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Vergünstigte oder geschenkte Lebensmittel zunehmend gefragt

Ups, ganz schön teuer geworden. In Zeiten der Inflation können unliebsame Überraschungen an der Supermarktkasse durchaus vorkommen. Das macht sich bei Anbietern bemerkbar, die Lebensmittel auf andere Arten abgeben.
Familie bei Tafel
Ein Kind schaut sich während der Ausgabezeit in der Berliner Tafel die Auslage von Lebensmitteln an. © Sebastian Christoph Gollnow/dpa

2023 haben sich in Berlin zunehmend Menschen mit günstigen oder kostenlosen Lebensmitteln versorgt - auch wegen der gestiegenen Preise im Zuge der Inflation. «So etwas wie dieses Jahr hatten wir noch nie», sagte der Sprecher des Kinderhilfsprojekts Arche, Wolfgang Büscher, der Deutschen Presse-Agentur. Für Nahrungsmittel, die an fünf großen Ausgabeterminen in der Zentrale in Hellersdorf ausgegeben worden seien, habe der Verein rund 300.000 Euro ausgegeben. Zum bisher letzten Termin vor etwa drei Monaten seien mehr als 1000 Familien gekommen. Auch die Berliner Tafel verzeichnet schon länger eine deutlich gestiegene Nachfrage.

Mittlerweile hat sich die Zahl der Menschen, die bei den 48 «Laib und Seele»-Ausgabestellen Lebensmittel beziehen, auf hohem Niveau eingependelt, wie eine Tafel-Sprecherin auf Anfrage mitteilte. Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und der Inflation liege sie monatlich bei rund 75.000 Menschen. Das ist annähernd doppelt so viel wie 2021, als es erst rund 40.000 Kundinnen und Kunden pro Monat gab.

Auch acht Pop-up-Ausgabestellen, die im Frühjahr 2022 eingerichtet wurden und eigentlich nur als Zwischenlösung gedacht waren, hat die Tafel bisher nicht wieder geschlossen. Sie blieben angesichts des enormen Bedarfs bis heute unverzichtbar.

Arche unterstützt Familien gezielt

Beim Kinderhilfeprojekt Arche ist die Zeit großer Ausgabetermine nun vorüber: «Das war zu viel und auch nicht unser Kerngeschäft», sagte Büscher. «Am Ende kamen Leute aus ganz Berlin angereist. Wir konnten das nicht mehr kontrollieren.» Die Arche versorge allerdings weiterhin auch Familien, deren Kinder dort etwa Freizeitangebote nutzten. «Es gibt Familien, die bis zu zwei Mal im Monat Lebensmittel bekommen, sonst nach Bedarf.» Im Lager könnten sie sich aussuchen, was sie brauchten.

Darunter seien auch Produkte, über die sich Kinder besonders freuten: Süßigkeiten und Schoko-Nuss-Cremes von bekannten Herstellern zum Beispiel. «Das zu verwehren, ist Theorie», sagte Büscher. Familien seien aber insbesondere dadurch belastet, dass früher preiswerte Grundnahrungsmittel wie Brot immer noch verhältnismäßig teuer seien.

Tafel unterstützt auch soziale Einrichtungen

An den Ausgabestellen der Tafel können Menschen mit geringem Monatseinkommen gegen einen Unkostenbeitrag von ein bis zwei Euro Lebensmittel erhalten, die in der Regel gespendet wurden. Die Bedürftigkeit muss nachgewiesen werden. Die Tafel versorgt außerdem derzeit bis zu 400 soziale Einrichtungen wie Obdachlosenunterkünfte und Frauenhäuser mit Lebensmitteln. Auf diesem Weg würden rund 91.000 Menschen monatlich erreicht.

Das Warenangebot ist laut Tafel allerdings nicht so stark gewachsen wie die Nachfrage: Seit vielen Jahren habe man recht stabil 660 Tonnen pro Monat. Was gespendet wird, habe sich aber stark verändert: Mittlerweile seien es weniger Obst und Gemüse sowie Molkereiprodukte, dafür mehr Haltbares, teils auch Waren wie Hygieneartikel, Reinigungsmittel und Windeln.

Die Ursachen für den Rückgang bestimmter Waren sehen die Organisatoren unter anderem darin, dass der Handel überschüssige Lebensmittel etwa in sogenannten Rettertüten mit Obst und Gemüse zum Feierabend verkauft. Auch würden die Kalkulation beim Wareneinkauf im Handel verbessert und Produkte an der Grenze des Mindesthaltbarkeitsdatums länger abverkauft.

Mehr Selbstabholer direkt bei Betrieben

Die App «Too Good To Go», über die zum Beispiel Bäckereien, Imbisse und Restaurants ihre überschüssige Ware günstiger als üblich verkaufen können, verzeichnete 2023 im Vergleich zum Jahr zuvor bundesweit ein Wachstum, wie eine Sprecherin mitteilte. Das betreffe die Zahlen der Partnerbetriebe, der registrierten Nutzerinnen und Nutzer sowie der verkauften Überraschungstüten. Zahlen nur für Berlin lagen zunächst nicht vor. Allein bis 14. Dezember 2023 seien in Deutschland 14,6 Millionen Überraschungstüten verkauft worden, nach 10,5 Millionen im gesamten Vorjahr, hieß es.

Die Entwicklung sei einerseits auf ein wachsendes Bewusstsein für das Thema Lebensmittelverschwendung zurückzuführen, andererseits spielten auch die steigenden Lebensmittelpreise eine Rolle. Die App sieht sich als ergänzendes Angebot zur Tafel, da darüber haushaltsübliche Mengen und bereits zubereitete Lebensmittel flexibel und tagesaktuell zur Selbstabholung angeboten werden. «Die Tafeln leisten seit Jahrzehnten eine wichtige Arbeit, können aber aus hygienerechtlichen, logistischen oder personellen Gründen oft nicht alle Lebensmittel abnehmen», erklärte die Sprecherin.

© dpa
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