Nach 2:3 gegen HSV: Holstein Kiel zwischen Trotz und Stolz

Holstein Kiel zeigt in dieser Saison Nehmer-Qualitäten. Auch nach dem 2:3 gegen den Hamburger SV lässt sich der nördlichste Zweitligist nicht unterkriegen. Zuversicht gibt den Kielern die Leistung gegen den großen Nachbarn.
Kiels Fabian Reese (l) und Hamburgs Ludovit Reis (r) kämpfen um den Ball. © Claus Bergmann/dpa

Eine Niederlage, die Mut macht: Das liest sich zwar wie ein Widerspruch, traf auf Holstein Kiel nach dem Spiel gegen den Hamburger SV aber zu. Trotz der 2:3-Heimpleite überwog bei den Verantwortlichen und den Spielern des nördlichsten Fußball-Zweitligisten vor allem der Stolz.

«Aus der Leistung nehmen wir Schwung mit für die nächsten Wochen», sagte Mittelfeldspieler Philipp Sander. Kapitän Hauke Wahl hatte am Freitagabend das «beste Saisonspiel» seiner Mannschaft gesehen: «Wir haben unfassbar gut gespielt.» Trainer Marcel Rapp schloss sich der Einschätzung an: «Von der Leistung her war das ein sehr gutes Saisonspiel.»

2018 waren die Hamburger in die 2. Bundesliga abgestiegen. Bis zum Freitagabend hatten die finanziell bescheideneren Kieler in acht Begegnungen mit dem großen Nachbarn dennoch drei Mal gewonnen und fünf Mal unentschieden gespielt. Nun die erste Niederlage.

Nach der schwierigen Spielzeit 2021/22 gelten die Kieler in dieser Saison als ein mögliches Überraschungs-Team, während für den HSV der Aufstieg das selbsterklärte Ziel ist. Der Holstein-Kader blieb weitgehend zusammen und ist eingespielt. Die Mannschaft zeigt zudem unter Trainer Rapp Nehmer-Qualitäten: So folgten auf das Pokal-Aus beim SV Waldhof Mannheim zwei Siege in der Liga und nach dem 2:7 beim SC Paderborn gab es ein 1:0 gegen den SV Sandhausen und ein 0:0 in Regensburg. Und jetzt folgte sogar die beste Saisonleistung.

Vieles deutet darauf hin, dass auch der unglückliche Verlauf bei der Niederlage gegen die Hamburger keine bleibenden Schäden an der Fußballer-Seele der Kieler verursacht. Die Reaktion auf Holstein-Seite im und nach dem Spiel war Trotz statt Enttäuschung. «Auf einmal steht es 0:3 - und keiner weiß so richtig, warum. Und trotzdem machen die Jungs weiter», meinte Trainer Rapp. «Wir werden mit der Energie weitermachen und noch viele Siege holen.»

Die Torschussbilanz von 22:12 war ein statistischer Ausdruck der Überlegenheit gegen den HSV. Und trotzdem stand es bis zu Beginn der Nachspielzeit 0:3. Dann schoss HSV-Profi Moritz Heyer ein Eigentor, der eingewechselte Fin Bartels erzielte den Anschlusstreffer zum 2:3. Es fehlte allerdings die Zeit, um noch einen weiteren Angriff und den möglichen Ausgleich kreieren zu können.

«Wir hatten in der Vergangenheit Spiele, in denen wir offensiv gut waren, und Spiele, in denen wir defensiv gut waren. Nun war trotz der drei Gegentore beides gut», erklärte Rapp. «Wir haben gut verteidigt, hatten gute Umschaltmomente und fanden ordentliche Lösungen mit dem Ball. Leider haben wir trotzdem verloren.»

Eine ähnliche Leistung wünscht sich die Mannschaft am kommenden Samstag. Holstein Kiel wird dann beim Bundesliga-Absteiger Arminia Bielefeld zu Gast sein. Die Zuversicht ist trotz der Niederlage gegen den HSV groß. «Wir können auf unsere Leistung aufbauen», sagte Wahl.

© dpa
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