagte Breitner.

Die Landesregierung in Kiel habe mit der Erhöhung der Förderung des Baus von Sozialwohnungen von 600 auf 1000 Euro pro Quadratmeter einen wichtigen Schritt unternommen, um den jüngsten Preisanstieg abzufedern. «Das wird zumindest sicherstellen, dass in der Planung weit fortgeschrittene Projekte auch umgesetzt werden.» Jetzt müssten Bund und den Kommunen dafür sorgen, dass höhere energetische Standards und überhöhte Auflagen ausgeschlossen werden.

«Es zeigt sich einmal mehr, dass der Markt allein es nicht richtet», meinte die Vorsitzende des DGB Nord, Laura Pooth, angesichts der gesunkenen Fertigstellungszahlen. «Deswegen muss die künftige Regierung in Schleswig-Holstein mit einer eigenen Landeswohnungsbaugesellschaft selbst für bezahlbaren Wohnraum sorgen.» Für eine Entlastung der Mieter sei auch die Begrenzung der Mietanstiege durch die Wiedereinführung von Mietpreisbremse und Kappungsgrenzenverordnung dringend erforderlich.

Diese Forderungen stehen auch im Landtagswahlprogramm der Grünen, mit denen Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) am Dienstag ein erstes Sondierungsgespräch zur Bildung einer neuen Landesregierung führt.

© dpa

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