St. Paulis Trainer Schultz: Platzt Knoten in Braunschweig?

Das Nordderby bei Eintracht Braunschweig hat für den FC St. Pauli richtungsweisenden Charakter. Nach sechs Spielen ohne Dreier brauchen die Kiezkicker dringend einen Sieg. Sonst droht ihnen Abstiegskampf.
St. Paulis Trainer Timo Schultz geht enttäuscht nach Spielende vom Platz. © Marcus Brandt/dpa/Archivbild

Nach sechs Sieglos-Spielen in Serie und zunehmenden Zweifeln an der Qualität seines Teams hat Trainer Timo Schultz vom FC St. Pauli eine Lanze für seine heftig kritisierten Angreifer gebrochen. «Unsere Stürmer übernehmen sehr viel Verantwortung gegen den Ball. Ich sehe, wie die Jungs im Training arbeiten und bin mir sicher, dass der Knoten bald platzen wird», sagte der 45-Jährige vor dem Nordderby der 2. Fußball-Bundesliga (Samstag, 13.00 Uhr/Sky) bei Eintracht Braunschweig. Sollte sich die Sieglosserie der Kiezkicker aber auch im siebten Spiel beim erstarkten Aufsteiger fortsetzen, würden die mit einem Platz im Vorderfeld der Tabelle liebäugelnden Hanseaten stattdessen im Abstiegskampf stecken. 

Das Problem ist offenkundig: Nach dem Verlust der Offensiv-Asse Guido Burgstaller und Daniel-Kofi Kyereh, die 2021/2022 die Hälfte aller St.-Pauli-Tore (30 von 61) erzielten, herrscht in vorderster Front Ladehemmung. Die Angreifer Johannes Eggenstein (3), Etienne Amenyido (1) sowie Igor Matanovic und David Otto (beide 0) tauchen weit hinten oder gar nicht in der Torjägerliste auf. Der als Kyereh-Nachfolger im offensiven Mittelfeld eingeplante Lukas Daschner (1 Treffer, 2 Torvorlagen) hat immerhin bereits mehrfach angedeutet, dass er in die großen Fußstapfen des ghanaischen Nationalspielers treten kann. 

Und anders als zuletzt gegen den 1. FC Heidenheim (0:0), als er erst nach einer Stunde von der Bank kam, kann der Offensivakteur in Braunschweig mit einem Startelf-Einsatz rechnen. «Er bringt viele Fähigkeiten mit und kann mehrere Offensivpositionen spielen. Je näher er am gegnerischen Tor agiert, desto mehr Gefahr strahlt er aus», lobte Ex-Profi Schultz den 24-Jährigen, dem er «Laufstärke, ein starkes Kopfballspiel und gutes Timing für Tiefenläufe» bescheinigte. «Es ist durchaus möglich, dass wir ,Daschi' in den kommenden Partien auch mal als Stürmer oder wieder als Zehner bringen», meinte Schultz.

Allerdings hat er sehr wohl wahrgenommen, dass die Braunschweiger sich im Laufe der Saison gesteigert und den Anschluss an die Nicht-Abstiegszone hergestellt haben. «Sie schalten nach Ballgewinn gerne schnell in die Offensive um. Es wird ein Schlüssel sein, dass wir bei den Basics am Anschlag sind und viel Wert auf eine gute Positionierung legen», forderte Schultz. 

Immanuel Pherai (21), der nach einem auskurierten grippalen Infekt wieder fit ist, hat er als Schlüsselspieler der Eintracht ausgemacht. Dieser, so der Coach, soll unbedingt ausgeschaltet werden. «Er ist ein toller Fußballer, der zwischen beiden Strafräumen unterwegs ist. Trotz seines Alters ist er bereits ein kompletter Spieler. Er kann auch am Samstag wieder ein Faktor sein, und wir müssen auf ihn aufpassen», meinte Schultz. 
Sein Braunschweiger Kollege Michael Schiele hat den letztjährigen Herbstmeister trotz aller personellen Verluste weiterhin auf der Rechnung. «Wir treffen auf eine starke Mannschaft, die im Sommer aber einen sehr großen Aderlass hatte. Mit Kyereh und Burgstaller sind zwei Top-Scorer gegangen, trotzdem spielen sie schönen und offensiven Fußball», urteilte der 44-Jährige, der die Niedersachsen zurück in die 2. Liga geführt hat. Und ergänzte: «St. Pauli ist sehr dynamisch, wir müssen hellwach sein, eng und kompakt stehen.»

© dpa
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