Wolf in Teltow-Fläming darf gezielt geschossen werden

Wölfe reißen Schafe, auch Schutzzäune können sie mitunter nicht aufhalten. In Brandenburg - Wolfsland Nummer eins in Deutschland - darf nun ein Tier, das wiederholt Schaden angerichtet hat, gezielt geschossen werden.
Ein Wolf läuft durch einen Wald. © Swen Pförtner/dpa/Symbolbild

In Brandenburg ist ein Wolf gezielt zum Abschuss freigegeben. Das Tier in der Region Teltow-Fläming habe gelernt, Schutzzäune zu überwinden und habe wiederholt Schafe in einer Herde gerissen, sagte der Sprecher des Landesamts für Umwelt (LfU), Thomas Frey, in Potsdam. In Brandenburg leben im deutschlandweiten Vergleich die meisten Wölfe. Mit einem großen Zuwachs der Population rechnen Fachleute derzeit nicht mehr, die Zahl der Wolfsrudel stagniert seit 2019/2020, wie es hieß.

Im Landkreis Oder-Spree soll ein Wolfshybrid - eine Mischung zwischen Wolf und Hund - mit Nachwuchs getötet werden, wie das Landesamt für Umwelt auf Nachfrage weiter mitteilte. Diese Tiere in der freien Natur sollen laut dem Bundesnaturschutzgesetz so schnell wie möglich «entnommen» werden (Paragraf 45a: «Umgang mit dem Wolf»).

In Brandenburg ist seit kurzem die Möglichkeit für einen Abschuss von Wölfen nach besonders vielen Angriffen auf Herden und Nutztiere ausgeweitet worden. Der Wolfs-Experte Eckhard Fuhr rechnet aber nicht mit einer großen Zahl von Tieren, die abgeschossen werden dürfen. Es gehe hier nicht um eine Regulierung der Wolfspopulation, dafür gebe es keine rechtliche Grundlage, sagte Fuhr, der auch stellvertretender Vorsitzende des Ökologischen Jagdvereins Brandenburg-Berlin ist. Der sogenannte schadenstiftende Wolf in Teltow-Fläming wurde laut Landesamt für Umwelt mit Hilfe genetisch untersuchter Proben identifiziert, die bei allen Rissvorfällen genommen wurden.

Nach der geänderten Wolfsverordnung in Brandenburg gibt es unter anderem die Möglichkeit, den Abschuss anzuordnen, wenn ein Wolf in seinem Territorium über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten signifikant mehr Weidetiere gerissen hat als es dem Durchschnitt der Risse in den übrigen Wolfsgebieten des Landes im selben Zeitraum entspricht. Auch Fälle gerissener Rinder und Pferde wurden - sofern die Herde nicht geschützt werden kann - neu in die Verordnung aufgenommen.

Wölfe sind geschützt, seit langem wird der Umgang mit den Tieren kontrovers diskutiert. Unter anderem gibt es die Forderung nach einer festen Abschussquote. Das lehnt das brandenburgische Umweltministerium aber ab.

Der Naturschutzbund in Brandenburg befürwortet die Möglichkeit in Brandenburg, in bestimmten Fällen rasch zu handeln und einzelne Wölfe mit Ausnahmegenehmigung zu schießen. In der Praxis sei das gar nicht so einfach, meinte Wolfs-Experte Fuhr, der auch ein Buch über Wölfe geschrieben hat. «Denn Wölfe sind furchtbar schlau.» Die Tiere bekämen mit, wenn etwa nicht das Auto des Schäfers sondern das des Jägers in der Nähe stehe. Die Genehmigung zum Abschuss gelte zudem für einen bestimmten Zeitraum und ein genau bestimmtes Gebiet.

Im Beobachtungsjahr 2021/2022 wurden in Brandenburg insgesamt 47 Rudel und 14 Wolfspaare gezählt. Dabei stagniere die Zahl seit dem Wolfsjahr 2019/20 auf stabilem Niveau, teilte der Sprecher des Umwelt-Amtes mit. Ebenso scheine sich die Zahl der Welpen, die jährlich geboren werden, einzuschwingen. Zudem gebe es nur noch wenige geeignete Flächen für die Ansiedlung eines neuen Rudels, vor allem im Norden Brandenburgs.

In früheren Jahren war es immer wieder auch zu illegalen Wolfstötungen gekommen, was strafrechtliche Ermittlungen nach sich gezogen hatte. Einige Tiere wurden außerdem überfahren.

© dpa
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