Warnstreik legt Züge lahm: Verdi zieht positive Bilanz

Koffer rollten, Züge nicht: Pendler und Reisende in Berlin und Brandenburg mussten sich am Montag auf den großangelegten Warnstreik im Verkehrssektor einstellen. Auch am Dienstag dürften Auswirkungen zu spüren sein.
Warnstreiks in Deutschland - Berlin
Warnstreikende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG stehen am Ostbahnhof. © Paul Zinken/dpa

Der großangelegte bundesweite Verkehrswarnstreik der Gewerkschaften Verdi und EVG hat am Montag auch in Berlin und Brandenburg den Regional- und S-Bahnverkehr weitgehend lahmgelegt. Die Bahnsteige blieben an den Fern- und Regionalbahnhöfen fast leer. Reisende waren auf den Warnstreik gut vorbereitet und nutzten alternative Verkehrsmittel wie U-Bahn, Tram und Bus. Die Fahrzeuge der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) waren nicht direkt vom Streik betroffen und im Einsatz.

Schon am Nachmittag lief der Regional- und S-Bahn-Verkehr in Berlin, Brandenburg sowie Mecklenburg-Vorpommern teilweise wieder an. «Es ist jedoch weiter mit Einschränkungen zu rechnen. Insbesondere für langlaufende Linien im Regionalverkehr der DB stehen die Züge erst verzögert für einen regulären Betrieb zur Verfügung», teilte die Bahn mit. «Bitte rechnen Sie auch noch nach Ende des Warnstreiks mit Verspätungen und Ausfällen im gesamten S-Bahn-Netz», teilte die S-Bahn Berlin auf Twitter mit.

Die Gewerkschaft Verdi, die seit Montag in dritter Runde mit Bund und Kommunen in Potsdam für die rund 2,5 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst weiter verhandelt, zog eine positive Bilanz. Rund 5000 Menschen seien in der Brandenburgischen Landeshauptstadt auf die Straße gegangen, um für die Forderungen zu demonstrieren. «Es ist wunderbar gelaufen, wir haben sehr viel Unterstützung bekommen, da wir mit der EVG gestreikt haben», teilte ein Sprecher des Bezirks Berlin-Brandenbug mit.

Falls die Verhandlungen in diesen Tagen scheitern, könnten weitere Warnstreiks folgen. «Wenn das mit den Verhandlungen überhaupt nicht funktioniert, können wir uns das noch mal vorstellen», sagte eine Sprecherin. «Vor Ostern ist allerdings nicht realistisch», betonte sie. Auch die EVG hatte Warnstreiks bis nach Ostern am Montag zunächst ausgeschlossen.

Wer am Wochenbeginn in Berlin oder Brandenburg zur Arbeit wollte, musste in der Hauptstadtregion Alternativen zu S- und Regionalbahnen suchen. Es füllten sich U-Bahnen, Tram und Busse. «Erwartungsgemäß verzeichnete die BVG am Montagmorgen ein erhöhtes Fahrgastaufkommen», teilte die BVG mit. Am Bahnsteig stehen gelassen worden sei niemand. «Nur beim Bus kam es in einigen Fällen dazu, dass Fahrgäste auf die nächste Fahrt warten mussten», hieß es.

Auch am Dienstag ist der Bahn zufolge zumindest in den ersten Stunden mit Einschränkungen im Regional- und S-Bahnverkehr zu rechnen. Es wird einige Zeit dauern, bis alle Züge und das Personal wieder dort sind, wo sie gebraucht werden.

Am Hauptstadtflughafen BER hingegen, der nicht direkt bestreikt wurde, rechnen die Betreiber mit einem normalen Betriebstag ohne außerplanmäßige Einschränkungen, wie ein Sprecher sagte.

Die Verkehrsinformationszentrale in Berlin (VIZ) vermerkte am Montag auf den Straßen kein stark erhöhtes Verkehrsaufkommen. «Unsere Einschätzung ist, dass es zwar voller geworden ist, aber bei weitem nicht so stark wie erwartet», teilte die Zentrale auf Anfrage mit. «Die Menschen haben sich gut vorbereitet. Viele haben sicherlich auch die Möglichkeiten des Homeoffice in Anspruch genommen.»

Die Brandenburger Polizei verzeichnete ebenfalls trotz des Warnstreiks kein erhöhtes Verkehrsaufkommen auf den Autobahnen und Landstraßen.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hatte gemeinsam mit Verdi bundesweit zum Warnstreik im Verkehrssektor aufgerufen. Der Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr war deshalb auch in Berlin und Brandenburg weitgehend eingestellt.

Mit den Warnstreiks wollten Verdi und EVG den Druck in ihren Tarifverhandlungen erhöhen. Die EVG verhandelt für rund 230.000 Beschäftigte mit der Deutschen Bahn und 50 weiteren Eisenbahn-Unternehmen. Hier beginnt in dieser Woche die zweite Verhandlungsrunde, in der die Gewerkschaft nacheinander mit allen Unternehmen sprechen will. Die Deutsche Bahn ist in diesem Zeitplan Ende April wieder dran.

Aufgrund des Tarifkonflikts im öffentlichen Dienst kam es in Berlin und Brandenburg auch abseits des Verkehrssektors am Montag zu Warnstreiks. In den Ausstand traten Erzieherinnen aus Kitas im Umland von Potsdam, Beschäftigte der Universitätsklinik Brandenburg/Havel und des Potsdamer Klinikums Ernst von Bergmann, der Sparkassen, der Entsorgungsfirmen und von kommunalen Verwaltungen, wie die Gewerkschaft Verdi am Montag berichtete. In Berlin waren erneut die landeseigenen Kliniken von Charité und Vivantes und das Jüdische Krankenhaus betroffen.

© dpa
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