Berliner Wirtschaft: «zehn Prozent plus x» Energie sparen

Viele Betriebe treibt um, wie sie angesichts der Preisexplosion Gas oder Strom einsparen können - schon aus Eigeninteresse. Nun verpflichten sich die Wirtschaftsverbände auf ein konkretes Einsparziel.
Strommasten stehen in der Nähe eines Windparks. © Federico Gambarini/dpa/Symbolbild

Die Berliner Wirtschaft will angesichts der Energiekrise einen messbaren Beitrag zum Sparen leisten. In einer am Montag unterzeichneten Vereinbarung mit dem Senat verpflichteten sich mehrere Wirtschaftsverbände, mindestens zehn Prozent an Energie einzusparen.

Das Ziel soll unter anderem über Einschränkungen bei der Raumtemperatur, bei Klimaanlagen und Beleuchtung erreicht werden. Zudem planen die Verbände eine Ausweitung der Beratungsangebote für Unternehmen zu den Themen Energiesparen und Energieeffizienz.

Sowohl die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) als auch Vertreter der beteiligten Verbände sprachen von einem wichtigen Signal. Alle müssten angesichts hoher Energiepreise ihren Beitrag leisten, um Ressourcen zu schonen, sagte Giffey. Der Senat sei mit seinem eigenen Programm vorangegangen, nun vollziehe die Wirtschaft diesen Schritt nach.

Vor zwei Wochen hatte der Senat ein Programm zum Energiesparen in der Verwaltung und in seinen Liegenschaften aufgelegt. Auch dadurch soll mindestens zehn Prozent Energie eingespart werden.

Nach den Worten des Präsidenten der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin, Sebastian Stietzel, sind nahezu alle Unternehmen von starken Preissteigerungen bei Gas und Strom betroffen. Sie seien schon seit einiger Zeit dabei, Energie zu sparen - um wettbewerbsfähig zu bleiben oder sogar eine Insolvenz zu verhindern. Doch die Wirtschaft wolle mehr tun und «das Maximum rausholen».

Wichtig seien für die Wirtschaft in der aktuellen Lage Planungssicherheit und zielgenaue Entlastungen. Außerdem müsse eine Gasmangellage, in deren Folge die Gasversorgung für Unternehmen reduziert werde, unbedingt vermieden werden. Und: «Wenn es im Falle einer Mangellage die Abwägung gibt, den Arbeitsplatz zu verlieren oder eine warme Wohnung zu haben, sollte der Arbeitsplatz im Vordergrund stehen», so Stietzel.

Auch aus Sicht des Präsidenten der Vereinigung der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB), Stefan Moschko, ist die Energie für die Wettbewerbsfähigkeit das zentrale Thema. «Jede eingesparte Kilowattstunde Gas und Strom zählt.» Er forderte weniger Bürokratie und schnellere Genehmigungsprozesse, um Unternehmen etwa bei der Umstellung von Gas auf Öl zu unterstützen.

Die Präsidentin der Handwerkskammer Berlin, Carola Zarth, verwies darauf, dass viele Mitgliedsunternehmen die Preissteigerungen bei Energie nur zum Teil an die Kunden weitergeben könnten. Das sei für viele existenzbedrohend. Ein Problem bei der Bewältigung der Krise sei der schon länger bestehende Fachkräftemangel. «Der neue Backofen oder die Solaranlage müssen installiert werden.» Aber dafür fehlten Fachleute.

Nach Angaben von Wirtschaftssenator Stephan Schwarz (parteilos) will der Senat die Sparbemühungen der Wirtschaft flankieren. So baue die im März eingerichtete «Koordinierungsstelle für Energieeffizienz und Klimaschutz im Betrieb» ihre niedrigschwelligen Beratungsangebote aus. Am 1. September starte zudem ein neues Förderprogramm «SolarPlus», um Unternehmen vor allem bei der Umsetzung größerer Solarprojekte zu unterstützen.

Giffey teilte ergänzend mit, dass im Zusammenhang mit der nun unterzeichneten Charta «Wirtschaft spart Energie» auch ein eigenes Internetportal geplant sei. Hier würden alle Informationen zu den Themen Energiesparen, Versorgungssicherheit und Entlastungen gebündelt.

© dpa
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