Fischsterben: Polen setzt hohe Belohnung für Hinweise aus

An den Ufern der Oder in Brandenburg bergen Helfer viele tote Fische. Tonnen sollen es sein. Die Untersuchung zu den Ursachen des Fischsterbens dauert an. Polen setzt zur Aufklärung nun auch eine hohe Belohnung.
Tote Fische liegen in der Oder. © Lech Muszynski/PAP/dpa/Archivbild

Für die Aufklärung des massenhaften Fischsterbens in der Oder setzt Polen eine Belohnung von mehr als 200.000 Euro aus. Die Regierung vermutet, dass eine riesige Menge an chemischen Abfällen in den Fluss gekippt wurde. Für Hinweise, die zur Ergreifung eines Täters führen, habe die Polizei eine Summe von umgerechnet 210.000 Euro ausgelobt, sagte Vize-Innenminister Maciej Wasik am Samstag in Gorzow Wielkopolski. «Wir wollen die Schuldigen finden und die Täter des Umweltverbrechens bestrafen, um das es hier wahrscheinlich geht», betonte Regierungschef Mateusz Morawiecki.

Polens Regierung und Behörden stehen unter Druck, weil sie zu zögerlich vor dem Fischsterben gewarnt haben. Politiker und Naturschützer bezeichneten die Folgen der Oder-Verschmutzung als Umweltkatastrophe. Die Ursache ist noch nicht geklärt. Laboranalysen von Proben des Wassers und von toten Fischen dauerten an.

Im Oder-Grenzgebiet in Brandenburg haben unterdessen hunderte Helfer am Samstag damit begonnen, tote Tiere einzusammeln. In der Kleinstadt Lebus, nicht weit entfernt von Frankfurt (Oder), habe sich am Ufer durch die Verwesung der Fische unangenehmer Geruch ausgebreitet, schilderte ein dpa-Reporter. Es seien auch Vögel zu sehen, die tote Fische wegtragen. Einsatzkräfte in Lebus trugen unter anderem Gummistiefel und Handschuhe. Sie müssen sich vor Kontakt mit dem Wasser und den Fischen schützen.

«Ich rechne mit mehreren Tonnen Fisch, die wir rausholen», sagte Thomas Rubin für die Kreisverwaltung Märkisch-Oderland. Dort seien auf rund 80 Kilometern Länge etwa 300 Helfer vor allem am Ufer unterwegs. Die Bürgermeisterin der Stadt Schwedt an der Oder, Annekathrin Hoppe (SPD), sagte im rbb-Inforadio am Samstag, die Helfer seien beim Einsammeln mit Schutzanzügen ausgerüstet. Es sei davon auszugehen, dass dort gesundheitsgefährdende Stoffe für den Menschen vorhanden seien.

Nach Angaben von Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel weist die Oder «sehr stark erhöhte Salzfrachten» auf. Das sei «absolut atypisch», sagte der Grünen-Politiker am Freitagabend im RBB-Fernsehen. Vogels Ministerium erklärte, die gemessenen Salzfrachten könnten im Zusammenhang mit dem Fischsterben stehen. «Nach jetzigen Erkenntnissen wird es jedoch nicht ein einziger Faktor sein, der das Fischsterben in der Oder verursacht hat», hieß es in einer Mitteilung. Der Begriff Salzfrachten bezeichnet im Wasser gelöste Salze.

Die Ergebnisse seien aber «noch nicht voll aussagefähig und nicht abschließend», hieß es. Weitere Untersuchungsdaten soll es in der kommenden Woche geben. Mit Blick auf Quecksilber-Funde sagte Vogel, das werde weiter überprüft.

Der Umgang mit dem Fischsterben löste in Polen personelle Konsequenzen aus. Regierungschef Morawiecki entließ den Chef der Wasserbehörde und der Leiter der Umweltbehörde, weil sie zu langsam auf das Fischsterben in der Oder reagiert haben sollen. Auch in Deutschland kritisierten Bund und Land offen, Polen habe nicht rechtzeitig informiert und die übliche Meldekette bei solchen Ereignissen nicht eingehalten.

Er schließe weitere personelle Konsequenzen nicht aus, sagte Polens Regierungschef nun. Er räumte ein, er habe erst am 10. August von dem massiven Fischsterben erfahren. «Ich wurde auf jeden Fall zu spät informiert.» Polnische Behörden hatten nach Regierungsangaben bereits Ende Juli erste Hinweise darauf bekommen, dass in dem Fluss massenweise verendete Fische treiben.

© dpa
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