Bürgermeister reist in ukrainische Partnergemeinde

29.05.2022 Wandlitz bei Berlin will der stark zerstörten ukrainischen Stadt Makariw konkret helfen. Eine strategische Partnerschaft ist bereits beschlossen, nun will die Gemeinde im Barnim Taten folgen lassen.

Oliver Borchert (Freie Bürgergemeinschaft Wandlitz), Bürgermeister von Wandlitz. © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Nach der Vereinbarung einer strategischen Partnerschaft mit der stark zerstörten ukrainischen Gemeinde Makariw will sich der Bürgermeister von Wandlitz, Oliver Borchert, vor Ort ein Bild machen. Er werde im Juni nach Makariw fahren, teilte Hauptamtsleiter Sascha Braun der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Barnimer Kommune plant ihm zufolge derzeit konkrete Hilfe.

Am Dienstagabend hatten die Gemeindemitglieder einstimmig für die freundschaftlichen Beziehungen und vor allem humanitäre Hilfe für die ukrainische Gemeinde gestimmt. Zugeschaltet zur Sondersitzung war der Bürgermeister von Makariw, Wadym Tokar. Er zeigte nach Angaben von Braun Bilder der Stadt vor dem Krieg und den jetzigen Zustand.

Tokar hatte den Kommunalpolitikern der Gemeinde unter anderem berichtet, dass etwa 40 Prozent der Infrastruktur zerstört sei, darunter zwei Kindertagesstätten, ein Lyzeum und eine Krankenstation. «Wenn man eine beschädigte Kindereinrichtung sieht mit Betten, in denen die Kinder gerade Mittagsschlaf gemacht haben, berührt das», sagte Braun. «Die Bilder gingen unter die Haut», zeigte sich Bürgermeister Borchert bewegt.

Wandlitz könne die Gemeinde nicht wieder aufbauen - das sei Unsinn, stellte Braun klar. Aber humanitäre Hilfe könne geleistet werden, etwa bei der Wiederherstellung von Sanitätszelten. Die Gemeinde prüfe zudem die Bereitstellung und den Transport einer Feuerwehr und Technik in die Ukraine. «Das brauchen wir ganz dringend», hatte der Bürgermeister von Makariw den Wandlitzern in der Videoschalte zugerufen. In seiner Stadt flammten immer wieder Brände auf.

Überdies prüft die Kommune die Bereitstellung von Gerät zur Beseitigung von Trümmern, darunter eine elektohydraulische Schere. Auch mit der lokalen Wirtschaft wolle die Gemeinde reden und nach direkter Aufbauhilfe fragen, wie Braun erklärt. «Habt ihr Lust, eine Woche runterzufahren und an einem Objekt alle Fenster zu ersetzen, sowas zum Beispiel.» Es gehe um einen direkten Kontakt auf freiwilliger Basis zum Beispiel zwischen Dachdeckern oder Glasern und der ukrainischen Gemeinde, erläuterte der Hauptamtsleiter.

Bei allem steht die Finanzierung für die Hilfe im Raum. Ausgaben der Gemeinde dafür müssten noch beschlossen werden, sagte Braun. Zudem soll die Bevölkerung zu Spenden für konkrete Hilfe aufgerufen werden. Es gehe um Zelte, damit Kinder bei Hitze oder Regen dort betreut werden können. Die Umsetzung der Spenden könne dokumentiert werden.

Makariw liegt rund 30 Kilometer von Kiew entfernt und hat
15 000 Einwohner. Anfang April waren dort 132 Zivilisten erschossen aufgefunden worden. Die meisten Toten seien in Massengräbern entdeckt worden, hatte der Bürgermeister im ukrainischen Fernsehen berichtet und russische Soldaten für das Verbrechen verantwortlich gemacht. Die Angaben konnten zunächst nicht überprüft werden.

Bei der Initiative für Makariw orientiert sich Wandlitz an Hamburg und wird den Angaben zufolge von Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko unterstützt. Im April hatten die Hansestadt und Kiew einen «Pakt für Solidarität und Zukunft» geschlossen und zudem alle Städte und Gemeinden in Deutschland und der Ukraine aufgerufen, dem Beispiel der beiden Großstädte zu folgen und weitere strategische Partnerschaften zu entwickeln. «Im Moment steht die humanitäre Hilfe Hamburgs für Kiew im Vordergrund, damit dringend benötigte Bedarfe in Kiew gedeckt werden», sagte Marcel Schweitzer, Senatssprecher der Stadt.

In Hamburg engagieren sich ihm zufolge Unternehmen über die Handelskammer Hamburg, die Bürger über den Verein Hanseatic Help. «Perspektivisch soll der Pakt in einer strategischen Partnerschaft beider Städte münden, damit es in ausgewählten Bereichen eine stärkere Zusammenarbeit gibt», sagt Schweitzer.

© dpa

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