Untersuchungen nach Verunreinigung der Oder: Sorge um Fluss

Die Bilder unzähliger toter Fische in der Oder vom vergangenen Sommer sind Anwohnern noch all zu gegenwärtig. Eine Wasserverunreinigung ruft die Behörden nun erneut auf den Plan.
Auf deutsch und polnisch steht «Herzlich willkommen» an einem Schiffsanleger am deutsch-polnischen Grenzfluss Oder. © Patrick Pleul/dpa/Archivbild

Eine Verunreinigung der Oder auf einer Länge von rund 34 Kilometern hat Behörden und Fluss-Anrainer auf den Plan gerufen und für Unruhe gesorgt. In Höhe Ratzdorf (Oder-Spree) entdeckte die Wasserschutzpolizei nach eigenen Angaben einen «braunen, nahezu geruchlosen, schleimigen Film» auf der Wasseroberfläche und erstattete Strafanzeige. Proben seien entnommen und an das Landeskriminalamt (LKA) geschickt worden, sagte Jens Albrecht, Leiter der Wasserschutzpolizei Ost der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Ob das LKA ermittle, hänge vom Ergebnis der Wasseruntersuchung ab. Der angrenzende Landkreis Märkisch-Oderland reagierte mit einer Schutzmaßnahme.

Wasserschutzpolizisten entdeckten die Verunreinigungen den Angaben nach am Dienstag bei einer Kontrollfahrt auf dem Oderdeich zwischen dem Fluss-Kilometer 542 im Mündungsbereich des Oder-Spree-Kanals bei Eisenhüttenstadt und dem Kilometer 576 bei Brieskow-Finkenheerd. Öl könne ausgeschlossen werden, das sehe anders aus, schätzte der Leiter der Wasserschutzpolizei Ost ein. Seit der Umweltkatastrophe im Sommer mit einem massenhaften Fischsterben in der Oder sei man noch einmal besonders sensibilisiert.

Der Landkreis Märkisch-Oderland sperrte am Mittwoch als Vorsichtsmaßnahme alle Überleitbauwerke ins Oderbruch, das von dem Fluss verästelt durchflossen wird. Nach einer Beratung mit Landrat Gernot Schmidt am Mittwochabend zogen Behörden und Katastrophenschutz auch das Legen einer Ölsperre auf der Oder in Betracht - bei der derzeitigen Strömung sei das nicht risikofrei, wie Landkreis-Sprecher Thomas Behrendt erläuterte. Zunächst machten sich die Akteure aber an der Europabrücke in Neurüdnitz-Siekierki ein Bild von der Lage. Letztlich sei ein Ölfilm ausgeschlossen worden, sagte der Sprecher. Man wolle nun die Ergebnisse der Untersuchung abwarten.

Inzwischen hat der braune Film nach Angaben des Landesumweltamtes (LfU) den Pegel Hohensaaten und damit die Messstationen in Hohenwutzen und Frankfurt (Oder) erreicht und löse sich bereits auf. Am Mittwochabend hatten die Messstationen nach Informationen von Sprecher Thomas Frey noch keine Auffälligkeiten gezeigt. Rückstellproben seien inzwischen genommen worden und würden nun im Landeslabor ausgewertet, berichtete er am Donnerstag. Eine Auswertung der Ergebnisse solle in der kommenden Woche erfolgen.

Auf polnischer und deutscher Seite waren im August vergangenen Jahres schätzungsweise mindestens 360 Tonnen Fische verendet. Experten gehen davon aus, dass ein hoher Salzgehalt im Fluss ein wesentlicher Grund war, verbunden mit Niedrigwasser, hohen Temperaturen und einer giftigen Algenart. Hunderte chemische Substanzen können laut Bundesumweltministerium als Mitverursacher der Umweltkatastrophe in Frage kommen.

Die Überleitbauwerke ins Oderbruch sollten nach Angaben des Landkreises nach einer Entwarnung durch das LfU am Donnerstag wieder geöffnet werden - die Sorge um den Fluss aber bleibt. «Bei jedem toten Fisch kommt eine Alarmmeldung bei uns rein, da ist man schon sensibilisiert», sagte Behrendt.

© dpa
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