Ausmaß des Fischsterbens in Oder ungeklärt: Analysen folgen

Es sind beunruhigende Bilder: Viele tote Fische treiben an die Ufer der Oder - und die Funde werden mehr. Aber welche Erklärung gibt es? Klar ist bisher eines: Das Wasser aus der Oder ist tabu.
Eine verendete Plötze liegt mit anderen toten Fischen am Ufer der Oder bei Brieskow-Finkenheerd. © Frank Hammerschmidt/dpa

Das ganze Ausmaß des massiven Fischsterbens entlang der Oder ist noch nicht geklärt. Die Region in Brandenburg, in der tote Fische gefunden worden, weitete sich aus. Auch am Oderabschnitt im Kreis Uckermark waren am Donnerstag laut Verwaltung sehr viele Kadaver festgestellt worden. Das Landeskriminalamt (LKA) in Brandenburg ermittelt zu dem Fischsterben. Behörden werteten Wasserproben aus. Das Ergebnis der Analysen war am Donnerstag noch nicht bekannt. Warnungen der Behörden, Kontakt mit dem Wasser aus der Oder zu meiden, blieben bestehen.

Das Fischsterben in der Oder, die derzeit Niedrigwasser führt, beunruhigt seit Tagen die Menschen in Brandenburg an der Grenze zu Polen. Fischermeister Henry Schneider aus dem Kreis Oder-Spree sagte: «Sowas haben wir noch nicht erlebt. Tote Fische sind überall zu sehen. Es sind viele.» Berichte von Augenzeugen lassen auf mehrere Tonnen toter Fische schließen, hatte das Landesamt für Umwelt in Brandenburg am Mittwochnachmittag mitgeteilt.

Zudem wurde Kritik laut, Polen habe deutsche Behörden nicht rechtzeitig informiert. Aber auch in Polen selbst gibt es Vorhaltungen, die Bevölkerung sei nicht gewarnt worden, dass sie etwa keine Fische aus der Oder essen und nicht im Fluss baden soll. Bereits Ende Juli waren in Polen tote Fische gefunden und Wasserproben entnommen worden.

«Diese ökologische Katastrophe hätte kein solches Ausmaß, wenn deutsche und polnische Behörden intensiver zusammengearbeitet hätten», kritisierte die Geschäftsführerin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Antje von Brook, am Donnerstag. Eine umfassende politische Aufarbeitung sei nötig. Auch das brandenburgische Landesamt für Umwelt teilte mit, dass es keine offizielle Meldung von polnischer Seite erhalten habe.

Noch gibt es keine Erklärung für das große Fischsterben. Es sei möglich, dass eine Substanz mit stark oxidierenden Eigenschaften ins Wasser gelangt sei, hatte das Gewässeramt in Wroclaw Anfang August mitgeteilt. Zudem wurde an zwei Stellen die giftige Substanz Mesitylen nachgewiesen. Die örtliche Staatsanwaltschaft ermittelt auch wegen eines möglichen Umweltdelikts. Am Donnerstag berichtete dann die polnische Umweltschutzbehörde, aktuelle Wasserproben seien unbelastet.

«Die aktuellen Ergebnisse bestätigen kein Vorhandensein von toxischen Substanzen, darunter auch Mesitylen, auf dem gesamten untersuchten Flussabschnitt, der sich über fünf Wojwodschaften erstreckt», teilte die Behörde per Twitter mit. Das Wasser der Oder werde täglich untersucht.

Derweil soll die Entsorgung der Kadaver an den Ufern der Oder vorbereitet werden. Das kündigte der Kreis Märkisch-Oderland am Donnerstag an. Vögel und Schlangen, die Aas fressen, werden angelockt, wie ein Sprecher sagte. Die Bevölkerung solle aber nicht selber Kadaver aufsammeln, die Entsorgung solle koordiniert ablaufen.

In Polen zeigte der Fernsehsender TVN24 am Donnerstag Bilder von Freiwilligen, die massenweise tote Fische aus dem Fluss holten. Einer der Helfer beklagte, nach der Berührung mit dem Wasser habe er an den Händen rötliche Hautreizungen bekommen. Die Helfer sollen bei ihrer Arbeit Unterstützung von der polnischen Armee bekommen.

Mittlerweile werden auch in der Wojwodschaft Westpommern am Unterlauf der Oder immer mehr tote Fische gefunden, wie ein Sprecher des Gewässeramtes Stettin dem Sender Radio Zet sagte. Bei Wasserproben seien aber seit vergangenem Freitag keine Anomalien festgestellt worden.

In Brandenburg warten jetzt Ministerien, Landkreise und Experten auf die Ergebnisse der Wasser-Analysen. Das Landesamt für Umwelt berichtete, es seien am Dienstag Proben aus der automatischen Messstation in Frankfurt/Oder in das Landeslabor Berlin-Brandenburg gebracht worden. Die Einrichtung sei über die Dringlichkeit der Auswertung informiert, hieß es.

Die Warnungen für die Bevölkerung vor Kontakt mit dem Wasser kamen auch über offizielle Warn-Apps. Neben der Stadt Frankfurt (Oder) und dem Kreis Märkisch-Oderland riefen auch die Kreise Oder-Spree, Uckermark und Barnim dazu auf, direkten Kontakt mit dem Wasser der Oder und direkt damit verbundenen Gewässern zu vermeiden. Mit dem Fischsterben ist auch der Badespaß an der Oder tabu. Die Flussbadestelle in Schwedt etwa wurde vorsorglich gesperrt.

© dpa
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