Brandenburg überprüft Meldeketten nach Oder-Fischsterben

Brandenburg will Umweltkatastrophen wie etwa das Fischsterben in der Oder künftig schneller erkennen können. «Auch wenn dieses Fischsterben-Ereignis so nicht vorhersehbar war, überprüft Brandenburg, ob und wie das Messsystem und die Meldeketten optimiert werden können», sagte Umweltminister Axel Vogel (Grüne) am Freitag. «Vor dem Hintergrund der Klimakrise und der Niedrigwassersituation an den Flüssen werden Bund und Länder außerdem den Umgang mit Einleitungen in die Flüsse überprüfen und gegebenenfalls neu regeln müssen.» Das Fischsterben war am 9. August auf der deutschen Seite des Grenzflusses entdeckt worden.
Tote Fische treiben im Wasser des deutsch-polnischen Grenzflusses Oder. © Patrick Pleul/dpa/Symbolbild

Ein am Freitag veröffentlichter Bericht von Experten aus Deutschland untermauert nach Angaben des Ministers die Annahme, dass das Fischsterben mehrere Ursachen hat. «Die Auswirkungen der Klimaveränderungen mit Niedrigwasser im Fluss zusammen mit erhöhten eingeleiteten Salzfrachten haben das Wachstum der Brackwasseralge ermöglicht», teilte Vogel mit. «Die automatischen Messstationen unseres Brandenburger Messnetzes verzeichneten beim Fischsterben einen erhöhten Sauerstoffgehalt, eine hohe Leitfähigkeit - zurückzuführen auf den Salzgehalt - und hohe Chlorophyllmengen.»

Aus dem Bericht von Experten zu den Ursachen des Fischsterbens geht hervor, dass eingeleitetes Salz zur Massenvermehrung der Brackwasseralge Prymnesium parvum geführt habe. Die massive Ausbreitung der Alge gilt als wahrscheinlichste Ursache des im Sommer festgestellten massenhaften Fischsterbens in der Oder. Die genaue Quelle der Salze, anderer Elemente und Chemikalien sei jedoch unklar. An dem Bericht wirkten auch Fachleute aus Brandenburg mit. Ein Expertenbericht aus Polen war bereits am Donnerstag veröffentlicht worden.

Die Grünen im Landtag zeigten sich enttäuscht über das Vorgehen Polens. «Mit dem deutschen Bericht der Expertengruppe zur Aufklärung des Fisch- und Muschelsterbens in der Oder ist nochmals deutlich geworden, dass es sich um eine menschengemachte Umweltkatastrophe handelt», sagte Umweltpolitikerin Isabelle Hiekel. «Sie wurde durch das Zusammenwirken der Klimakrise und der Belastungen durch Gewässerausbau, Staustufen und Einleitungen, insbesondere in Polen, verursacht.»

© dpa
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