St. Pauli trotzt Paderborn in Schlusssekunden noch Remis ab

Das ist nichts für schwache Nerven: zwei Tore in der Nachspielzeit, zweimal Wechsel von Niederlage zum Remis. Äußerst spektakulär, was sich im Spiel von St. Pauli gegen Tabellenführer Paderborn abspielt.
Paderborns Spieler jubeln nach ihrem Tor zum 0:1. © Daniel Bockwoldt/dpa

Die 29.269 Zuschauer im Hamburger Millerntor-Stadion hatten eine Achterbahnfahrt der Gefühle erlebt und waren am Ende ähnlich erschöpft wie die Spieler. Das 2:2 (0:1) des FC St. Pauli gegen Tabellenführer SC Paderborn in der 2. Fußball-Bundesliga wurde am Samstag wie ein Sieg gefeiert. Lange lagen die Hamburger durch ein Tor von Marvin Pieringer (44. Minute) zurück. Die dominanten Platzherren schlugen erst in der 83. Minute zurück, als der eingewechselte Etienne Amenyido sehenswert traf.

Als der eingewechselte Paderborner und frühere St.-Pauli-Profi Sirlord Conteh (90.+2) die Gäste per Konter erneut in Führung brachte - zuvor war ihm ein nahezu deckungsgleiches Tor wegen Abseits' aberkannt worden -, fiel die Begeisterung im Stadion in sich zusammen. Eine Minute später folgte eine Explosion der Emotionen: In der dritten Minute der Nachspielzeit traf Innenverteidiger David Nemeth per Kopf nach Ecke und sicherte St. Pauli das verdiente Remis. Das Millerntor-Stadion wurde zum Tollhaus. «Dass wir aus einem 0:1 und einem 1:2 wiedergekommen sind, zeigt, dass man uns nie abschreiben darf», sagte Torschütze Amenyido.

«Ein Wechselbad der Gefühle - für mich persönlich und auch für die Mannschaft», berichtete Leart Paqarada, der erneut einen Foulelfmeter verschossen hatte (51.) und zuvor mit einem Abwehrfehler das erste Gegentor begünstigt hatte. «Ich glaube, hier wäre drin gewesen», sagte der Linksverteidiger bei Sky. «Aber wenn du am Ende zum Ausgleich kommst, kannst du schon zufrieden mit dem Punkt sein.»

Für Trainer Timo Schultz war die Partie mit Sicherheit aufregender als der Vortag, an dem er seinen 45. Geburtstag begangen hatte. «Ich habe mich mit dem Spiel und meiner Mannschaft beschäftigt», sagte der Coach über seinen Ehrentag.

Nach der 0:2-Pleite eine Woche zuvor bei Hansa Rostock wollte er ursprünglich mehrere Änderungen vornehmen. Doch letztlich beließ er es bei einem Tausch: Für den in Rostock enttäuschenden Stürmer Igor Matanovic brachte er David Otto. Sein Team spielte leidenschaftlicher, giftiger, zweikampfstärker und temporeicher als in Rostock - nur das Tor fiel lange Zeit nicht. Es fehlte an Präzision, um die Angriffe zu vollenden.

Die torhungrigen Paderborner, die nach fünf Spielen schon 18 Mal getroffen hatten und von der Konkurrenz deshalb ehrfurchtsvoll Torfabrik genannt werden, hatten bis dahin ihre Angriffswucht gegen die gut stehende Defensive der Gastgeber vermissen lassen. In den letzten Sekunden überschlugen sich die Ereignisse. «Es freut mich extrem, dass ich ein Tor hab' machen können», sagte Nemeth. «Spielentscheidend für einen Sieg wäre mir aber lieber gewesen.»

© dpa
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