Bauernverband verlangt mehr Hilfe für Schweinehalter

Sie kassieren mehr für Getreide, müssen aber für Energie und Dünger mehr zahlen: Unterschiedlich treffen die Preisexplosionen die Landwirte. Prekär sei die Lage für Schweinehalter, sagt der Bauernverband und sieht Politik und Verbraucher in der Pflicht.
Werner Schwarz, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, gestikuliert. © Axel Heimken/dpa/Archivbild

Der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, Werner Schwarz, fordert von Politik und Verbrauchern mehr Unterstützung für die Schweinehalter. «Man versucht uns ja glauben zu machen, dass durch ein Tierwohl-Label alles besser wird - das sehe ich überhaupt nicht», sagte der Präsident des schleswig-holsteinischen Landesbauernverbandes der Deutschen Presse-Agentur. Schwarz verwies auf die gestiegenen Kosten für Futter und sinkenden Konsum. «Wir haben keine Verbesserung bei der Schweinehaltung. Die Zahl der Betriebe nimmt weiter deutlich ab, ganz besonders bei den Sauenhaltern, also den Ferkelerzeugern.»

Hier sei die Zahl der Betriebe in Schleswig-Holstein mit 180 bis 190 erstmals unter 200 gesunken. Noch vor einem halben Jahr seien es um 250 gewesen. «Der Rückgang ist wirklich rapide», sagte Schwarz. Die Schweinehalter bräuchten eine Perspektive. Zum einen gehe es darum, das Tierwohl weiterzuentwickeln, um den Anforderungen der Gesellschaft nachzukommen. «Das erachten wir auch für sehr wichtig.» Es müsse aber eine klare Regelung für Umbaukonzepte für die Haltung und eine verlässliche Finanzierung geben.

«Das heißt nicht, dass wir unbedingt Subventionen benötigen, aber wir können nicht nach hohen Standards produzieren und keinen Absatz mehr haben», erläuterte Schwarz. «Es muss eine Bereitschaft in der Gesellschaft geben, diese Waren auch zu kaufen.» Leider gebe es einen Abnahmestau, da viele Verbraucher die günstigste Ware kauften. Wenn das Geld knapp sei, sei es verständlich, wenn man sich günstig ernähren wolle und nicht nach den höchsten Standards.

«Wenn wir erhöhte Auflagen bekommen, darf es keine Verlagerungseffekte geben», forderte Schwarz. Die Produktion dürfe nicht abwandern und unter geringeren Anforderungen im Ausland ablaufen. «Es darf nicht sein, dass wir dann keine Schweine mehr in Deutschland haben und die dann in Rumänien oder Brasilien unter Standards produziert werden, die hier nicht mehr vertretbar wären.» Dies müsse die Politik verhindern. «Wir erwarten, dass die Politik, die uns die Auflagen macht, dann auch dafür sorgt, dass hochwertige Produkte auch konsumiert werden.» Unter anderem mit solchen Fragen wird sich auch der Deutsche Bauerntag befassen, der am Dienstag und Mittwoch in Lübeck zusammenkommt.

Insgesamt sei die Preisentwicklung für Bauern zwiespältig, sagte Schwarz. Einerseits erzielten sie höhere Preise. Andererseits seien die Kosten für Energie, Dünger, Pflanzenschutzmittel und Personal deutlich gestiegen. Reine Ackerbaubetriebe kämen unter dem Strich wohl gut zurecht, Schweinehalter nicht. Diese litten nicht nur unter niedrigen Preisen und veränderten Konsumgewohnheiten, sondern auch unter Exportrestriktionen wegen der Afrikanischen Schweinepest.

Bei wichtigen Produkten könnte Deutschland rechnerisch ohne Importe auskommen. «Bei Getreide haben wir eine Selbstversorgung von etwa 105 Prozent», sagte Schwarz. Bei Schweinefleisch seien es rund 120 Prozent, bei Rindfleisch gut 90, bei Milch weit über 100 Prozent.

Bei Ölfrüchten besteht Importbedarf, auch weil deutsche Verbraucher nicht nur Rapsöl haben möchten, sondern auch Oliven- und Sonnenblumenöl. Zudem werde Palmöl für die Weiterverarbeitung benötigt, sagte Schwarz. Vom Rapsöl gingen etwa 50 Prozent in den Speisebereich, die andere Hälfte werde für technische Zwecke genutzt, zum Beispiel für technische Öle und Zusätze zu Kraftstoffen. Bei Gemüse und Früchten liegt Schwarz zufolge die Selbstversorgungsquote bei 40 Prozent und darunter - weil die Menschen auch Dinge essen wollten, die hier nicht wüchsen. Bei Eiern seien es 65 bis 70 Prozent.

Die CDU im Norden forderte Schwarz vor dem Hintergrund der Koalitionsverhandlungen mit den Grünen auf, mehr Verantwortung bei der Gestaltung der Agrarpolitik zu übernehmen. Hier sei die Erwartung der Landwirte groß. Dies könne man auch an den Wahlergebnissen nach Berufsgruppen sehen. «Für mich ist es aber mindestens ebenso wichtig, dass das Ressort Landwirtschaft und Umwelt zusammenbleibt und nicht aufgelöst wird, um einen Umweltminister von den Grünen und einen CDU-Landwirtschaftsminister zu haben.»

Das Ministerium sollte weiter gemeinsam gedacht werden, um Reibungsverluste wie auf Bundesebene zu verhindern, sagte Schwarz. «Es müssen dann aber nicht Digitalisierung und Energiewende dabei sein.» Diese Struktur sei seinerzeit auf Robert Habeck zugeschnitten gewesen.

Den Posten des Vizepräsidenten des Deutschen Bauernverbandes gibt Schwarz jetzt ab: Er habe dies zehn Jahre lang gemacht. Nun solle ein jüngerer Kollege ran, sagte der 62-Jährige, dessen Familie Schweinehaltung und Ackerbau betreibt.

© dpa
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