«Glück gehabt»: Gute Getreideernte im Norden

Prima Ernte, gute Erzeugerpreise, hohe Kosten, unklare Perspektiven - Lage und Aussichten der Landwirtschaft sind differenziert. Zahlen bei Getreide und Raps lassen den neuen Minister strahlen, aber von seinem Bauernpräsident-Nachfolger hört er mahnende Worte.
Getreide reift auf einem Feld. © Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Die Bauern im Norden freuen sich über eine gute Ernte. Nach Angaben des Statistikamtes vom Donnerstag ist mit 2,6 Millionen Tonnen Getreide zu rechnen, fünf Prozent mehr als 2021. 1,4 Millionen Tonnen Weizen bedeuten zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Bei Winterweizen liegen die Erträge mit 92,2 Dezitonnen je Hektar um vier Prozent über Vorjahresniveau und um fünf Prozent über dem langjährigen Mittel. Auch die Rapserste ist überdurchschnittlich. Für Körnermais gibt es noch keine Zahlen, denn die Maisernte steht noch aus.

«Vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts und möglicher Nahrungsmittelknappheit bin ich froh, dass wir in Schleswig-Holstein auf eine gute Erntebilanz in diesem Jahr blicken können», sagte Landwirtschaftsminister Werner Schwarz (CDU) in Schinkel (Kreis Rendsburg-Eckernförde) bei einer Pressekonferenz auf Gut Rosenkrantz. Dort wird seit dem 14. Jahrhundert Landwirtschaft betrieben, wie Hausherr und Ökobauer Tilmann von Münchhausen sagte.

«Wir haben wirklich Glück gehabt», meinte Schwarz. Trotz Trockenheit habe es anders als in Brandenburg oder Sachsen-Anhalt keine Extreme gegeben. «Da sind wir wirklich im Paradies.» Die Ernte sei reibungslos verlaufen, Trocknungskosten seien kaum angefallen.

Aber auch hier müsse die Landwirtschaft widerstandsfähiger gegen den Klimawandel werden, sagte Schwarz. Auch hiesigen Landwirten machten Starkregen, Hagel und Hitze zu schaffen. «Umso wichtiger ist es, dass sich landwirtschaftliche Betriebe intelligent und zukunftsorientiert aufstellen.» Das Land helfe unter anderem mit dem Aufbau eines Kompetenzzentrums für klimaeffiziente Landwirtschaft.

Die Rapsernte fiel mit 324.500 Tonnen um 43 Prozent höher aus als im Vorjahr. Der langjährige Schnitt wird um 21 Prozent übertroffen. Grund ist nach dem Rekordtief 2021 die Erweiterung der Anbaufläche um 20 Prozent auf 74.700 Hektar. Der Ertrag stieg auf 43,4 Dezitonnen je Hektar. Das sind 18 Prozent mehr als im Vorjahr und 23 Prozent mehr als der langjährige Durchschnitt.

Bei der Ernte half den Landwirten das sommerliche Wetter. Jetzt hoffen sie auf Regen für Mais, Rüben, Gemüse und die Rapsaussaat. Regen steht für die nächsten Tage auch in Aussicht.

Bei Mais wird eine Durchschnittsernte erwartet. Die Anbaufläche sank um acht Prozent auf 164.000 Hektar. Wegen guter Preise war im Herbst mehr Raps bestellt worden, im Frühjahr mehr Sommerweizen und -gerste. Mais dient fast nur der Rinderfütterung und der Erzeugung von Biogas.

Die Getreide- und Rapsernte konnte trocken eingefahren werden. Die Qualität ist überwiegend gut. Die Erzeugerpreise sind deutlich höher als im Vorjahr, aber nicht mehr auf dem Rekordniveau wie vor Monaten. Andererseits sind Kosten für Diesel und Dünger stark gestiegen.

Die deutschen Bauern holten insgesamt mehr Getreide von den Feldern als 2021, aber weniger als im Schnitt vergangener Jahre. Vor allem die Mitte Deutschlands trafen Dürreschäden wegen langer Trockenheit.

Für den Norden zog Landwirtschaftskammer-Präsidentin Ute Volquardsen dieses Fazit: «Der Regen kam in der Wachstumsphase immer noch rechtzeitig und auch die Sonne war in der richtigen Dosierung vorhanden. Kombiniert mit unseren fruchtbaren Böden, konnten vielerorts gute Erträge und Qualitäten eingefahren werden». Es gebe aber viele Unsicherheiten mit Ukraine-Krieg, steigenden Preisen für Dünger, schwachem Euro, Preisschwankungen und Ersatzteilmangel.

Bauernverbandspräsident Klaus-Peter Lucht beklagte, deutsche Umwelt-Auflagen gingen über EU-Vorgaben hinaus. «Das hat unsere Wettbewerbsfähigkeit sehr geschwächt.» Dies habe den Strukturwandel befeuert, also das Höfesterben. «Das kann grundsätzlich nicht so weitergehen.» Das agrarpolitische System sei weit über das Ziel hinausgeschossen, überfordere Verwaltung und Bauern. Hier müsse sich etwas ändern, sagte Lucht mit Blick auf den Minister, der vor ihm Bauernpräsident war. Bauern wollten Lebensmittelsicherheit gewährleisten und etwas für das Klima tun. «Aber, und das sage ich ganz deutlich: Die Landwirtschaft muss dafür einen gerechten Preis bekommen.»

© dpa
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