Mehr Frauen, mehr Publikum: Ticketrekord bei Biennale

Nach coronabedingter Verzögerung mausert sich die Kunstbiennale in Venedig zur Rekordschau. Nie zuvor gab es solchen Andrang bei der Präsentation von Gegenwartskunst. Auch die weibliche Übermacht ist beispiellos.
Besucher vor dem Eingang des Arsenale-Geländes bei der 59. Kunstbiennale. © Felix Hörhager/dpa/Archivbild

Die Kunstbiennale in Venedig ist mit einer Rekordzahl an Besucherinnen und Besuchern zu Ende gegangen. Die neben der documenta in Kassel wichtigste Präsentation von Gegenwartskunst verzeichnete bis einen Tag vor Schließung am Sonntag mehr als 800.000 Eintritte. Hinzu kommen nach Angaben aus der Lagunenstadt noch gut 22.000 Tickets während der Vorbesichtigungstage im April.

Soviel Zuspruch gab es noch nie in der 127 Jahre währenden Geschichte der Biennale. Die Zahl der Besucherinnen und Besucher sei um 35 Prozent gegenüber 2019 gestiegen, hieß es. Coronabedingt war die sonst alle zwei Jahre ausgetragene Kunstschau um ein Jahr auf 2022 geschoben worden.

Mit 197 Tagen war die Biennale zugleich die längste ihrer Art. Zum Vergleich: die documenta hält bisher an ihrem Konzept des Museums für 100 Tage fest. Die Besucherinnen und Besucher der Biennale kamen mit 59 Prozent überwiegend aus dem Ausland. Etwa 30 Prozent der Tickets gingen an junge Menschen sowie Studentinnen und Studenten.

Zur zentralen Ausstellung «The Milk of Dreams» der in New York lebenden Kuratorin Cecilia Alemani waren 213 Künstlerinnen und Künstler aus 58 Ländern mit mehr als 1500 Arbeiten eingeladen. Alemani hatte dabei einen deutlichen Schwerpunkt auf Werke von Künstlerinnen gelegt. Zudem präsentierten sich 80 Länder mit Nationenpavillons auf den Biennale-Geländen Giardini und Arsenale sowie an verschiedenen Orten in der Lagunenstadt.

Alemani bedankte sich bei den Künstlerinnen und Künstlern, die mit «wunderbaren Werken, Leidenschaft und Enthusiasmus» zur Ausstellung beigetragen hätten. Der Andrang während der Ausstellung zeige, «dass Kunst die Kraft hat, Teilnahme zu fördern». In Zeiten wie diesen mache die Biennale deutlich, dass Kunst sowie Künstlerinnen und Künstler helfen können, «neue Formen des Zusammenlebens zu denken und unendlich viele neue Möglichkeiten der Umsetzung».

In diesem Jahr verschaffte die Biennale zudem der traditionell weiß und männlich dominierten Kunstszene eine Auffrischung in puncto Diversität. Mit der Auszeichnung von zwei international gefeierten Künstlerinnen der Black Community setze die Jury deutliche Zeichen. Die Britin Sonia Boyce und die US-Amerikanerin Simone Leigh erhielten mit zwei Goldenen Löwen die wichtigsten Preise der Kunstschau.

Die in Berlin lebende Künstlerin Maria Eichhorn hatte den Deutschen Pavillon gestaltet. Mit ihrer Arbeit «Relocating a structure» machte Eichhorn die Vergangenheit des Pavillons sichtbar. Die Nazis hatten den als Bayerischen Pavillon errichteten Bau monströs erweitert. Eichhorn ließ die Schnittstellen freilegen. Hinter dem Putz wurden zugemauerte Durchgänge sichtbar, ehemalige Außenwände, alte Verbindungen, Beton der Nazis auf gemauerten Wänden.

Über den Katalog und Führungen in der Stadt thematisierte Eichhorn zudem den Widerstand in Venedig und die Folgen des Faschismus. «Kaum ein anderer deutscher Beitrag davor hat den venezianischen Stadtraum in so enger Weise integriert», urteilte das für den Pavillon verantwortliche Institut für Auslandsbeziehungen.

Die Künstlerin folgte unter anderem auf Gerhard Richter (1972), Joseph Beuys (1976), Hans Haacke (1993), Rosemarie Trockel (1999), Isa Genzken (2007) oder Christoph Schlingensief (2011). Mehrfach gab es für Arbeiten aus Deutschland Goldene Löwen, zuletzt 2017 für Anne Imhof.

© dpa
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